Texte zu Filmstarts (26. August 2010)

Zumindest zwei der in dieser Woche startenden Filme lohnen einen Kinobesuch; Der kleine Nick (Le petit Nicolas), die Verfilmung der bekannten Geschichten von Goscinny und Sempé, gehört leider nicht dazu. Warum das so ist, habe ich für critic.de aufgeschrieben.

Enter the Void hingegen ist einen Kinobesuch allemal wert, zumal das herausfordernde Seherlebnis, das dieser Film bietet, anderswo wohl kaum nachzuvollziehen sein wird. Aber nicht alle werden Gaspar Noes Streifen deshalb gleich lieben.

Mary & Max schließlich, eine Tragikomödie in Knetgummi, sollte man sich unbedingt ansehen. Und dann viele Freundinnen und Freunde ebenfalls hinschicken.

Foto: MFA+

Text zu Filmstart (19. August 2010): Babys

Von den heute startenden Filmen konnte ich vorab schon den Dokumentarfilm Babys (Bébés) sehen und für kino-zeit.de besprechen. Eltern werden sich vermutlich von diesen Bildern niedlicher Kinder aus aller Welt eine Weile bezaubern lassen, für alle anderen Menschen treten die offenen Fragen, die der Film läßt, womöglich schneller und deutlicher hervor.

Foto: Kinowelt

Empfehlungen zum Fantasy Filmfest 2010

Alle meine Beiträge zum Fantasy Filmfest (FFF) 2010 finden sich unter dem Schlagwort FFF2010

Bevor dieses Blog jetzt in eine zweiwöchige Sommerpause geht, wollte ich noch kurz meine Empfehlungen, Warnungen und allgemein: Kritiken zu den Filmen des diesjährigen Fantasy Filmfestes (17. August-9. September) zusammenstellen.

Leider ist es mir nicht mehr gelungen, alle Filme zu sehen, die ich vorab hätte sehen wollen und können; da ich selbst nicht auf dem FFF sein werde, wird erst danach wohl noch die eine oder andere Kritik zu Filmen des Festivals hier im Blog auftauchen. Ich gehe hier zunächst nur auf meine eigenen Besprechungen (und also auch meine eigenen Einschätzungen) ein; anderswo finden sich aber auch schon Kritiken zu weiteren Filmen des Filmfests, auf die entsprechenden Seiten verweise ich unten nochmals.

Meine dringenden Empfehlungen fürs Fantasy Filmfest 2010 sind zwei jeweils auf ihre eigene Art durchaus experimentell anmutende Filme, die man genau deshalb unbedingt auf großer Leinwand und mit funktionierender Rundumbeschallung sehen sollte – auch wenn beide sicher nicht den Geschmack jede_r Zuschauer_in treffen, eine ästhetische wie inhaltliche Herausforderung sind sie allemal. Es handelt sich um Amer von Hélène Cattet und Bruno Forzani, eine fulminante Hommage an den Giallo, und Enter The Void, den filmischen Drogentrip von Gaspar Noé.

Sehr sehenswert sind außerdem mit Sicherheit The Disappearance of Alice Creed, ein enorm dichtes Entführungskammerspiel mit Gemma Arterton in der Titelrolle, sowie der äußerst zurückgenommene Vigilante-Thriller Harry Brown mit Michael Caine.

Von den genannten vier Filmen abgesehen habe ich aber noch einige mehr gesichtet und besprochen; sie seien hier noch einmal in alphabetischer Sortierung (nach FFF-Titel) aufgeführt:

Hier außerdem noch ein Nachträge von Anfang September 2010:

Auf manchen Seiten finden sich aber auch zu anderen Filmen des Festivals bereits Vorabbesprechungen, und ebenso wird man dort ab dem 17. August sicher viel Lesens- und Hörenswertes finden können. Ich habe bei Twitter eine Liste mit den Menschen begonnen, die vom FFF berichten wollen – für Ergänzungsvorschläge bin ich stets offen.

Ansonsten finden sich Texte zum Fantasy Filmfest natürlich bei den Kolleginnen und Kollegen von critic.de und blairwitch.de; bei F-LM wird wohl wieder gepodcastet, und Frau Flinkwert bloggt (und verrät vorab schon manches) ebenso wie Hartigan (in dessen Archiv sich schon der eine oder andere diesjährige FFF-Film besprochen findet).

Bei f3a schließlich hat wie stets die Community das Wort.

Wen habe ich übersehen, vergessen, nicht genannt? Bitte füllt die Kommentare mit interessanten Links und Hinweisen!

