Sitges 2010, Tag 1: die Filme

Am ersten Tag hat es mit Anreise und Orientierung „nur“ für drei Filme gereicht; irgendwann um halb vier muß der Mensch dann ja auch mal schlafen gehen.

Confessions

Tetsuya Nakashima, dessen Kamikaze Girls ich erst jüngst herzlich genossen habe (ein sehr amüsant überdrehter, inhaltlich etwas zu leicht geratener Film), hat hier ein intensives Rachedrama zusammengeschichtet, das vor allem durch seine formale Verfaßtheit ein aufregendes Seherlebnis ist. Die ausführliche Kritik gibt es bei kino-zeit.de.

Agnosia

Der hier in der Region angesiedelte (und wohl auch gedrehte) spanische Agnosia wurde gestern abend schon vor der Vorstellung mit viel Applaus bedacht. Eine im Grunde relativ schlichte Spionagestory wird hier in eine stets unterschwellig zwischen Esoterik und Steampunk schwankende Geschichte eingebunden und bekommt so mystische Schlagseite. Mehr dazu demnächst bei blairwitch.de.

The Legend of Beaver Dam (Kurzfilm)

Eine kleine dreckige Studie zum Pfadfinderdasein und Lagerfeuergruselgeschichten. Paßte gut zum dann folgenden Tucker & Dale vs. Evil, das Ende war aber schon nach wenigen Filmmomenten absehbar. Die Crowd war trotzdem gepleaset.

Tucker & Dale vs. Evil

Zu dieser reizenden Horrorkomödie ist schon viel Lob geschrieben, und ich schließe mich dem gerne in aller Kürze an: Der Film dreht das reichlich bekannte und oft verwurstete Backwoods-Szenario einmal komplett um und läßt eine Gruppe „College-Kids!“ (dies einer der im Film meistgeäußerten Ausdrücke, stets mit ziemlich genervtem Unterton), die zu viele schlechte Backwoods-Slasher gesehen habe, auf zwei ziemlich freundliche, nur oberflächlich wild aussehende Hillbillies stoßen, die Alan Tudyk und Tyler Labine mit großer Hingabe spielen. Als sie ein Mädchen der Gruppe vor dem Ertrinken retten, sehen die anderen darin einen Mordversuch – und bringen sich beim Versuch, Allison (Katrina Bowden) aus der Hütte von Tucker und Dale zu „befreien“ auf höchst dämliche und kreative Weise selbst um. Der Film zitiert dabei in Szenen wie in seinen ikonographischen Mustern ganz lässig das Horrorgenre rauf und runter und gerät dabei natürlich auch reichlich blutig; aber komisch ist das, sieht man von dem etwas mühsam zotig-witzigen Anfang ab, stets sehr und auf oft überraschend subtile Weise.

Foto: Sitges Film Festival

Sitges 2010

Ich bin ab Freitag für zehn Tage auf dem Filmfestival in Sitges, dem internationalen Festival des fantastischen Films in Katalonien, von wo ich vor allem für kino-zeit.de, blairwitch.de und critic.de (auch tagesaktuell) sowie natürlich hier (allerdings weniger filmkritisch als hoffentlich mit Launigem vom Festival) berichten werde. Das Festival beginnt schon am Donnerstag und dem Vernehmen nach sollen die Filme, bei Temperaturen um die zwanzig Grad, in dem Küstenort nicht die einzige Attraktion sein.

So einige Attraktionen sind aber doch dabei: Das Festival eröffnet (noch ohne mich) mit Los ojos de Julia, ich freue mich aber zum Beispiel sehr auf Matt Reeves‘ Let Me In, den deutschen Vampirfilm Wir Sind die Nacht, auf Carne de neón von Paco Cabezas (der bei Sexykiller mitgeschrieben hat) sowie den neuen Film von John Carpenter, The Ward. Dann dürfen die Remakes von Mother’s Day und I Spit On Your Grave kritischer Betrachtung unterworfen werden, und natürlich bin ich gespannt, ob Jonah Hex so schlimm wird wie befürchtet. Und meine Vorfreude auf James Gunns Super ist groß!

Ich bin zum ersten Mal in Stiges und freue mich jetzt schon darauf, mich bis zum Hals in Kino zu baden (und gelegentlich vielleicht auch einmal einen Zeh ins Mittelmeer zu stippen). Ich würde mich freuen, von Euch Feedback zu bekommen und Durchhalteparolen, falls die Nächte zu lang und die Morgenvorstellungen zu früh werden.

Ist von Euch noch jemand dort? Wißt Ihr von anderen Seiten, die aus Sitges berichten? Bitte setzt doch Links und Hinweise in die Kommentare, ich stelle eine Liste mit Quellen zusammen.

Foto: Festivalplakat Sitges 2010