FFF 2010: Timer (2009)

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„Is this another potential?“

Mit Ende Zwanzig ist Oona (Emma Caulfield), die sich aus völlig unerfindlichen Gründen nicht dauernd mit ihren Eltern darüber streitet, wie sie auf ihren seltsamen Vornamen verfallen konnten, romantisch etwas verklemmt. Sie mag sich auf keine Beziehung einlassen, die nicht sicher die Richtige, Vermutlich Mit Vielen Großbuchstaben Zu Schreibende, Glücklich Machende ist. Wäre in unserer Welt eine solche Sicherheit unmöglich zu erreichen, so ist dies in der Welt von Timer, die ansonsten der unseren so sehr entspricht, für eine Handvoll Dollar möglich: Man läßt sich einfach den titelgebenden „Timer“ ins Handgelenk stanzen, und schon blinkt und klingelt das Gerät, sobald Mr. und Ms. Right sich begegnen – falls beide einen „Timer“ haben. Vorher zählt das Gerät langsam die Tage und Stunden bis zum Treffen herunter; wenn aber der Seelenpartner noch keinen „Timer“ hat, blinkt die Zeitanzeige (so bei Oona) leer vor sich hin.

Timer denkt also, und das ist eine wirklich originelle Idee, konsequent weiter, was die mobilen Anwendungen von Social Networks heute schon probieren – und verbindet das mit einem Glücksversprechen, das in der Filmlogik von niemandem angezweifelt wird: Selbst wenn man nicht wisse, wie es funktioniere, daß es funktioniere, sei nicht zu bezweifeln. Die gleichen Ausschlußmechanismen, die sich in unserer Gegenwart verfolgen lassen – zuerst war seltsam, wer ein Handy hatte, jetzt wirken die Menschen altertümlich, die keines besitzen; und liest dies hier jemand ohne Facebook-Account? -, werden in Timer auch in Bezug auf das namensgebende Gadget wirksam. Wer keines hat, ist alt, hoffnungslos out oder kommt halt vom Land.

Aus diesem Setup generiert Regisseur und Autor Jac Schaeffer einen Film, der verschiedene soziale und psychologische Folgen des „Timer“ anhand unterschiedlicher Figuren durchdekliniert – Oona ist auf der verzweifelten Suche nach dem Richtigen (und bringt immer wieder Männer dazu, sich einen „Timer“ geben zu lassen), während ihre Schwester Steph sich durch die Männerwelt schläft, weil es noch ewig hin ist bis zum Datum, das ihr „Timer“ zeigt. Natürlich treten dann mit Mikey und Dan Männer in das Leben der Schwestern, die diese Verhaltensweisen kräftig durcheinanderwirbeln und die Hoffnung ihrer Mutter Lügen straft, daß man sich mit dem „Timer“ Herzschmerz, Trennungen und Geschlechtskrankheiten sparen könnte.

Da ist dann reichlich Platz und Gelegenheit für Situationskomik, hintergründigeren Humor und Momente intensiven Fremdschämens; Timer unterhält durchaus vortrefflich. Von den Figuren ist man gleichwohl nicht so richtig mitgerissen, dafür geraten sie doch zu eindimensional; allein Michelle Borth kann ihrer Steph mit Bösartigkeiten und Zynismen noch mehr Lebendigkeit einhauchen.

Und auch wenn der Film dann doch irgendwann die grundsätzlicheren Fragen berührt – was also Liebe eigentlich sei, und was davon übrig bleibe, wenn man allein auf den „Timer“ vertraue, so geht er vielleicht doch nicht weit genug, ist nicht wirklich radikal genug, als daß man das Kino mit ein paar Widerhaken im Gehirn verließe. Die Geschlechterrollen sind, für einen das Genre der Romantischen Komödie zumindest mitstreifenden Film durchaus ungewöhnlich, nicht gänzlich konventionell: Hier sind die Frauen tough und professionell, und dafür die Männer sehr gefühlsbetont. Gleichwohl rutscht dadurch etwa die Figur Oona schnell in ein neues Stereotyp (auf das im Mainstreamkino derzeit Katherine Heigl abonniert ist), nämlich die überkontrollierte, eher verklemmte berufstätige Singlefrau.

Vielleicht ist Timer ein Film, dem ein Schuß Queer Cinema – in Geschlechterfragen, Liebesdingen und radikalerer Zugangsweise – gut getan hätte. So ist er aber immer noch eine nette Komödie mit einer sehr, sehr guten Grundidee.

Außer auf dem Fantasy Filmfest ist Timer auch in der Ersten „komischen Filmnacht“ des International Comedy Film Festival zu sehen: Am 1. September 2010 um 20.30 Uhr im Filmtheater am Friedrichshain (Bötzowstraße 1, 10407 Berlin).

Foto: Fantasy Filmfest

2 Gedanken zu “FFF 2010: Timer (2009)

  1. Der Film klingt ziemlich interessant (und eher untypisch für nen Film aufm FFF). Vielleicht geb ich dieser RomCom eine Chance – hab ja zum Glück noch etwas Zeit mich zu entscheiden da ich leider noch bis September auf das FFF warten muss…

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