Fotos: Fantasy Filmfest

FFF 2010: Harry Brown (2009)

Alle Beiträge zu Filmen, die auf dem Fantasy Filmfest (FFF) 2010 zu sehen sein werden, finden sich unter dem Schlagwort FFF2010

Schon allein der Name des Hauptdarstellers ist vermutlich für viele Leute Grund genug, sich diesen Film anzusehen, aber Michael Caine ist nicht nicht das einzig sehenswerte an Harry Brown. Harry (Caine) lebt in einer englischen Sozialsiedlung, mit der es langsam bergab geht. Nach dem Tod seiner Frau bleibt dem Rentner nur noch sein bester Freund Leonard (David Bradley), der sich von einer Jugendgang bedroht fühlt. Als Leonard getötet wird, verzweifelt der hochdekorierte Exsoldat und sinnt schließlich auf Rache.

Der Vergleich mit Gran Torino, den auch das Pressematerial des FFF bemüht, ist natürlich in der Tat nicht von der Hand zu weisen – nicht nur wegen der Ähnlichkeiten der Handlung, der möglicherweise bewußten Anspielung auf Clint Eastwoods „Dirty Harry“ im Namen der Hauptfigur und den Parallelen zwischen den Star Personas von Eastwood und Caine, die man konstruieren könnte.

Aber Harry Brown ist ein sehr eigenständiger Film, der sich vordergründig auch für so etwas wie Sozialrealismus und das wirkliche Leben in den fiesen Vorstädten interessiert – samt einer Ermittlung der Polizei, die von Vorgesetzten hintertrieben und abgebrochen wird. Auch diese, und das gehört zu den Stärken des Films, sind nicht böse und nicht einmal besonders arrogant oder ahnungslos – sie haben einfach eine andere Perspektive, aus der sie anderes übersehen als die Beamt_innen (Emily Mortimer, Charlie Creed-Miles) vor Ort.

Es sind solche Unwuchten im Getriebe der staatlichen Systeme, könnte man da meinen, die einen kleinen, betroffenen Rächer wie Harry geradezu zwingend hervorbringen müssen, womöglich gar erforderlich machen. Aber Harry Brown weigert sich beharrlich, daraus Heroismus oder auch nur: eine Lösung zu konstruieren. Viel mehr interessiert er sich für seine Hauptfigur – für Harrys Verzweiflung, seine rasch wiedergefundene Routine im Töten (die ihrerseits im Film nur en passant thematisierte politische und historische Bedeutungsebenen mitbringt) und das Schillern von Harrys Entscheidungen zwischen der Ausweglosigkeit und der Alternativlosigkeit von Gewalt.

In Harry Brown geht es nicht um wer oder was oder ob, das Wie ist entscheidend. Regisseur Daniel Barber paßt seinen Film dem Tempo der Hauptfigur an, alles geht geradezu gemählich, mit manchmal schleppendem Atem vorwärts (und ist doch keine Minute langweilig). Einzig die Entscheidung Harrys, doch wieder zu Gewalt zu greifen, obwohl er ihr vor langer Zeit abgeschworen hatte, scheint zu schnell zu fallen – ansonsten gelingt es Caine, seine Figur mit Zögern, Verzweiflung und Entschlossenheit zu füllen, bis hin zum blutigen Ende.

Foto: Fantasy Filmfest

FFF 2010: The Reeds (2009)

Alle Beiträge zu Filmen, die auf dem Fantasy Filmfest (FFF) 2010 zu sehen sein werden, finden sich unter dem Schlagwort FFF2010

Ich finde es an sich ja immer schön, wenn ein Horrorfilm seinen Handlungsort nicht nur für Effekte zu nutzen, sondern in die Dramaturgie zu integrieren weiß; wenn dieser also entweder bedeutungstragend wird wie die Wüste in Djinns aka Stranded (Kritik folgt) oder aber seine spezielle Ausformung für die Entwicklung der Handlung wichtig wird.

In dieser Hinsicht macht The Reeds anfangs durchaus Hoffnung; denn die britischen Twens um Laura (Anna Brewster, die hier einer jüngeren Milla Jovovich manchmal sehr ähnlich sieht), die sich für ein schönes Wochenende (natürlich ohne sich mit Navigation oder Schifffahrt oder dergleichen irgendwie auszukennen) in eine Schilflandschaft aufmachen, gehen zwischendurch ganz gehörig in der gleichförmig wogenden Ebene verloren. Zuerst gemeinsam, dann mehr und mehr einzeln, von der Hybris getragen, man werde den Weg zurück schon finden.

