Oscarwoche: Iron Man 2

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Nach dem durchaus schwerst unterhaltsamen ersten Iron Man (meine Kritik) war fast schon zu erwarten, daß die Fortsetzung nicht ganz mithalten können würde; und in der Tat bekam man in Iron Man 2 ein lautes, überladenes Spektakel zu sehen, das sich mit dem ironischen Gusto des Vorgängers nicht messen lassen konnte. Der Film wirkt letztlich wie eine zweite Eröffnung, eine Vorbereitung auf die ganzen vage angekündigten Avengers-Filme, in der so viele Figuren schon mal eingeführt und positioniert werden, daß vom eigentlichen Film selbst nicht viel übrigbleibt außer einem immer noch leidlich unterhaltsamen Stück Krawummskino.

Nominiert für: Best Visual Effects (1)

Chancen: Vor allem wegen der Konkurrenz von Inception und Alice in Wonderland und damit völlig zu Recht stark gegen Null tendierend.

Kurzfilm: Black Widow Gone Wild

Die Figur der „Black Widow“ kam meines Erachtens nach in Iron Man 2 ja viel zu kurz. Der kanadische Regisseur Patrick Boivin (Youtube-Channel) hat dem jetzt abgeholfen und mit der Scarlett-Johansson-Actionfigur (nebst einigen anderen) einen kleinen, feinen, wummigen Einminüter aufgenommen.

Boivin ist der gleiche Regisseur, der auch schon AT-AT Day Afternoon und Iron Baby gemacht hat. Viele weitere seiner Projekte gibt es auch bei Openfilm zu sehen, zum Beispiel dieser seltsame Kurzfilm:

The Green Hornet (2011)

Natürlich hat Thomas recht, wenn er schreibt, daß Michel Gondry mit The Green Hornet einen erstklassigen, glatten Bruch in seinem Oeuvre vollzieht. Denn gegenüber dem ausgestellten Charme des (natürlich vollkommenen) Unvollkommenen in Be Kind, Rewind (meine Kritik) oder, mehr noch, La science des rêves ist die glattpolierte, in 3D gezeigte Oberflächenshow der Grünen Hornisse ein Mainstreamschock.

Nachvollziehbar wird das eigentlich nur dadurch, daß dieser Green Hornet in jeder Hinsicht ein Antisuperheld ist – zum einen, weil er sich der Öffentlichkeit nicht als Held und Identifikationsfigur präsentieren will, sondern als Bösewicht (um den anderen Bösen nicht erpreßbar zu erscheinen), und deshalb ohne Gewissensbisse reichlich Chaos und Zerstörung fabriziert (was Gondry wiederum, wie Thomas im zitierten Text trefflich charakterisiert, mit großer Lust an eben dieser Vernichtung materieller Werte inszeniert), zum anderen weil der Held Britt Reid aka Green Hornet (Seth Rogen) eigentlich überhaupt kein Held ist, sondern alles irgendwie Herausragende, in Taten wie in der notwendigen Maschinerie, seinem Sidekick Kato (Jay Chou) zu verdanken hat.

Das Problem daran ist, daß dieser Britt ein grundlegend unsympathischer Charakter ist, der zwar zum Ende hin wenigstens ein bißchen moralische Stärke zeigt, aber ansonsten dumm, faul, egozentrisch und unangenehm ist.

Daß er kein typischer Superheld ist, wird natürlich schon physiognomisch sichtbar – und Seth Rogen mit seiner Physiognomie wird sich wahrscheinlich schon allein deshalb auf diese Figur gestürzt haben, weil er keine Chancen hätte, jemals eine schlanke, muskulöse Kunstfigur zu verkörpern. Rogen hat auch gleich noch mit am Drehbuch geschrieben und als Ausführender Produzent seine Finger im Spiel gehabt – und so darf man ihm schon einiges an den Schwächen des Filmes anlasten.

Rogens Spiel ist dabei nicht einmal das Hauptproblem – sein Charme als großer Junge rettet die Figur Britt aus der schlimmsten Aversion noch heraus. Aber der Film hat, so sehr er auf Spaß, Action und Quatschgimmicks abzielt, einfach zu große Längen und zu wenig Spannung. Der Oberbösewicht, den Christoph Waltz mit einiger Hingabe an das Trashniveau des Drehbuchs gibt, ist wirklich nicht zum Fürchten (worüber sich der Mann auch, ganz metafilmische Figur, auch permanent Gedanken und sorgen macht), die Verfolgungsjagden und Kämpfe (bei denen stets allein Kato wirklich tätig wird) ziehen sich immer einen Schwung zu lange hin, und die zentrale Intrige ist schon nach den ersten Szenen des Films erahnbar.

