Böse, böse Clowns. Etwas manisch überdrehter Film von Andreas Nilsson, Drehbuch: Andreas Nilsson und Jeff Tetreault.
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Böse, böse Clowns. Etwas manisch überdrehter Film von Andreas Nilsson, Drehbuch: Andreas Nilsson und Jeff Tetreault.
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In den frühen Morgenstunden kommen die Aliens. Erst leuchten Sie mit blauem Licht in die Fenster hinein, durch die Straßen, man kann den Blick nicht mehr davon lösen – und wer nicht gelöst wird, den zieht es anschließend hinein in die großen Schiffe, die über der Stadt schweben; wie Wollflusen zum Staubsauger fliegen die Menschen zu Hunderten hinauf und verschwinden.
Das sind die großen Szenen in Skyline der „Brothers“ Greg und Colin Strause, diese Tableaus der drohenden Zerstörung, wenn kleine Menschenfiguren aufsteigen aus einer schon versehrten amerikanischen Wolkenkratzerstadt; und wäre nicht dieses kalte Blau, man könnte fast sogar ein bißchen Hoffnung es sei Himmelfahrt und Erlösung. Gibt es eigentlich eine Farbgeschichte des Science-Fiction-Films? Wann welches Lichtschwert grün, rot oder blau war, aus wessen Augenschlitzen es gelb oder weiß schimmerte?
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Das ist hier keine Trivialität, denn das eigentliche Pfund des Films sind seine Spezialeffekte, die, wenn man so will, Heimatkompetenz der Regisseure, die sich darin zum Beispiel in 2012 (meine Kritik) oder Avatar bewiesen haben und deren Künste man etwa im Trailer zu Battle: Los Angeles wieder sehen kann. Und auch wenn man nach Alien vs Predator: Requiem (meine Kritik) die Hoffnung haben konnte, die beiden Brüder könnten vielleicht wirklich ordentliche Regisseure werden, so werden diese Gemütsregungen mit Skyline aufs deutlichste zerklopft.
Natürlich liegt es auch am jämmerlichen Skript von Joshua Cordes und Liam O’Donnell, das dieser Film kalt läßt, und an den die jämmerlich uninteressanten Figuren (zweibeinige Stereotype mit jeweils einem einzelnen markierenden Charakteristikum, scheint’s) mit noch mehr Leblosigkeit ausstattenden Schauspieler_innen. Aber die Strauses füllen dann dieses blutleere Monstrum eben auch nur mit altbackenen Inszenierungstechniken und mit dem üblichen Effektgesumse des technokratisch ambitionierten Alien-Invasions-Actionfilms à la Transformers & Cie.
Da tritt dann mal ein außerirdischer mechanoider Godzilla auf den Lamborghini – oder war es ein Ferrari? – einer bis eben noch wichtigen Figur, die Aufnahmegeschwindigkeit wechselt zwischen Timelapse und Zeitlupe, und wen das noch nicht hinreichend irritiert hat, der bekommt genau dann eine große Totale der zerstörten Stadt zu sehen, wenn er sich an die fast an Cloverfield (meine Kritik) erinnernde Dichte gewöhnt hat, die der Film eine Zeitlang zu seinen Figuren einhielt, und die er auch in der Erzählperspektive konsequent durchzieht.
Das ist denn auch das Einzige, was man dem Film wirklich, wirklich gutschreiben muß: Daß er den Einfall der Außerirdischen, ihr seltsames Licht und ihre Gründe konsequent unerklärt läßt, darin die Perspektive der Protagonist_innen wahrend, und so bis zum Schluß ein Mysterium behält – das allerdings nur ein großes, kugeliges Nichts im Innersten des Films übertüncht. Gegen diese Leere saugt Skyline dem Publikum wortwörtlich das Gehirn aus. Warten Sie’s ab, kurz vor Schluß bekommt man das genau zu sehen, und dann macht der Film eine Wendung, die logisch klänge, wenn den Figuren vorher Leben eingehaucht und nicht nur aufbehauptet worden wäre.
Foto: Centralfilm
Wow. Das geht gerade durch die Blogs und über Twitter, aber wenn Ihr es noch nicht gesehen habt, schaut es Euch an: Youtube-Nutzerin genrocks aka Gen I. hat das Filmjahr 2010 (mit deutlich angloamerikanischer Schlagseite) zu aufregenden sechs Minuten verdichtet. Großartig und witzig geschnitten und montiert. Chapeau!
(Die Liste der Filme ist hier.)