Leider fällt dem Film darüber hinaus nichts so richtig Aufregendes ein. Am Anfang stapeln sich die dräuenden Andeutungen, sind da seltsam schweigsame Jugendliche, die offenbar blutige Rituale durchführen, stapft ein finsterer und tief verhüllter Jäger durchs Schilf – dann explodiert die Story sehr schnell in Wahnvorstellungen, Visionen und Katastrophen, bei denen der Plumpsack schwerster Verletzungen nacheinander bei allen Protagonisten mal landet. Kaum ist einer verstorben, hat schon der Nächste eine tiefe Bauchwunde.

Gerade wenn man denkt, jetzt sei aber Zeit für ein großes Finale, hat der Film allenfalls mal 40 Minuten hinter sich gebracht; dann ziehen sich die nächsten zwanzig Minuten etwas leer hin wie geschmacksfrei gewordenes Kaugummi, bevor der Film in ruhigere Wasser umschwenkt, in denen er versucht, Sinn in das vorher Gesehene hineinzuerklären. Da wirkt also der Spannungsbogen etwas ausgeleiert, und nachdem die Geschichte eine recht bemühte und nicht besonders originelle Aufklärung gefunden hat, gibt es noch eine abschließende Pointe, wie sie fürs aktuelle Horrorkino derzeit nur zu gewöhnlich ist.

Foto: Fantasy Filmfest

Texte zu Filmstarts (12. August 2010)

Von den dieswöchigen Filmstarts habe ich drei ausführlicher besprochen. Zunächst wäre dies 8th Wonderland – die Kritik ist in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Deadline nachlesbar -, ein fast essayistisch anmutender Spielfilm über einen virtuellen Staat und die Folgen seiner Existenz auf das „Real Life“.

Mademoiselle Chambon (für kino-zeit.de gesehen) ist ein sehr ruhiges französisches Liebesdrama, in dem vielleicht zu wenig gesprochen und zu wenig gewollt wird.

Den krassen Gegensatz dazu bietet Das A-Team (bei critic.de), eine laute und unterhaltsame, aber eben auch ziemlich flache Filmadaption der auch schon ziemlich angejahrten Fernsehserie. (Zu den Geschlechterbildern in diesem Film hatte ich mir hier ausführlicher Gedanken gemacht.)

Foto: Neue Visionen Filmverleih

FFF 2010: Centurion (2010)

Alle Beiträge zu Filmen, die auf dem Fantasy Filmfest (FFF) 2010 zu sehen sein werden, finden sich unter dem Schlagwort FFF2010

Freunde des Genrekinos halten für gewöhnlich große Stücke auf Neil Marshall – den entsprechenden Ruf hat er sich mit Dog Soldiers und The Descent erarbeitet; Doomsday (meine Kritik), ein Trashfest der Splattermusik, war vielleicht zu unernst und zu sehr am Geschmack größerer Massen orientiert. Mit seinem neuen Film Centurion bleibt Marshall zwar in Schottland, nimmt sich aber eines historischen Stoffes an: Dem angeblichen Verschwinden der Neunten Römischen Legion in Britannien.

Quintus Dias (Michael Fassbender), Hauptmann (also Centurio) der römischen Armee, wird von dem britannischen Stamm der Pikten gefangen genommen, nachdem diese das Lager seiner Truppen zerstört hatten; er kann mit Glück fliehen und stößt zur Neunten Legion unter General Titus Flavius Virilus (Dominic West), die gerade den Auftrag bekommen hat, den König der Pikten (Ulrich Thomsen) gefangen zu nehmen. Quintus zieht mit, aber in einem Hinterhalt wird der General gefangen genommen und die Soldaten hingemetzelt – nur der Centurio und sechs weitere Männer überleben.

Quintus und seine Leute versuchen nun zunächst, den General zu befreien, und schlagen sich dann „behind enemy lines“, wie es recht modern im Film heißt, durch die Wildnis, um wieder römisch besetzten Boden unter die Füße zu kriegen. Dabei geht es recht malerisch durch nebelverhangene Wald- und Berglandschaften, während die Jäger immer dichter aufschließen und die Gejagten dezimieren.

Auch wenn Centurion nicht so brutal wie etwa Doomsday ist, so fliegt hier doch deutlich mehr Blut und Gehirnmasse durch die Gegend, werden Köpfe öfter gespalten und abgeschlagen, als dies sonst im Sandalenfilm üblich ist. Marshall könnte seine Geschichte freilich genauso gut in jeder anderen Epoche und in jedem anderen Kontext ansiedeln – die Neunte Legion bietet eine vermutlich willkommene historische Vorlage (die Kevin Macdonald gerade ebenfalls für The Eagle genutzt hat), doch könnte man sich diesen Quintus Dias auch in einem Krieg des 20. Jahrhunderts vorstellen.

