Neues Poster für ‚Hanna‘

Ich beteilige mich hier ja normalerweise nicht am Wettlauf darum, zu jedem neuen Film die letzten drei Szenenfotos und das tolle Plakat und diesen neuen Trailer jetzt aber auch sofort zu posten. An Neuigkeiten über Joe Wrights neuen Film Hanna (hier der Trailer, der Guardian hat einen (heftigen) Clip) über eine 16jährige mit Kampfausbildung (Saoirse Ronan) bin ich aber natürlich schon meines Blognamens wegen sehr interessiert.

Collider weist nun auf ein neues Poster zum Film bei impawards.com hin, das ich Euch nicht vorenthalten möchte. Schon das erste Motiv sah ja nicht schlecht aus.

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Die offizielle Synopsis:

Hanna (Ronan) is a teenage girl. Uniquely, she has the strength, the stamina, and the smarts of a soldier; these come from being raised by her father (Bana), an ex-CIA man, in the wilds of Finland. Living a life unlike any other teenager, her upbringing and training have been one and the same, all geared to making her the perfect assassin. The turning point in her adolescence is a sharp one; sent into the world by her father on a mission, Hanna journeys stealthily across Europe while eluding agents dispatched after her by a ruthless intelligence operative with secrets of her own (Ms. Blanchett). As she nears her ultimate target, Hanna faces startling revelations about her existence and unexpected questions about her humanity.

Gérardmer 2011: Hybrid (2010)

Gérardmer 2011 - SchriftzugWann eigentlich kommt der Zeitpunkt, an dem an Filmschulen wirklich gelehrt wird, daß man nur mit einigermaßen interessanten Figuren Spannung zu erzeugen vermag? Die schalen Abziehbilder menschlicher Existenz, die sich in der städtischen Autowerkstatt versammeln, die der Schauplatz für die Ereignisse in Hybrid ist, eignen sich jedenfalls nicht dazu. Es gibt genau eine Figur, der man ein bißchen Sympathie, und eine, der man dezidiert Antipathie entgegenbringt – aber beide sind gleichwohl immer noch so flach, daß man das kaum als emotionale Verbindung benennen will; es ist wohl eher eine im Stammhirn anzusiedelnde Reaktion auf dumpfeste Dialogreize.

Wobei man „Dialog“ hier nicht als etwas mißverstehen sollte, in dem zwei Menschen miteinander sprechen und vielleicht auf das von der anderen gesagte etwas zu erwidern hätten; in Hybrid ist fast immer ziellose Konfrontation in den Gesprächen angelegt, so es nicht um Anweisungen, ausbuchstabierte Exposition oder die Verlautbarung des eh‘ offensichtlichen geht.

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Eine Handvoll Ausnahmen von dieser Regel gibt es, und sie beschreiben die Momente, in denen der Film vergißt, daß er eigentlich ein irgendwie ernstzunehmender Film über ein besessenes, vielleicht auch außerirdisch oder sonstwie fremdartiges, jedenfalls: menschenfressendes Auto ist. Ja, die Grundidee kennt man natürlich womöglich aus Christine. Oder eben auch nicht: Aber die Grundidee dahinter könnte eigentlich so überzogen-verrückt sein, daß dies den Film retten würde. Wäre Hybrid nur ganz bei sich, bereitwillig Trash, in dem Sätze so jenseits von Logik und Verstand fallen, daß sie das Ganze schon wieder unterhaltsam machen.

Denn der mühsame Aufhänger, der löchrige Plot und die stereotypen Figuren (meine Güte, Oded Fehrs Rolle ist ja noch eindimensionaler als sein Auftritt bei Resident Evil!) sind es natürlich nicht, die aus diesem Streifen interessante Abendunterhaltung zu machen vermöchten, auch der Hinweis auf die geradezu aristotelische Einheit des Erzählten (Raum, Zeit, etc.) hilft da nicht – es könnte eigentlich nur die Hingabe ans Schrottige – in Blech wie in Zelluloid – hier zu Größe verhelfen. Indem er aber nicht sein will, was er ist, läßt sich Hybrid nur selten ertragen.