Drei DVDs des Films gibt es bis kommenden Samstag noch hier zu gewinnen.
Wenn es keine Millionäre gäbe, müßten sie erfunden werden. die Menschheit braucht sie. als Steuerzahler, als Wirtschaftskapitäne … und als Lustspielfiguren.
Mit diesen Worten beginnt Drei Männer im Schnee, eine Verfilmung der gleichnamigen Erzählung von Erich Kästner (Amazon-Link) aus dem Jahr 1955, und der Geist eines großväterlich-wohltätigen Kapitalismus (und ironischen Verhältnisses zum eigenen filmischen Tun), der aus ihnen spricht, zieht sich denn auch durch den ganzen Film.
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Ein Multimillionär, der sich wenig für die Details der Geschäftsführung seines Unternehmens interessiert, hat inkognito an einem Preisausschreiben seines eigenen Unternehmens teilgenommen und einige Tage in einem Luxushotel in den Bergen gewonnen. Dieser Eduard Schlüter (Paul Dahlke) ist ein ganz bodenständig gebliebener Mann, dem es ein wenig auf die Nerven geht, daß sich alle so sehr um sein Wohlergehen bemühen, und er möchte gerne mal schauen, wie ihn die Menschen behandeln, wenn er als armer Tropf daherkommt. Vor Ort trifft er, als Eduard Schulze, den anderen Gewinner, den jungen Dr. Fritz Hagedorn (Claus Biederstaedt) – der ist ein grundsympathischer Mensch natürlich, leider arbeitslos und erst vor kurzem mit seiner Bewerbung bei den Schlüter-Werken gescheitert. Da Schlüters Tochter das Hotel über die Ankunft ihres Vaters informiert hat, hält man dort versehentlich Hagedorn für den Millionär und behandelt ihn mit übertriebener Aufmerksamkeit, während Schlüter/Schulze selbst in einer unbeheizten Dachkammer untergebracht wird, da man den ärmlich gekleideten Mann schnell wieder vergraulen will.
So entspinnt sich eine sehr amüsante, völlig harmlose Verwechslungskomödie, in der Hagedorn ob seiner angeblichen Millionen von einer milde bedrohlichen Frau beharrlich angegraben wird, während Schlüter/Schulze das Geschehen mit großem Amüsement verfolgt – seinen Diener Johann Kesselhut (Günther Lüders), der als Begleitung mitgekommen ist, aber einen wohlhabenden Adeligen zu spielen hat, schickt er auf die Piste, er solle Skilaufen lernen; und dann ergötzt er sich an dessen Mühen.
Seine Filme sind Milieustudien, bisweilen auch Karikaturen deutschen (Spiess-)Bürgertums, von augenzwinkernder Ironie, gemütvoll und mit einem unerschöpflichen Arsenal an skurrilen Charakteren.
Das hat Michael Wenk in der NZZ in einem schönen Portrait über den Regisseur Kurt Hoffmann geschrieben, und es trifft auch hier zu: Natürlich ist der Humor vielleicht nicht der flotteste und frischeste, aber er ist wohlwollend leichtfüßig, was auch heißt: ohne große Gedankenschwere.
Zugleich ist Drei Männer im Schnee nicht nur ein Dokument der anscheinend zumindest für manche besseren, alten Zeit, sondern aus heutiger Sicht auch eine Zeitstudie über Dekor, Manierismen und Haltungen der Nachkriegszeit, in dem sich die Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, nicht zuletzt auch und gerade die Geschlechterordnung widerspiegeln. Vielleicht ist es (für mich) an der Zeit, die Filme Hoffmanns, die, aus dem Fernseher heraus, Filme meiner Kindheit waren (Das fliegende Klassenzimmer, Ich denke oft an Piroschka, Das Wirtshaus im Spessart wie auch Das Spukschloß im Spessart) nochmal genauer daraufhin zu sichten: Wie sehr sie – und das mag auch auf Hoffmanns wohl problematischsten Film Quax, der Bruchpilot zutreffen -, immer wohlwollend, und genau darin womöglich entlarvend, als fiktionale Linsen auf ihre jeweilige Zeit taugen. (Aber das trifft vielleicht auf alle Filme zu. Oder nicht?)
(Drei Männer im Schnee ist jetzt von MFA+ neu veröffentlicht worden, worauf manche ja schon seit einiger Zeit warteten.)