Der politische Hintergrund, der die Handlung in Bewegung setzt, wird hier auf sein Minimum reduziert – natürlich Intrigen und Interessen, die mit den Soldaten wenig zu tun haben –, aber das bedeutet auch, dass Marshall auf jede Form von Pathos verzichtet. So wird das Kämpfen und Sterben nicht durch Schlachtenmusik und Streicher dramatisiert, Centurion ist purer Überlebenskampf, Blut, Rache, Schnee und Schlamm. Gut und Böse sind auf beiden Seiten der kriegerischen Auseinandersetzung zu finden, und dass der Film sich nun ausgerechnet den römischen Centurio und nicht etwa König Gorlacon als zentrale Figur aussucht, wirkt einigermaßen beliebig.

Für eine Weile macht es noch den Eindruck, als ginge es Marshall hier um das dreckige Kriegshandwerk an sich, aber er interessiert sich nicht wirklich für seine Figuren, für die Verheerungen, die das Morden in ihnen anrichtet. Folgerichtig ist auch die Frau, die Quintus dann schließlich von den Qualen des Kriegerdaseins befreien wird, eine Leerstelle, die nur durch ihre dramaturgische Funktion gefüllt wird. (Und dabei bleibt nur deshalb kein ausschließlich grässlich fades Geschlechterbild zurück, weil gleichzeitig Olga Kurylenko als rachedurstige Pikt-Kämpferin Etain recht wirkungsvoll die Klingen schwingt. „Her soul is an empty vessel. Only Roman blood can fill it.“)

Centurion wirkt vor allem wie ein düsterer Gegenentwurf zu all den beschönigenden Schlachtengemälden, die im Mainstreamkino der letzten Jahre zu sehen waren. Da wandern die Protagonisten über Hügel wie aus der Lord of the Rings-Trilogie – nur sind die Berge hier nicht grün, sondern immerzu schneegrau und verregnet. Die Pikten malen sich blaue Streifen ins Gesicht wie Mel Gibson in Braveheart und kämpfen für ihre Freiheit – aber dann morden sie mit rücksichtsloser Grausamkeit.

Nicht einmal im Traum wogen hier Ährenfelder wie in Gladiator, als dessen schwarzer Bruder Marshalls Film oft erscheint – Quintus ist auch noch ausgerechnet Sohn eines Gladiators. Das Morden, das selbst bei Ridley Scott relativ blutarm daherkommt, wird hier an die Grenze zum Splatterfilm herangeführt. Was Marshall allerdings nicht gelingt ist ein Blick über den unmittelbaren Moment der Schlachten hinaus. Krieg ist furchtbar, ja; doch der Rückzug des Protagonisten an einen heimischen Herd wirkt nur wie die naheliegendste Lösung, nicht schlüssig oder durchdacht. Das Idyll ist schon verlogen, bevor es nur begonnen hat.

Dafür ist man Centurion dann aber doch dankbar: Dass er nicht in seinen letzten Momenten noch rührselig wird.

Foto: Fantasy Filmfest

FFF 2010: Timer (2009)

Alle Beiträge zu Filmen, die auf dem Fantasy Filmfest (FFF) 2010 zu sehen sein werden, finden sich unter dem Schlagwort FFF2010

„Is this another potential?“

Mit Ende Zwanzig ist Oona (Emma Caulfield), die sich aus völlig unerfindlichen Gründen nicht dauernd mit ihren Eltern darüber streitet, wie sie auf ihren seltsamen Vornamen verfallen konnten, romantisch etwas verklemmt. Sie mag sich auf keine Beziehung einlassen, die nicht sicher die Richtige, Vermutlich Mit Vielen Großbuchstaben Zu Schreibende, Glücklich Machende ist. Wäre in unserer Welt eine solche Sicherheit unmöglich zu erreichen, so ist dies in der Welt von Timer, die ansonsten der unseren so sehr entspricht, für eine Handvoll Dollar möglich: Man läßt sich einfach den titelgebenden „Timer“ ins Handgelenk stanzen, und schon blinkt und klingelt das Gerät, sobald Mr. und Ms. Right sich begegnen – falls beide einen „Timer“ haben. Vorher zählt das Gerät langsam die Tage und Stunden bis zum Treffen herunter; wenn aber der Seelenpartner noch keinen „Timer“ hat, blinkt die Zeitanzeige (so bei Oona) leer vor sich hin.