Für mich verpuffte deshalb die originelle Grundprämisse des Films leider schon allzu schnell in der unterhaltsamen Langeweile, die sich ausbreitete, sobald der Filme seine wesentlichen Ideen in Position gebracht hatte. Für einen der meisterwarteten Superheldenfilme des Jahres ist das ein bißchen wenig.

Fotos: Sony

Kurzfilm: Salesman Pete and the amazing Stone from Outer Space!

Ein Steak als Sidekick? Bring it on!

Herrlich durchgeknallter Animationsfilm fast ohne Worte, in dem bis zum Zähler von 4 Minuten 30 Sekunden mehr passiert als in manchem Film während der ganzen Laufzeit! So einige Ausrufezeichen wert! Hat auch ein Blog! Gekonnt geschnittener Abschlußfilm von Marc Bouyer, Max Loubaresse und Anthony Vivien! Musik von Cyrille Marchesseau! Mael Vignaux hat das Sounddesign gemacht! Wow!

(via!)

Super (2010)

Dieser Text ist ursprünglich in der Splatting Image Nr. 84 erschienen.

„Shut up, crime!“

Frank D’Arbo ist ein äußerst durchschnittlicher Mann, weder mit einem spektakulären Körper noch mit besonderen Geistesgaben gesegnet. Das Haar wirkt schon etwas schütter, der ganze Kerl ein wenig teigig – aber er ist, wie seinen Kollegen und Bekannten immer wieder auffällt, trotz oder wegen seines schlichten Gemüts ein grundguter Mensch.

Rainn Wilson ist nicht gerade der erste Schauspieler, an den man denkt, wenn die Rolle eines Superhelden zu besetzen ist, aber Super, in dem aus dem unauffälligen Frank der kostümierte „Crimson Bolt“ wird, will natürlich auch kein gewöhnlicher Superheldenfilm sein. Er fällt in vermutlich zeitgeistiger Synchronizität fast gleichzeitig mit Filmen wie Watchmen, Kick-Ass und Defendor auf die Leinwände der Welt. Offenbar ist es nun, da das Kino von Batman über Hulk bis Spiderman die klassischen Heroen der Popkultur in unzähligen Comicverfilmungen, Remakes, Reimaginings und Reboots verwurstet und implizit mehr und mehr dekonstruiert hat, sich der Anziehungskraft dieser Figuren einmal aus der Perspektive des Rezipienten zu stellen. Was wird aus Max Mustermann, wenn er sich ins Kostüm wirft? (Hier sind zwei Clips aus dem Film, die erste Antworten geben.)

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Die genannten Filme haben natürlich ganz unterschiedliche Antworten auf diese Frage. (Und die eigentlich radikalste, auf jeden Fall menschenfeindlichste Antwort fehlt in dieser Reihung, weil Bekmambetovs Wanted [meine Kritik] sich auf die in Millars Comicvorlage angelegte Superhelden-/Superbösewichte-Geschichte nicht einlassen wollte: Da wird der Held nämlich zum so gesetzlosen wie moralfreien Supermörder.) James Gunns Super ist von den drei Filmen Defendor wohl darin am nächsten, daß er bewußt auf eine Überhöhung seiner Protagonisten verzichtet und sich ebenfalls eher für die Entwicklung seiner Figuren interessiert als für den Karneval der Kostüme.

Franks „Crimson Bolt“ ist aber dennoch – anders als der von Woody Harrelson verkörperte „Defendor“ – ein Kind des Comics. Frank beschließt, zum Superhelden zu werden, um seine geliebte Sarah (Liv Tyler) zu retten, die sich von dem Drogendealer Jacques (Kevin Bacon) abhängig gemacht hat. Seine Recherche nach Superhelden, die auch ohne Superkräfte und teure technische Gadgets ihrer Arbeit nachgehen, führt ihn in den nächstbesten Comicladen. Dort lernt er Libby (Ellen Page) kennen, die bald hinter sein Geheimnis kommt und sich ihm als Sidekick „Bolty“ andient, um nicht zu sagen: aufdrängt.

Page spielt in Super brachial gegen das in ihren letzten Filmen oft dominante Image der schlauen, gern auch altklugen Göre an, indem sie es zuerst zu bestätigen scheint, und dann alles aus Libby herauskitzelt, was in ihr an psychotischem Verhalten angelegt sein könnte. Sie verkörpert damit aber bis an die Grenze des Erträglichen genau jenes Dilemma, vor das Frank bald auch gestellt sein wird: Daß nämlich der Superheld, die Superheldin sich zwar (vielleicht) für den Erhalt der ethischen und gesetzlichen Ordnung einsetzen mag, daß er sich aber zugleich immer über sie stellt – diese Flucht aus den Beschränkungen des „normalen“ Lebens ist Libbys eigentlicher Antrieb.