Die Werbemaschinerie zu Zack Snyders Sucker Punch läuft bereits beharrlich, auch wenn der Film erst in drei Monaten, dann aber in vielen Staaten gleichzeitig, zu sehen sein wird. Ich hatte hier schon einmal einen Trailer gepostet, in der neuen „Featurette“ sind noch einige kurze Sequenzen mehr zu sehen; und noch mehr wirkt der Film wie eine hochtourige Variation auf Tim Burton-Filme mit vielen, vielen Schußwaffen und Explosionen. Oder wahlweise DOA: Dead or Alive (meine Kritik) auf Speed.
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Eigentlich nicht betiteltes Stop Motion-Projekt von Max Hecht. Ein Traum!
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Was ist eigentlich mit der Kunst geschehen, eine Verfolgungsjagd ordentlich zu inszenieren? Da gab es ja einstmals so revolutionäre Momente wie in The French Connection im Auto quer durch die Stadt einer Hochbahn hinterher – und jeden Moment der Jagd durchlebt man mit, stets weiß man aber auch, was passiert. Nach dem letzten Wochenende muß ich annehmen, dieses spezifische Inszenierungsvermögen sei wohl nach Europa ausgewandert, denn da konnte ich sehen, daß in À bout portant Fred Cavayé zeigt, wie man das macht – und in Takers bekommt man stattdessen den Eindruck, daß John Luessenhop seine Kameraleute gezielt hin- und hergeschubst hat, weil er verwackelte Bilder für spannungsfördernd hält. Örks.
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Dabei fängt es alles recht hübsch an. Eine Gruppe von gutaussehenden, wohlgekleideten Männern beschäftigt sich in ihrer Freizeit damit, perfekt durchgeplante Überfälle zu begehen – man kann sie dabei beobachten, wie sie eine Bank mitten in einem Wolkenkratzer ausnehmen, ohne daß jemand zu Schaden kommt, samt der elegantest eingefädelten Flucht der letzten Filmjahre. Am Abend drauf treffen sie sich wieder, man vertraut einander, ist freundlich zueinander und generell macht das viele Geld da keinen Unterschied, denn man kennt sich offenbar noch aus der Kindheit im Rinnstein.
Wer jetzt erwartet, daß da unter der Oberfläche etwas lauern könnte, wird tief enttäuscht werden. Die Figuren bleiben so blaß und wohlerzogen, wie es nur irgend geht – die etwas wichtigeren Personen (Idris Elba, Paul Walker, Tip „T.I.“ Harris) bekommen ein kleines persönliches Problem oder Charakteristikum aus der Grabbelkiste des Genres angepappt (hier eine alkoholkranke Schwester, dort eine hübsche Frau – Zoe Saldana ist als eye candy und trophy wife überqualifiziert und unterbeschäftigt), die sich dann prompt auch ganz den üblichen Erwartungen gemäß verhalten. Dann gibt es noch einen Cop (Matt Damon) mit kaputter Ehe, der keine rechte Beziehung zu seiner Tochter hinkriegt, weil er sich von seiner Arbeit auffressen läßt.
All das führt nie irgendwohin, sondern bleibt funktionales Beiwerk, das die essentielle Leere der Figurenzeichnung verdecken soll; wie zum Ausgleich sind die wahren Antagonisten dann auch aufs Peinlichste reduziert: Trinkende, im Geiste grobschlächtige Russen mit großen Gewehren. Richtung Ende, nachdem ein (das immerhin thematisiert der Film auch explizit) direkt aus The Italian Job geklauter Heist gnadenlos schief geht, wird es dann hektisch und nervös; es gibt jede Menge Schießereien und jede Menge Tote, aber an Komplexität nimmt der Film nicht mehr zu, und seine Nebenthemen versanden in einem pseudoversöhnlichen Schluß.
Foto: Sony Pictures
Bezaubernder Kurzfilm von Pixar, der im Kino vor Toy Story 3 (meine Kritik) gezeigt wurde und jetzt ein heißer Oscar-Anwärter ist…
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Natürlich ist The Long Kiss Goodnight, dem deutschen Verleihtitel Tödliche Weihnachten zum Trotz, kein Weihnachtsfilm im eigentlichen oder auch nur übertragenen Sinne, aber er ist einer meiner liebsten mit Weihnachtsdekor. Darüber hinaus ist er aus mehr als einem Grund einer meiner liebsten Actionfilme und womöglich der Höhepunkt von Renny Harlins Karriere – was er vielleicht aber auch der Zusammenarbeit mit dem Autor Shane Black verdankt, der zum Beispiel auch das Drehbuch für den ganz großartigen Kiss Kiss Bang Bang (meine Kritik) geschrieben hat.