Timer denkt also, und das ist eine wirklich originelle Idee, konsequent weiter, was die mobilen Anwendungen von Social Networks heute schon probieren – und verbindet das mit einem Glücksversprechen, das in der Filmlogik von niemandem angezweifelt wird: Selbst wenn man nicht wisse, wie es funktioniere, daß es funktioniere, sei nicht zu bezweifeln. Die gleichen Ausschlußmechanismen, die sich in unserer Gegenwart verfolgen lassen – zuerst war seltsam, wer ein Handy hatte, jetzt wirken die Menschen altertümlich, die keines besitzen; und liest dies hier jemand ohne Facebook-Account? -, werden in Timer auch in Bezug auf das namensgebende Gadget wirksam. Wer keines hat, ist alt, hoffnungslos out oder kommt halt vom Land.

Aus diesem Setup generiert Regisseur und Autor Jac Schaeffer einen Film, der verschiedene soziale und psychologische Folgen des „Timer“ anhand unterschiedlicher Figuren durchdekliniert – Oona ist auf der verzweifelten Suche nach dem Richtigen (und bringt immer wieder Männer dazu, sich einen „Timer“ geben zu lassen), während ihre Schwester Steph sich durch die Männerwelt schläft, weil es noch ewig hin ist bis zum Datum, das ihr „Timer“ zeigt. Natürlich treten dann mit Mikey und Dan Männer in das Leben der Schwestern, die diese Verhaltensweisen kräftig durcheinanderwirbeln und die Hoffnung ihrer Mutter Lügen straft, daß man sich mit dem „Timer“ Herzschmerz, Trennungen und Geschlechtskrankheiten sparen könnte.

Da ist dann reichlich Platz und Gelegenheit für Situationskomik, hintergründigeren Humor und Momente intensiven Fremdschämens; Timer unterhält durchaus vortrefflich. Von den Figuren ist man gleichwohl nicht so richtig mitgerissen, dafür geraten sie doch zu eindimensional; allein Michelle Borth kann ihrer Steph mit Bösartigkeiten und Zynismen noch mehr Lebendigkeit einhauchen.

Und auch wenn der Film dann doch irgendwann die grundsätzlicheren Fragen berührt – was also Liebe eigentlich sei, und was davon übrig bleibe, wenn man allein auf den „Timer“ vertraue, so geht er vielleicht doch nicht weit genug, ist nicht wirklich radikal genug, als daß man das Kino mit ein paar Widerhaken im Gehirn verließe. Die Geschlechterrollen sind, für einen das Genre der Romantischen Komödie zumindest mitstreifenden Film durchaus ungewöhnlich, nicht gänzlich konventionell: Hier sind die Frauen tough und professionell, und dafür die Männer sehr gefühlsbetont. Gleichwohl rutscht dadurch etwa die Figur Oona schnell in ein neues Stereotyp (auf das im Mainstreamkino derzeit Katherine Heigl abonniert ist), nämlich die überkontrollierte, eher verklemmte berufstätige Singlefrau.

Vielleicht ist Timer ein Film, dem ein Schuß Queer Cinema – in Geschlechterfragen, Liebesdingen und radikalerer Zugangsweise – gut getan hätte. So ist er aber immer noch eine nette Komödie mit einer sehr, sehr guten Grundidee.

Außer auf dem Fantasy Filmfest ist Timer auch in der Ersten „komischen Filmnacht“ des International Comedy Film Festival zu sehen: Am 1. September 2010 um 20.30 Uhr im Filmtheater am Friedrichshain (Bötzowstraße 1, 10407 Berlin).

Foto: Fantasy Filmfest

Texte zu Filmstarts (29. Juli 2010)

Was für ein großartiger Donnerstag! Was für ein herausragendes Monatsende! Heute starten gleich drei Filme, deren Sichtung ich mit Nachdruck empfehlen kann und möchte, wenn auch jeweils aus völlig unterschiedlichen Gründen.

Für kino-zeit.de habe ich den französischen Film Das Konzert gesehen, eine berührende Auseinandersetzung mit den Folgen des Stalinismus in Form eines Konzerts. Äh, ja, sagt der Titel.

Inception ist der groß erwartete neue Film von Christoper Nolan, der nun endlich auch in Deutschland startet. Auch wenn der Film die in ihn gesetzten überhöhten Erwartungen womöglich nicht erfüllen kann, ist er doch äußerst sehenswert und mit Sicherheit ein Fall für eine sehr große Leinwand.

Mit Toy Story 3 (für kino-zeit.de gesehen) setzt Pixar schließlich die zurecht bekannte Toy Story-Reihe fort – und fügt Ihr einen fulminanten Schlußpunkt hinzu, eine witzige, familientaugliche, aufregende Reise durch das Leben unserer Spielzeuge.

Foto: Concorde Filmverleih