Damit stellt Gunn in seinem Film die beiden extremen Auslegungen des Superheldendaseins – der eine mit dem quasi-religiösen Auftrag, das Böse zu bekämpfen, die andere mit der selbstverschafften Erlaubnis, die mit geradezu kindlicher Begeisterung Auslauf begehrende Sex- und Gewaltsau rauszulassen – in seinen Figuren einander zur Seite (und zugleich ist er zu klug, um die Eigenschaften so scharf voneinander abzugrenzen, wie es zunächst scheinen mag).

Super zielt damit – den Anspruch auf allgemeine Gültigkeit trägt der Film ja schon im Titel vor sich her – auf eine Dekonstruktion des traditionellen Superhelden an, allerdings eben nicht von innen, wie es die besseren unter den jüngeren Superheldenfilmen tun, sondern indem er, gewissermaßen von außen beginnend, die moralischen Grundlagen des Superhelden aus ihren Motivationen heraus befragt, überhaupt erst das Kostüm anzulegen.

Moralinsauer geht es dabei aber nie zu. Denn so wie es Gunn in seiner Webserie PG Porn bereits erprobt hat, so erweist er sich auch hier als begnadeter Virtuose von Ton und Geschwindigkeit. Mal läßt er seine Protagonisten minutenlang hinter einem Müllcontainer verharren, während sie darauf warten, daß irgendwo ein Verbrechen geschieht. Dann wieder verwendet Gunn Elemente des Comics – nicht nur Verweise darauf –, um die Handlung ins Cartoonhafte zu überzeichnen und fügt mit „The Holy Avenger“ eine völlig wahnwitzige Figur ein, die die Handlung überhaupt erst in Fahrt bringt. Vor allem aber nimmt er in Momenten, in denen man es nicht erwartet hätte, plötzlich das Tempo weg (oder legt richtig zu) und wechselt die Tonart völlig abrupt von Moll auf Dur oder zurück.

Daß er damit den Zuschauer unter Umständen aus einer gefälligen Betrachtungssituation reißt, dürfte Gunn als eine mögliche Folge im Blick gehabt haben. In seiner Erzählung sind schließlich Gut und Böse auch nicht so einfach verteilt, daß man ganz ohne eigenes Nachdenken davonkäme.

Wenn die Geschichte am Ende wieder auf Sarah und ihre Beziehung zu Frank zurückkehrt – eine ganze Weile lang ist ihre Rettung nur vager Hintergrund für die Aktivitäten von „Crimson Bolt“ und „Bolty“ – dann rettet sie sich auch zuletzt nicht in ein schlichtes Happy-End. Stattdessen findet sich für Frank ein realistischer, vorstellbarer Ort. Wie „Defendor“ alias Arthur Poppington wurde auch er von einem Freund emphatisch als „good person“ beschrieben – die Guten aber sind eben immer ein bißchen zu gut für diese Welt.

Megamind (2010)

Im Großen und Ganzen hat mir Dreamworks‘ Megamind nicht so besonders gut gefallen: Zu überdreht ist der Film, stets damit beschäftigt, seinen eigenen Unernst vor sich herzutragen, anstatt ihn einfach mal umzusetzen… das wirkt getrieben und bemüht. Der Slapstick ist zerstörungsreich, aber insgesamt doch eher konventionell und jedenfalls nicht transgressiv; die Möglichkeiten der Körpermodulation, die dem computeranimierten Film zu eigen sind, wird nur in der Körperkonfiguration wirklich genutzt, reicht aber nie zur Destruktion des Status Quo hin.

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Dabei gibt es so schöne Ansätze: des Bösewichts Sidekick, der einfach nur „Minion“ genannt wird, ist ein sarkastischer Fisch im Roboteranzug, Megamind selbst (dessen Hirn lange nicht so leistungsstark ist, wie er selbst es wünschte), tanzt und inszeniert sich gern in schwarzen Latexkostümen – wie überhaupt das Gehabe der männlichen Hauptfiguren, da gibt es einiges zu entdecken, traditionelle Männlichkeitsbildern ohne großes Federlesen zu Staub zertrümmert. Das gilt für Megamind selbst, aber auch für seinen Antagonisten Metro Man, den guten Superhelden, den die Stadt Metro City (von Megamind zu meiner großen Freude konsequent wie „atrocity“ ausgesprochen) verehrt.

