Sitges 2010, Tag 7: die Filme

Bevor ich mich kurz zu den Filmen vom Donnerstag äußere, hier ein kurzer Hinweis auf jetzt noch anderswo erschienene längere Kritiken zum Festival:

Wir sind die Nacht

Das eigentliche Wunder wird für viele Leute sein, daß es sich bei Wir sind die Nacht um einen Vampirfilm aus deutscher Großproduktion handelt, und daß er trotzdem nicht total saugt (pun intended, natürlich). Die Dialoge sind vor allem zu Beginn des Films noch sehr gestelzt und werden von den Protagonistinnen aufgesagt, als gehörten sie nicht ganz hierhin; das Gefühl wird man bei Nina Hoss leider den ganzen Film über nicht los. Zum Ende hin wird Wir sind die Nacht dann actionlastiger und zugleich ein Stück besser. So ganz aus einem Guß wirkt der Streifen dennoch nicht, der großes Vampirepos sein will und dann Polizeiarbeit à la Tatort bietet. Mehr demnächst auf critic.de.

Monsters

Ein zärtlicher, sensibler, über weite Strecken fast meditativer Monsterfilm. Im Grenzgebiet zwischen den USA und Mexiko verbreiten sich aus dem All eingeschleppte Organismen, die Zone ist deshalb unter Quarantäne gestellt. Ein Fotograf soll die Tochter seines Chefs aber heil in die USA machen, und wegen einiger auch emotionaler Verwicklungen verpassen sie die Fähre und müssen stattdessen den Landweg nehmen. Dort kommt es natürlich auch zu Konfrontationen mit den „Monstren“, aber Regisseur und Drehbuchautor Gareth Edwards stellt hier ganz subtil und selten mal laut große Fragen nach unserem Blick auf das Fremde, unserem Baden in wohlstandssaturierter Ignoranz und damit natürlich auch (aber wirklich nur en passant) nach der US-amerikanischen Immigrationspolitik. Außerdem ist Monsters ein doppelter Liebesfilm, und sehr, sehr traurig.

Prowl

Die bluttrinkenden, Menschenfleisch zerreißenden Monstren dieses kleinen Films sehen den Vampiren aus 30 Days of Night sehr ähnlich, aber mit dem Vampirmythos hat das hier nur noch am Rande zu tun. Eine geheimnisvolle Frau sammelt diese herumstreunenden Monstren ein, und in der Filmhandlung tauchen sie auf, als sich eine Gruppe Teenager einem Trucker anvertraut, der die Monsterchen regelmäßig mit Blutkonserven versorgt. Damit setzt dann ein leider auch ästhetisch sehr unbefriedigendes Blutvergießen ein, und die Auflösung des Films ist die einzige halbwegs originelle Idee, die dem Drehbuch eingefallen ist. Ausführlicheres demnächst bei blairwitch.de.

Red Nights (Nuits rouges du bourreau de jade)

Es beginnt mit einem Lustmord in Latex, eine in grellen Farben inszenierte Angelegenheit, und dann wird es seltsamer: Mehrere Frauen und ein Mann sind auf der Jagd nach dem „Schädel des Jade-Scharfrichters“, einer Antiquität, die ein einzigartiges Gift enthält. Ruhige Sequenzen werden von explosionsartig ausbrechender Gewalt unterbrochen, und am Schluß wurden reichlich Lust erworben und viel Gewalt verteilt.

13 Assassins

Takashi Miikes zweiter Beitrag auf diesem Festival neben Zebraman 2: Attack on Zebra City ist ganz anders, nämlich ein veritabler Samuraifilm ganz klassischer Machart – ein Remake von Eiichi Kudos The Thirteen Assassins (1963). Im ersten Drittel des Films werden Bündnisse geschmiedet und Vorbereitungen getroffen, und dann wird irgendwann gekämpft, gekämpft, gekämpft. Dieser letzte Teil wird irgendwann etwas eintönig, obgleich er durchweg gekonnt in Szene gesetzt wurde; Miike kann Schwertkämpfe so gut und konzentriert inszenieren wie die durchgeknallten Bilder seines Zebraman.

Fotos: Sitges Film Festival

2 Gedanken zu “Sitges 2010, Tag 7: die Filme

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