In eigener Sache:
Festivalberichterstattung ist für mich aufwendig und erst einmal mit einigen Kosten verbunden. Ich versuche dennoch, möglichst viel darüber in meinem Blog zu schreiben. Daher würde ich mich besonders freuen, wenn viele meine Einträge mit einem Klick auf die
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Teeth (2007)

Manchmal braucht es ja nur einen passenden Anlaß… das International Comedy Film Festival zeigt kommende Woche in der Berliner Komischen Filmnacht den ganz hervorragenden Film Teeth von Mitchell Lichtenstein (Sohn von Roy, dem Maler); ich wurde netterweise gebeten, einen kurzen Text zum Entwicklung des Frauenbildes in der Komödie beizusteuern, den ich gerne (an manchen Stellen, wie es mir zu eigen ist, vielleicht etwas weiter ausholend als unbedingt nötig) geschrieben habe – und das war natürlich genau der Vorwand, den ich brauchte, um mir den Film selbst auch endlich noch einmal anzusehen.

Teeth beginnt mit einer harmlos und bürgerlich-friedlich anmutenden grünen Stadtlandschaft, die Kamera schwenkt schließlich auf das Elternhaus der Protagonistin Dawn O’Keefe (Jess Weixler), hinter dem unmittelbar und deutlich sichtbar die Kühltürme eines Atomkraftwerkes den Himmel dominieren. Wer angesichts dieser Darstellungen freilich Simpson-haften Humor in dieser Komödie erwartet, wird sicher enttäuscht werden; und auch die offenbare Anspielung auf durch Strahlung induzierte Genomveränderungen wird der Film nie anders als durch das Bild dieser Kühltürme explizieren. Ähnliches gilt für die diversen psychologischen Prädispositionen, die Dawn und ihr unangenehmer Stiefbruder Brad (John Hensley) mit sich herumtragen, und deren mögliche Genese zwar gezeigt wird, ob man dem aber Bedeutung verleihen will, muß man schon selbst entscheiden.

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Überhaupt ist die Zuschreibung von Bedeutung eines der zentralen Themen des Films, das sich unter der zunächst eigenartig zurückhaltenden Oberfläche verbergen. Dawn engagiert sich für eine Gruppe, die an Schulen für Enthaltsamkeit wirbt – „True love waits“ und derlei Dinge -, ohne daß sie oder ihre Freunde wirklich etwas von Sexualität wüßten. In den Schulbüchern der prüden Gemeinde sind sogar die Darstellungen der weiblichen Sexualorgane mit einem großen, golden glänzenden Stern überklebt.

Was Sexualität aber bedeutet oder bedeuten könnte, das ändert sich im Laufe des Films ebenso oft wie die Bewertung von Dawns besonderen (dem Film seinen Titel gebenden) Eigenschaften – sowohl durch sie selbst wie auch möglicherweise durch die Zuschauer_innen. Denn der Film nimmt es sich ja schließlich auf sich, den alten Mythos der Vagina dentata in die moderne Gegenwart zu versetzen und ihr einen feministischen Dreh zu geben, der sich gewaschen hat.

Er erzählt dies mithilfe einer Geschichte von weiblicher Selbstermächtigung, in der die zunächst als überaus „rein“ inszenierte Dawn (blond, hellhäutig, enthaltsam) sich mit ihrer (nomen est omen) erwachenden Sexualität auseinandersetzen muß – vor allem aber damit, daß sie als Frau sexuell von Männern (und auch gewaltsam) unter Druck gesetzt wird. Die Gefahr, die von den Sexualorganen ausgeht, ist dadurch in diesem Film keineswegs sittlich-moralisch, sondern ganz konkret.

Während anfangs aber Dawn, ihre Lehrer und alle sonstwie Beteiligten nicht einmal die Namen der weiblichen Sexualorgane in den Mund zu nehmen bereit sind, spricht Dawn mit ihrer Flamme Tobey (Hale Appleman) fortwährend über das Verbot, sich sexuell zu betätigen – ein sehr im Sinne von Michel Foucault gedrehtes Verbot, das erst recht einen Diskurs hervorruft. Aber der Film wendet das schließlich in reine Taten, in den Sturz des Macht eben nur behauptenden, nie tragenden Phallus.

Es mag sein, daß Lichtenstein in Teeth zuweilen etwas zu eindeutige Bilder verwendet – eine zahnbewehrte Spinne gehört etwa dazu – aber der Film versteckt seine Subtilität eher in den Figuren und vor allem in seiner Protagonistin; und glatt geleckt ist das alles dennoch keineswegs.

Der Humor ist denn auch weniger schenkelklopfend – er lebt aber ebenso von den Momenten puren Splatters, von der grotesken Verletzung der Körpergrenzen (und dem reißenden, beißenden Geräusch, mit dem sie sich vollzieht), wie von der Umkehrung der Machtverhältnisse, die er mit Dawn vollzieht.