Dazu paßt auch die schließlich auf die Probe gestellte Bromance zwischen Megamind und Minion, aber wie um nicht zu viel Queerness in den Film zu bringen, bekommt Megamind mit der Reporterin Roxanne natürlich ein klar weibliches romantic interest an die Seite gestellt. Die wird zwar mit viel Aufwand als selbstbewußt, ironisch und distanziert eingeführt, bleibt dann aber irritierend unterentwickelt, ohne freilich auf den Status einer rein funktionalen Figur zu schrumpfen.

Wahrscheinlich ist es letztlich die anfangs konstituierte klare Gegenüberstellung zwischen Gut und Böse, die den Film so mühsam wirken läßt (Böse gegen Böse à la Despicable Me scheint effektiver) – denn natürlich muß sie aufgebrochen werden, weil man dem bezaubernden Megaman den Bösewicht nicht so recht abnehmen kann (großartig seine Frustration, als er feststellt, daß es langweilig ist, böse und allmächtig zu sein). Daß der Film diesen Dualismus erst mühsam abreißt, um ihn dann wieder zu errichten, ohne den inhärenten Widerspruch darin wirklich zu lösen, ist ein bißchen schade.

(Stephen Holden hat in der New York Times den Film schön in die Nature vs. Nurture-Debatte eingebunden.)

Foto: Paramount

Zwei Clips aus James Gunns ‚Super‘

So, jetzt habe ich mir gerade ausführliche schriftliche Gedanken zu James Gunns hervorragendem Superheldenfilm Super gemacht (der Text wird in einigen Wochen wohl auch hier zu lesen sein), und um mich dafür zu belohnen, muß ich jetzt die meines Wissens einzigen beiden Clips aus dem Film posten, die online verfügbar sind.

Und, nein, der Film hat bislang nirgendwo ein offizielles Startdatum.

Wonder Woman: Die Doku

Während der Wonder Woman-Realfilm wohl auf ewig in Entwicklung bleiben wird (eine Zeitlang sah es so aus, als ob Joss Whedon das Projekt übernehmen würde, aber das hat sich längst zerschlagen; in den Siebzigern gab es eine Fernsehserie, zuletzt wieder einmal eine Trickfilm-Adaption), bereitet Vaquera Films eine Dokumentation über Wonder Woman, ihre Entstehung und ihre Auswirkungen auf die Populärkultur vor. Von der Film-Homepage:

THE HISTORY OF THE UNIVERSE AS TOLD BY WONDER WOMAN is an independent documentary feature that looks at female superheroes, warrior princesses and other icons of women’s empowerment in pop culture. Examining the history of fiction’s longest running superheroine, the film raises questions about the possibilities and contradictions of women as popular action heroes.

Exploring contemporary culture for women and girls, with its emphasis on how girls and women look, rather than on what they do, the film probes why Wonder Woman has been reduced to a commodity—an icon on a bag, t shirt or mug etc. How can women claim the action genre as their own, and create more liberating narratives than that of the dominant all-powerful masculine superhero? THE HISTORY OF THE UNIVERSE AS TOLD BY WONDER WOMAN is a visually kinetic, highly constructed yet also warmly witty film, harnessing the voices of literary critics, women writers, classicists, philosophers, impersonators, collectors, feminists and fanatics to explore our very gendered notions of “heroism” and “power.”

SF360 hat schon mit der Regisseurin Kristy Guevara-Flanagan gesprochen, der Film wird aber voraussichtlich erst im kommenden Sommer fertiggestellt sein. Ich bin einigermaßen gespannt, denn die Geschichte dieser Comicfigur (die erste Superheldin, deren Geschichten DC-Comics publiziert hat) ist allein schon deshalb interessant, weil ihr „Erfinder“ William Moulton Marston sie gewissermaßen als sozialpsychologisches Experiment geplant hatte, um feministische Ideen unter die Leute zu bekommen (was für Marston ein persönlich besonders wichtiges Thema war).

Es dürfte also spannend sein, wie der Film mit den im (hier jetzt folgenden) Trailer angedeuteten, aber durchaus ja ambivalent lesbaren Folgen von Wonder Womans Existenz umgeht und sie als Erbe von Marstons Figur auslegt. Schon allein die unterschiedlichen visuellen Darstellungen der Wonder Woman-Figur bieten ja hinreichend Stoff für eine ganze Reihe von Essays.

(via)

Update: Gerade erst gesehen: Hier gibt es schon einmal mehr Material aus dem Film zu sehen.