The Green Hornet (2011)

Natürlich hat Thomas recht, wenn er schreibt, daß Michel Gondry mit The Green Hornet einen erstklassigen, glatten Bruch in seinem Oeuvre vollzieht. Denn gegenüber dem ausgestellten Charme des (natürlich vollkommenen) Unvollkommenen in Be Kind, Rewind (meine Kritik) oder, mehr noch, La science des rêves ist die glattpolierte, in 3D gezeigte Oberflächenshow der Grünen Hornisse ein Mainstreamschock.

Nachvollziehbar wird das eigentlich nur dadurch, daß dieser Green Hornet in jeder Hinsicht ein Antisuperheld ist – zum einen, weil er sich der Öffentlichkeit nicht als Held und Identifikationsfigur präsentieren will, sondern als Bösewicht (um den anderen Bösen nicht erpreßbar zu erscheinen), und deshalb ohne Gewissensbisse reichlich Chaos und Zerstörung fabriziert (was Gondry wiederum, wie Thomas im zitierten Text trefflich charakterisiert, mit großer Lust an eben dieser Vernichtung materieller Werte inszeniert), zum anderen weil der Held Britt Reid aka Green Hornet (Seth Rogen) eigentlich überhaupt kein Held ist, sondern alles irgendwie Herausragende, in Taten wie in der notwendigen Maschinerie, seinem Sidekick Kato (Jay Chou) zu verdanken hat.

Das Problem daran ist, daß dieser Britt ein grundlegend unsympathischer Charakter ist, der zwar zum Ende hin wenigstens ein bißchen moralische Stärke zeigt, aber ansonsten dumm, faul, egozentrisch und unangenehm ist.

Daß er kein typischer Superheld ist, wird natürlich schon physiognomisch sichtbar – und Seth Rogen mit seiner Physiognomie wird sich wahrscheinlich schon allein deshalb auf diese Figur gestürzt haben, weil er keine Chancen hätte, jemals eine schlanke, muskulöse Kunstfigur zu verkörpern. Rogen hat auch gleich noch mit am Drehbuch geschrieben und als Ausführender Produzent seine Finger im Spiel gehabt – und so darf man ihm schon einiges an den Schwächen des Filmes anlasten.

Rogens Spiel ist dabei nicht einmal das Hauptproblem – sein Charme als großer Junge rettet die Figur Britt aus der schlimmsten Aversion noch heraus. Aber der Film hat, so sehr er auf Spaß, Action und Quatschgimmicks abzielt, einfach zu große Längen und zu wenig Spannung. Der Oberbösewicht, den Christoph Waltz mit einiger Hingabe an das Trashniveau des Drehbuchs gibt, ist wirklich nicht zum Fürchten (worüber sich der Mann auch, ganz metafilmische Figur, auch permanent Gedanken und sorgen macht), die Verfolgungsjagden und Kämpfe (bei denen stets allein Kato wirklich tätig wird) ziehen sich immer einen Schwung zu lange hin, und die zentrale Intrige ist schon nach den ersten Szenen des Films erahnbar.

Für mich verpuffte deshalb die originelle Grundprämisse des Films leider schon allzu schnell in der unterhaltsamen Langeweile, die sich ausbreitete, sobald der Filme seine wesentlichen Ideen in Position gebracht hatte. Für einen der meisterwarteten Superheldenfilme des Jahres ist das ein bißchen wenig.

Fotos: Sony

The Green Hornet (2011), 5.0 out of 5 based on 1 rating

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