Als die Hauptdarstellerin Jess Weixler den Film 2007 auf der Berlinale vorstellte (damals hat Tillmann den Film auch gesehen), kam sie nach der Vorstellung in einem leuchtendroten Kleid auf die Bühne. Allein dafür hätte ich sie umarmen können, und deshalb ist es natürlich auch hervorragend, daß das Comedy Film Festival mit diesem Film den Women in Horror Recognition Month (Februar 2011) einleiten.

Für die Berliner Komische Filmnacht am 2. Februar mit Teeth gibt es hier bei uns auch einmal zwei Freikarten zu gewinnen. Das Gewinnspiel läuft für noch eine Woche bis zum 31. Januar 2011; das Teilnahmeformular findet sich hier.

Foto: International Comedy Film Festival; Logo: Women in Horror Recognition Month

V (2009/2010) – Staffel 1

Meist gerät man ja durch biographische Zufälle schon früh mit irgendwelchen Dingen in Berührung, die sich dann tief ins Gedächtnis eingraben und immer wieder hervorkommen. So ging mir das mit dem Reptiliengesicht, das da auf einmal unter Menschenhaut zum Vorschein kam, den Meerschweinchen als Snack, ganz und lebend verzehrt, versteht sich.

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Ich war 1983, gerade einmal zehn Jahre alt, für einige Monate bei Verwandtschaft in den USA, und weil ich dort mehr Fernsehen geschaut habe, als meine Tante eigentlich wollte, habe ich auch V gesehen, die Miniserie, die NBC damals ausstrahlte (und die dann als V – Die außerirdischen Besucher kommen 1988 auch in Deutschland gezeigt wurde).

Ich habe mir die Serie jetzt noch einmal angesehen; Anlaß dafür war natürlich das Serienremake, das seit November in den USA zu sehen war und dessen zweite Staffel ab heute von ABC ausgestrahlt wird.

Woran ich mich nicht erinnern konnte (vielleicht auch, weil es mir damals nicht aufgefallen war) sind die starken Bezüge zur Judenverfolgung und zum Nationalsozialismus, die in der Originalserie aufgemacht werden. Immer wieder spricht eine jüdische Figur, offenbar Überlebender des Holocaust, davon, dies nicht wieder geschehen lassen zu wollen; er und seine Familie sind die ersten, die sich auf die Seite der von den Vs verfolgten Wissenschaftler_innen schlagen.

Angedeutet werden noch eine ganze Reihe von Themen, die wohl zum Teil in den dann folgenden Spin-Offs, die ich allerdings nicht kenne, weiterverarbeitet wurden.

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Die neue Serie (IMDb) greift, neben der grundlegenden Plotkonstruktion, viele einzelne Elemente des Originals in veränderter Form wieder auf (etwa den Fernsehjournalisten), vor allem aber ist es ein in Ton und Richtung gänzlich anderes Stück Fernsehen. Daß es nicht allen gefällt, ist da selbstverständlich.

Und natürlich ist dieses neue V keine Fernsehserie, die die Möglichkeiten des Mediums, wie sie Serien in den letzten Jahren ausgelotet haben, wirklich vollständig nutzt; aber es verfügt über eine gar nicht dumm aufgebaute Spannungsdramaturgie, die von Folge zu Folge die Handlungsschrauben anzieht, immer wieder neue Handlungsstränge und Wendungen fabriziert und zugleich zumindest die Nebenfiguren auch wirklich weiterentwickelt. Zudem verfügt die Show über ein ausreichendes Budget, um nicht nur Stars der alten Serie für Gastauftritte zu verpflichten, sondern auch die für ein Science-Fiction-Abenteuer dieses Schlages unabdingbaren Spezialeffekte einigermaßen würdevoll hinzubekommen – auch wenn sich die Personen in der CGI-Welt der V-Raumschiffe immer ein bißchen so bewegen, als schwebten sie knapp über dem Fußboden.

Die „Besucher“ bekommen hier schon rasch in Gestalt des „Schläfers“ Ryan Nichols (Morris Chestnut) ein menschliches Gesicht (Kulturwissenschaftler_innen: Das es sich bei ihm um den einzigen schwarzen Protagonisten handelt, sollte doch interessante Forschungszugänge eröffnen!), auch wenn sich die Serie sonst sehr daran abarbeitet, die Außerirdischen als „anders“ zu kennzeichnen – da ist es ein fast schon subtiles Stilmittel, daß die „V“s (die sich irritierenderweise auch selbst so nennen) zum Essen das gleiche Besteck verwenden wie zum Foltern. Die Menschen werden mit einigem Interesse, aber stets von außen betrachtet. („There is no greater incentive for a human male“, doziert die Alienkönigin einmal, „than a damsel in distress.“ – Da ist sie schon, die Ethnologie der Menschheit aus der Perspektive einer Außerirdischen.)

