Monster House (2006)

Vielleicht muß ich ja in die latent kulturkritische Klage einstimmen, daß die Jugend von heute schon so verroht sei, daß man ihr keine Angst mehr machen kann. Oder in das absurde Gejammer von Seiten der FASZ über die angeblich nicht zutreffenden Kennzeichnungen der FSK. Aber eigentlich halte ich das für Blödsinn, und sehe die Eltern (und damit meine ich jetzt, ganz ernst, zu allererst: mich) in der Verantwortung, sich bei Filmen vorher bewußt zu werden, was sie ihren Kindern zugänglich machen wollen und warum.

Und daher würde ich zum Beispiel einem sechsjährigen Kind den ab diesem Alter freigegebenen Film Monster House nicht zeigen – weniger, weil ich glaube, daß der Film seine Entwicklung beeinträchtigen, sondern vielmehr, weil er ihm wahrscheinlich einen ganzen Wurf an ziemlich beeindruckenden Ängsten in den Kopf setzen würde. Denn Monster House, der ostentativ als Kinderfilm positioniert wird, ist vor allem ein Grusel-, wenn nicht gar ein Horrorfilm, auch wenn natürlich nie ein Tropfen Blut fließt. Erst ganz am Schluß, wenn im Abspann alle vermeintlichen Opfer nur mit leichten Kratzern wieder auftauchen, wird dem ganzen Budenzauber ein wenig die Bösartigkeit wieder ausgetrieben, die der Film vorher vor allem visuell mit viel Einsatz hergestellt und gehalten hat.

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Das Nachbarhaus des frisch pubertierenden DJ, so geht die Geschichte, ist offenbar verhext, besessen gar, und als dessen feindseliger Bewohner Mr. Nebbercracker nach einem Unfall wie tot weggebracht wird, verschwinden erste Leute darin. Schließlich machen sich DJ, sein Freund Chowder und die junge Jenny, die dem Tod durch Haushunger nur knapp entronnen ist, daran, den Spuk zu beenden.

Die Animation der Figuren schwankt zwischen recht gelungen (vor allem der genervte Gang von Babysitterin Zee ist überzeugend, und das Haus bewegt und verändert sich auf gar schröckliche Weise – diese Mimik!) und tief im Uncanny Valley der Animation – ein wenig soll das irgendwie, Robert Zemeckis läßt als ausführender Produzent schön grüßen, in Richtung Photorealismus gehen, und das geht gnadenlos schief.

Immerhin ist die Handlung mit ein, zwei Ausnahmen recht straff organisiert, gelegentlich finden sich sogar witzige Stellen („What is your problem?“ – „Ahm. Puberty. I’m having lots of puberty!“) und es bleibt sogar Platz für anderthalb interessante weibliche Figuren (die aber gleichwohl nicht den Raum bekommen, den sie verdienten. Ach, nie endende Klage).

Nachdem der Film seine richtig angstmachenden Momente hinter sich gelassen, den Verdauungstrakt des Hauses thematisiert und das Rätsel um das Gebäude aufgeklärt hat, wandelt sich die Story noch schnell zu einer klassischen Abenteuergeschichte, samt Verfolgungsjagd, Sprengstoff und großen Maschinen. Hinter allem aber lauert ein fast schon an Braindead gemahnendes Konstrukt mit einer übermächtigen Frauenfigur (die zwar als Liebespartnerin beschrieben wird, m.E. ob ihrer Physis aber als Mutterfigur erscheint) ohne Maß. Und diese finde ich, ehrlich gesagt, schon wieder so problematisch und so unterkomplex, daß ich allein wegen ihr diesen Film meinen Kindern nicht zeigen würde. Oder sonst jemandem zur Ansicht empfehlen.