Geena Davis spielt hier Samantha Caine, Grundschullehrerin und Mutter mit Gedächtnisverlust, die eines Tages unsanft daran erinnert wird, daß sie früher einmal Charlene Elizabeth Baltimore war, genannt Charlie, Auftragskillerin der CIA. And thus, the shooting begins…
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Es ist schon bemerkenswert, daß es Harlin hier über fast zwei Stunden Filmlaufzeit gelingt, den Film kontinuierlich, flott und actionreich am Laufen zu halten. Da wird die zentrale Halle eines Provinzbahnhofs in Schutt und Asche gelegt, es gibt Explosionen und Shoot-Outs galore und schließlich auch noch einen Ausbruchsversuch mit Babypuppenpipi. Echt jetzt!
Die minimalen Längen, die der Film aufweist, verdanken sich eher den Momenten, in denen er und Black sich tatsächlich ein wenig um die Figuren kümmern und so vor allem, aber nicht nur der Hauptfigur auch einiges an Entwicklungspotential einschreiben – das ist mehr, als normale Actionfilme je auf die Reihe bekommen.
Davis‘ Samantha/Charlie ist eines der grundlegenden „Butt-kicking Babes“ der Filmgeschichte, und eine der überzeugendsten dazu – selten hat sich später ein Film getraut, eine Frau derart kompromißlos als Agentin zu positionieren und dies auch durchzuziehen (erst 2010: Angelina Jolies Salt fällt mir noch ein). Sie ist, als sie ihr Gedächtnis wiedererlangt hat, eine völlig rücksichtslose Killerin – „Kill ‚em for me, bitch. What are you good for?“, fragt ihr Sidekick Mitch (Samuel L. Jackson) sie einmal -, die ihren Auftrag (den sie sich hier gleichwohl selbst gewählt hat, eine Verschwörung im Hintergrund gibt es nämlich auch noch) ohne Zögern ausführt.
In Form einer Persönlichkeitsspaltung qua Amnesie agiert diese Figur dabei zugleich die zwei Extreme aus, zwischen denen die Frauenbilder des Hollywoodfilms (bzw. westlicher kultureller Produktion überhaupt; Klaus Theweleit läßt grüßen) üblicherweise changieren: Als Samantha ist sie zwar nicht jungfräuliche Heilige, aber eben doch brave Lehrerin und Mutter; als Charlie ist sie promisk, schminkt sich, schneidet sich die Haare ab und negiert die Beziehung zu ihrer Tochter. (Eine Art gewollte, bewußt herbeigeführte Amnesie, wenn man so will.)
Die beiden Extreme schließen sich zunächst filmisch völlig aus: In Träumen sieht Samantha ihr Alter Ego im Spiegel, und Charlie schneidet ihr aus dem Spiegelbild heraus die Kehle durch.
Das eigentlich Bemerkenswerte an The Long Kiss Goodnight ist nun, daß Black und Harlin diese Differenz der Persönlichkeiten nicht aus dem Weg schaffen wollen: weder bekehren sie Charlie zu Mutterschaft à la Samantha bekehren noch lösen sie das Problem durch den Tod der Mutter. Stattdessen bleibt am Schluß eine facettenreiche Frau zurück, die zwar friedlich Lehrerin, Partnerin und Mutter bleiben will, aber die Regierung auch mit Vergnügen um einen Koffer voll Geld betrügt und Messer immer noch beängstigend präzise werfen kann. Wer weiß schon, was auf die Frau noch für ein Leben wartet.
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(Bizarres Randmoment ist übrigens, das ich die Neusichtung von The Long Kiss Goodnight zufällig am gleichen Tag machen konnte wie die Erstsichtung von Mother & Child (Kritik folgt) – in beiden, wirklich sehr, sehr unterschiedlichen Filmen spielen Samuel L. Jackson und David Morse mit. Sehr eigenartig war diese Zusammenschau.)
Selten waren Kampfszenen so elegant und zugleich so blutig wie wenn Summer Glaus River die Kontrolle über sich verliert
, hatte ich seinerzeit zu Serenity geschrieben, und das ist heute noch so wahr wie vor fünf Jahren. Hier kann man sich noch einmal visuell erinnern, und hier einen klugen Text u.a. dazu lesen, warum wir die Butt-kicking Babes des Kinos wirklich brauchen.
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