Die Verweise auf den Nationalsozialismus sind hier nur noch sehr subtil verhandelt – die Besucher zeichnen sich durch Gefühllosigkeit und absolute Loyalität aus, ihre Königin schenkt ihnen dafür „bliss“, Momente der Glückseligkeit. Das ist zunächst einmal nicht so sehr militaristischer Faschismus, der da zum Vorschein kommt (obwohl die Serie in ihrem Verlauf brutaler und expliziter wird) – die Menschen werden regelrecht umworben und gehätschelt. Eine ganze Zeit lang ist V viel eher eine Serie über PR und politische Öffentlichkeitsarbeit, über spin doctoring, Wirkung und Effekt – und schließlich auch über Information und Desinformation.

Das bekam im vergangenen Jahr einen ganz eigenen Beigeschmack, als sich die Verschwörungstheoretiker_innen und Aliengläubigen über die globalen Kampagnen zur Impfung gegen die „Schweinegrippe“ beugten und bekundeten: Alles nur Beschiss. Denn gleichzeitig war in V zu sehen, wie die bösen Fernsehaliens genau solch eine Impfaktion anregen, die angeblich vor allen möglichen Krankheiten bewahren solle, tatsächlich aber nur Teil ihres großen Plans zur Eroberung der Welt und Unterjochung der Menschheit darstellt…

Der Witz ist nun, und das hat mich sehr für die Serie eingenommen, daß die Macher_innen damit wiederum Verschwörungstheorien von Leuten wie David Icke aufgenommen haben, die man gar nicht so genau kennen will, wenn man sich seinen Wikipedia-Eintrag ansieht:

At the heart of his theories lies the idea that a secret group of reptilian humanoids called the Babylonian Brotherhood controls humanity, and that many prominent figures are reptilian, including George W. Bush, Queen Elizabeth II, Kris Kristofferson, and Boxcar Willie.

Für Icke sind diese Reptilien selbstverständlich auch direkt in die „Propaganda“ für die Impfprogramme involviert, wie sich z.B. hier und hier nachlesen läßt. Die Folge 1×04 von V nimmt diese Geschichte nun eben ziemlich nah am Wortlaut wieder auf und wendet sie gewissermaßen wörtlich in Fernsehfiktion um. Was für ein brillanter Plan der Reptilien, damit wir jetzt wirklich glauben, das sei nur erfunden! (Doch, doch, die Verbindungen sind vielfältig!)

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(Etwas problematisch ist dabei, daß von der „Universal Health Care“, die die Außerirdischen anbieten, gerade im vergangenen Jahr die Assoziation zu Barack Obamas Gesundheitsreform nicht besonders weit entfernt ist – sich die Serie also womöglich in ein politisches Gebiet begab, in dem sie eigentlich gar nicht unbedingt wildern wollte.)

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Die eigentlichen Hauptfiguren der Serie sind, und da wird’s dann wirklich spannend, die FBI-Agentin Erica Evans (Elizabeth Mitchell) und die Alienrepräsentatin Anna (Morena Baccarin). Es ist, im Lauf der Serie wird das immer stärker, ein Kampf der Mütter, der sich in den Kindern fortsetzt – Anna setzt ihre Tochter Lisa (Laura Vandervoort) gezielt ein, sie soll sich einen menschlichen Partner suchen. Daß Lisas und Annas Wahl ausgerechnet Ericas Sohn Tyler (Logan Huffman) wird, ist eher zufällig.

Erica gerät eher zufällig an eine Widerstandsgruppe gegen die Vs, die sie zunächst als terroristische Schläfer bekämpfen soll – schon bald wird ihr aber klar, womit sie es hier wirklich zu tun hat, und sie wird zur treibenden Kraft einer neuen Widerstandszelle. (Daß sie die einzige Frau in dieser Gruppe bleibt, ist auch bezeichnend, hebt es doch ihren besonderen Status hervor.) Zugleich wird sie im FBI einer Gruppe zugeordnet, die sich mit Anti-Alien-Bestrebungen auseinandersetzen soll, und kommt auf diese Weise auch direkt in Kontakt mit Anna.

Die erste Staffel der Serie lebt so von der unterschwelligen Ambivalenz der Beziehungen zwischen Menschen und Aliens, zwischen womöglich echten Bindungen und harten Machtkämpfen. Das „real face“, das man zeigen soll, wird freilich darin problematisch, daß es Überläufer in beide Richtungen gibt und für die Menschen die wahren Motive der Aliens, die sich in Frieden und mit Wohltaten (Gesundheit, saubere Energiequellen) nähern, nicht ersichtlich sind. (Die Zuschauer_innen erfahren sie letztlich übrigens auch nicht. Man weiß nur, daß sie wohl nichts Gutes im Schilde führen.)

Anna weiß, wohlgemerkt, in dieser Zeit nichts davon, welche Rolle Erica in der Widerstandsbewegung „Fifth Column“ spielt; für die FBI-Agentin ist der Konflikt allerdings zugleich immer ein Kampf um die Rettung ihres Sohnes, dessen Ausprägungen auch sprachlich gelegentlich an Ripley aus Aliens denken lassen: „If I have to cross a line to blow that bitch out of the sky, I will.“

Die Männer spielen hier in allen für die Serie relevanten Strukturen immer nur die zweite Geige; überdeutlich wird das in der Folge 1×06, die erstmals die Sexualität der Vs thematisiert, die auf irritierende Weise sehr menschliche Vorstellungen von erotischer Sexualität und vager weiblicher Dominanz mit insektenhafter Animalität verbindet – da wird auch deutlich, warum sich die Vs, Insektenstaaten gleich, um eine „Königin“ herum organisieren.

(Daß in Ericas Leben kein Mann vorkommt, auch Tylers Vater nicht, sie somit zur – gutartig – alleinherrschenden Mutter wird, verstärkt die Gegenüberstellung der beiden Frauenfiguren natürlich noch.)

Die erste Staffel endet mit der Geburt eines Mensch-Alien-Mischlings, den Anna zunächst als „a mongrel, a threat to our survival“ einstuft, dann aber doch um alles in der Welt besitzen will. Die Themen von Reproduktion (und ihrer impliziten Monstrosität), von Reinheit und Mischung, Weiblichkeit und Macht – sie sind alle angerissen und aufgeladen. Ab heute kann man sehen, wie das weitergehen soll.

Super (2010)

Dieser Text ist ursprünglich in der Splatting Image Nr. 84 erschienen.

„Shut up, crime!“

Frank D’Arbo ist ein äußerst durchschnittlicher Mann, weder mit einem spektakulären Körper noch mit besonderen Geistesgaben gesegnet. Das Haar wirkt schon etwas schütter, der ganze Kerl ein wenig teigig – aber er ist, wie seinen Kollegen und Bekannten immer wieder auffällt, trotz oder wegen seines schlichten Gemüts ein grundguter Mensch.

Rainn Wilson ist nicht gerade der erste Schauspieler, an den man denkt, wenn die Rolle eines Superhelden zu besetzen ist, aber Super, in dem aus dem unauffälligen Frank der kostümierte „Crimson Bolt“ wird, will natürlich auch kein gewöhnlicher Superheldenfilm sein. Er fällt in vermutlich zeitgeistiger Synchronizität fast gleichzeitig mit Filmen wie Watchmen, Kick-Ass und Defendor auf die Leinwände der Welt. Offenbar ist es nun, da das Kino von Batman über Hulk bis Spiderman die klassischen Heroen der Popkultur in unzähligen Comicverfilmungen, Remakes, Reimaginings und Reboots verwurstet und implizit mehr und mehr dekonstruiert hat, sich der Anziehungskraft dieser Figuren einmal aus der Perspektive des Rezipienten zu stellen. Was wird aus Max Mustermann, wenn er sich ins Kostüm wirft? (Hier sind zwei Clips aus dem Film, die erste Antworten geben.)

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Die genannten Filme haben natürlich ganz unterschiedliche Antworten auf diese Frage. (Und die eigentlich radikalste, auf jeden Fall menschenfeindlichste Antwort fehlt in dieser Reihung, weil Bekmambetovs Wanted [meine Kritik] sich auf die in Millars Comicvorlage angelegte Superhelden-/Superbösewichte-Geschichte nicht einlassen wollte: Da wird der Held nämlich zum so gesetzlosen wie moralfreien Supermörder.) James Gunns Super ist von den drei Filmen Defendor wohl darin am nächsten, daß er bewußt auf eine Überhöhung seiner Protagonisten verzichtet und sich ebenfalls eher für die Entwicklung seiner Figuren interessiert als für den Karneval der Kostüme.

Franks „Crimson Bolt“ ist aber dennoch – anders als der von Woody Harrelson verkörperte „Defendor“ – ein Kind des Comics. Frank beschließt, zum Superhelden zu werden, um seine geliebte Sarah (Liv Tyler) zu retten, die sich von dem Drogendealer Jacques (Kevin Bacon) abhängig gemacht hat. Seine Recherche nach Superhelden, die auch ohne Superkräfte und teure technische Gadgets ihrer Arbeit nachgehen, führt ihn in den nächstbesten Comicladen. Dort lernt er Libby (Ellen Page) kennen, die bald hinter sein Geheimnis kommt und sich ihm als Sidekick „Bolty“ andient, um nicht zu sagen: aufdrängt.

Page spielt in Super brachial gegen das in ihren letzten Filmen oft dominante Image der schlauen, gern auch altklugen Göre an, indem sie es zuerst zu bestätigen scheint, und dann alles aus Libby herauskitzelt, was in ihr an psychotischem Verhalten angelegt sein könnte. Sie verkörpert damit aber bis an die Grenze des Erträglichen genau jenes Dilemma, vor das Frank bald auch gestellt sein wird: Daß nämlich der Superheld, die Superheldin sich zwar (vielleicht) für den Erhalt der ethischen und gesetzlichen Ordnung einsetzen mag, daß er sich aber zugleich immer über sie stellt – diese Flucht aus den Beschränkungen des „normalen“ Lebens ist Libbys eigentlicher Antrieb.

Damit stellt Gunn in seinem Film die beiden extremen Auslegungen des Superheldendaseins – der eine mit dem quasi-religiösen Auftrag, das Böse zu bekämpfen, die andere mit der selbstverschafften Erlaubnis, die mit geradezu kindlicher Begeisterung Auslauf begehrende Sex- und Gewaltsau rauszulassen – in seinen Figuren einander zur Seite (und zugleich ist er zu klug, um die Eigenschaften so scharf voneinander abzugrenzen, wie es zunächst scheinen mag).

Super zielt damit – den Anspruch auf allgemeine Gültigkeit trägt der Film ja schon im Titel vor sich her – auf eine Dekonstruktion des traditionellen Superhelden an, allerdings eben nicht von innen, wie es die besseren unter den jüngeren Superheldenfilmen tun, sondern indem er, gewissermaßen von außen beginnend, die moralischen Grundlagen des Superhelden aus ihren Motivationen heraus befragt, überhaupt erst das Kostüm anzulegen.

Moralinsauer geht es dabei aber nie zu. Denn so wie es Gunn in seiner Webserie PG Porn bereits erprobt hat, so erweist er sich auch hier als begnadeter Virtuose von Ton und Geschwindigkeit. Mal läßt er seine Protagonisten minutenlang hinter einem Müllcontainer verharren, während sie darauf warten, daß irgendwo ein Verbrechen geschieht. Dann wieder verwendet Gunn Elemente des Comics – nicht nur Verweise darauf –, um die Handlung ins Cartoonhafte zu überzeichnen und fügt mit „The Holy Avenger“ eine völlig wahnwitzige Figur ein, die die Handlung überhaupt erst in Fahrt bringt. Vor allem aber nimmt er in Momenten, in denen man es nicht erwartet hätte, plötzlich das Tempo weg (oder legt richtig zu) und wechselt die Tonart völlig abrupt von Moll auf Dur oder zurück.

Daß er damit den Zuschauer unter Umständen aus einer gefälligen Betrachtungssituation reißt, dürfte Gunn als eine mögliche Folge im Blick gehabt haben. In seiner Erzählung sind schließlich Gut und Böse auch nicht so einfach verteilt, daß man ganz ohne eigenes Nachdenken davonkäme.

Wenn die Geschichte am Ende wieder auf Sarah und ihre Beziehung zu Frank zurückkehrt – eine ganze Weile lang ist ihre Rettung nur vager Hintergrund für die Aktivitäten von „Crimson Bolt“ und „Bolty“ – dann rettet sie sich auch zuletzt nicht in ein schlichtes Happy-End. Stattdessen findet sich für Frank ein realistischer, vorstellbarer Ort. Wie „Defendor“ alias Arthur Poppington wurde auch er von einem Freund emphatisch als „good person“ beschrieben – die Guten aber sind eben immer ein bißchen zu gut für diese Welt.

Wounded (1997)

Wounded hatte in Deutschland schon viele Namen – er war als Wounded – Beute eines Psychopathen (Amazon-Link) oder Wounded – Eine Spur zu weit zu sehen, die IMDb verzeichnet darüber hinaus auch noch Die einzige Zeugin, Frei zum Abschuß und Zum Abschuss freigegeben als deutsche Alternativtitel. Jetzt hat Atlas Film Home Entertainment den Film als Wild Prey noch einmal veröffentlicht, in einer anscheinend ungekürzten Fassung.

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Immer wieder hat man allerdings den Eindruck, als seien die schlimmsten Blutigkeiten entfernt worden – es geht um einen Wilderer (Adrian Pasdar), der Braunbären und andere geschützte Fauna im Akkord umbringt und Menschen gegenüber nicht eben zimperlicher ist. Wildhüterin Julie (Mädchen Amick, im Bett wie auf der Wildererjagd stets vortrefflich geschminkt) ist bei einem vom FBI initiierten Einsatz gegen den Mann dabei und überlebt als einzige – eher zufällig, weil sie dank eines bisher nicht entdeckten Situs inversus das Herz auf der rechten Seite hat. (Das ist übrigens so ein Motiv, das gerne mal als deux ex medicina bemüht wird, aber m.W. allein schon deshalb Quatsch, weil ein Situs inversus den Symptomen nach zu urteilen früh entdeckt werden dürfte.)

Der Wilderer macht einen auf Vietnam-Psychopath, samt Stolperfallen, angespitzten Holzpfählen und Rambo-Messer, er macht auch vor seinen eigenen Auftraggebern nicht halt, wenn die ihm blöd kommen: Er ist also ein rechter Fiesling, und das versteht man auch schon bald. Man versteht freilich nie so recht, warum, aber das ging mir mit allen Figuren so: Charakterzeichnung ist die Stärke von Wounded nicht, noch ist eine solche in der Inszenierung oder der Dramaturgie zu finden. Es gibt eher absurde (und wie nur angerissen wirkende) Trainings- und Vorbereitungsmontagen, der Zeitverlauf verschiedener Handlungsebenen paßt hinten und vorne nicht zusammen, und der depressive Cop (Graham Greene), der Julie zur Seite steht, bleibt leider auch völlig unterentwickelt. Ach, der Film strotzt nur so vor verschenktem Potenzial.

Das gilt vor allem für das sehr kurze und ziemlich enttäuschende Finale, aus dem sich nicht nur leicht mehr Spannung hätte herauskitzeln lassen, sondern daß vor allem in Sachen Identität und Geschlecht noch viel Dehnungsspielraum gelassen hätte. Da gleicht sich nämlich Julie in Kleidung, Habitus, Bewaffnung und Gesichtsbemalung ihrem Antagonisten an, legt in der Wildhüterhütte Feuer und geht allein in den Wald, mit dem Ziel zu töten. Mädchen Amick hier ganz hinter ihrer Tarnung und ihren Waffen verschwinden zu lassen… ach, aber dem Film fehlt der Mut zu großen Schritten.

Foto: Atlas Film Home Entertainment

Hyperventilierende visuelle Bombe: Sucker Punch

Die Werbemaschinerie zu Zack Snyders Sucker Punch läuft bereits beharrlich, auch wenn der Film erst in drei Monaten, dann aber in vielen Staaten gleichzeitig, zu sehen sein wird. Ich hatte hier schon einmal einen Trailer gepostet, in der neuen „Featurette“ sind noch einige kurze Sequenzen mehr zu sehen; und noch mehr wirkt der Film wie eine hochtourige Variation auf Tim Burton-Filme mit vielen, vielen Schußwaffen und Explosionen. Oder wahlweise DOA: Dead or Alive (meine Kritik) auf Speed.

(via)

The Long Kiss Goodnight (1996)

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Natürlich ist The Long Kiss Goodnight, dem deutschen Verleihtitel Tödliche Weihnachten zum Trotz, kein Weihnachtsfilm im eigentlichen oder auch nur übertragenen Sinne, aber er ist einer meiner liebsten mit Weihnachtsdekor. Darüber hinaus ist er aus mehr als einem Grund einer meiner liebsten Actionfilme und womöglich der Höhepunkt von Renny Harlins Karriere – was er vielleicht aber auch der Zusammenarbeit mit dem Autor Shane Black verdankt, der zum Beispiel auch das Drehbuch für den ganz großartigen Kiss Kiss Bang Bang (meine Kritik) geschrieben hat.

Geena Davis spielt hier Samantha Caine, Grundschullehrerin und Mutter mit Gedächtnisverlust, die eines Tages unsanft daran erinnert wird, daß sie früher einmal Charlene Elizabeth Baltimore war, genannt Charlie, Auftragskillerin der CIA. And thus, the shooting begins…

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Es ist schon bemerkenswert, daß es Harlin hier über fast zwei Stunden Filmlaufzeit gelingt, den Film kontinuierlich, flott und actionreich am Laufen zu halten. Da wird die zentrale Halle eines Provinzbahnhofs in Schutt und Asche gelegt, es gibt Explosionen und Shoot-Outs galore und schließlich auch noch einen Ausbruchsversuch mit Babypuppenpipi. Echt jetzt!

Die minimalen Längen, die der Film aufweist, verdanken sich eher den Momenten, in denen er und Black sich tatsächlich ein wenig um die Figuren kümmern und so vor allem, aber nicht nur der Hauptfigur auch einiges an Entwicklungspotential einschreiben – das ist mehr, als normale Actionfilme je auf die Reihe bekommen.

Davis‘ Samantha/Charlie ist eines der grundlegenden „Butt-kicking Babes“ der Filmgeschichte, und eine der überzeugendsten dazu – selten hat sich später ein Film getraut, eine Frau derart kompromißlos als Agentin zu positionieren und dies auch durchzuziehen (erst 2010: Angelina Jolies Salt fällt mir noch ein). Sie ist, als sie ihr Gedächtnis wiedererlangt hat, eine völlig rücksichtslose Killerin – „Kill ‚em for me, bitch. What are you good for?“, fragt ihr Sidekick Mitch (Samuel L. Jackson) sie einmal -, die ihren Auftrag (den sie sich hier gleichwohl selbst gewählt hat, eine Verschwörung im Hintergrund gibt es nämlich auch noch) ohne Zögern ausführt.

In Form einer Persönlichkeitsspaltung qua Amnesie agiert diese Figur dabei zugleich die zwei Extreme aus, zwischen denen die Frauenbilder des Hollywoodfilms (bzw. westlicher kultureller Produktion überhaupt; Klaus Theweleit läßt grüßen) üblicherweise changieren: Als Samantha ist sie zwar nicht jungfräuliche Heilige, aber eben doch brave Lehrerin und Mutter; als Charlie ist sie promisk, schminkt sich, schneidet sich die Haare ab und negiert die Beziehung zu ihrer Tochter. (Eine Art gewollte, bewußt herbeigeführte Amnesie, wenn man so will.)

Die beiden Extreme schließen sich zunächst filmisch völlig aus: In Träumen sieht Samantha ihr Alter Ego im Spiegel, und Charlie schneidet ihr aus dem Spiegelbild heraus die Kehle durch.

Das eigentlich Bemerkenswerte an The Long Kiss Goodnight ist nun, daß Black und Harlin diese Differenz der Persönlichkeiten nicht aus dem Weg schaffen wollen: weder bekehren sie Charlie zu Mutterschaft à la Samantha bekehren noch lösen sie das Problem durch den Tod der Mutter. Stattdessen bleibt am Schluß eine facettenreiche Frau zurück, die zwar friedlich Lehrerin, Partnerin und Mutter bleiben will, aber die Regierung auch mit Vergnügen um einen Koffer voll Geld betrügt und Messer immer noch beängstigend präzise werfen kann. Wer weiß schon, was auf die Frau noch für ein Leben wartet.

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(Bizarres Randmoment ist übrigens, das ich die Neusichtung von The Long Kiss Goodnight zufällig am gleichen Tag machen konnte wie die Erstsichtung von Mother & Child (Kritik folgt) – in beiden, wirklich sehr, sehr unterschiedlichen Filmen spielen Samuel L. Jackson und David Morse mit. Sehr eigenartig war diese Zusammenschau.)

River Tam

Selten waren Kampfszenen so elegant und zugleich so blutig wie wenn Summer Glaus River die Kontrolle über sich verliert, hatte ich seinerzeit zu Serenity geschrieben, und das ist heute noch so wahr wie vor fünf Jahren. Hier kann man sich noch einmal visuell erinnern, und hier einen klugen Text u.a. dazu lesen, warum wir die Butt-kicking Babes des Kinos wirklich brauchen.

(via)

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