16ème Étrange: Four Lions (2010)

Dieser Beitrag gehört zu meiner Berichterstattung über das 16ème L’Étrange Festival in Paris. Der Film war auch auf dem FFF 2010 zu sehen.

(Der Vollständigkeit halber: „Spoiler-Warnung“. Am besten einfach direkt den Film ansehen.)

Wenn man über Four Lions schreibt, ist man versucht, erst einmal politisch korrekt zu betonen, wie unfähig hier auch die nicht-muslimischen, britischen Terrorfahnder und Zivilisten dargestellt werden: Die Polizei stürmt irgendwann auf der Suche nach einer Terrorzelle ein Haus, nimmt aber dort nur eine Gruppe äußerst frommer und friedfertiger Muslime fest, die zwar ihre Frauen in winzige Räume sperren, aber jedenfalls keine Bomben bauen. Und zwei Scharfschützen streiten sich kurz darauf angeregt darüber, ob der von Ihnen frisch Erschossene nun ein Bären- oder ein Wookie-Kostüm trug; daß er auf jeden Fall der Falsche war, ist ihnen offenbar völlig wurscht.

Aber dieser Reflex, den Film in Schutz zu nehmen vor allzu einseitiger Interpretation ist eigentlich verfehlt. Denn man redet damit am Kern des Films vorbei, der im Wesentlichen auf dem Grundsatz beruht, daß jede_r das Recht habe, verarscht zu werden, und somit an jeder Form politischer Korrektheit erst einmal völlig desinteressiert ist. Das heißt nicht, daß Four Lions ein Experiment in planloser Grenz- und Geschmacksverletzung wäre (wie dies zum Beispiel Uwe Boll seinerzeit mit Postal [meine Kritik] angepeilt hatte).

Christopher Morris, der bisher vor allem fürs Fernsehen gearbeitet hat, legt mit seinem Film (das Drehbuch stammt von ihm, Jesse Armstrong und Sam Bain) erst einmal den Finger ziemlich präzise in die Wunden, die die im Westen verbreiteten Vorstellungen vom Islam darstellen – und das heißt für uns weiße Mittelschichteuropäer: unser Denken, der Islam sei weitgehend mit dem militanten Islamismus identisch. Da findet es ein Kollege von Omar (Riz Ahmed) zwar befremdlich, daß einer von Omars Freunden eine Krähe in die Luft gesprengt hat. Er läßt sich dann aber alsbald beruhigen mit dem Argument, das sei eine kulturelle Sache – auf der Hochzeit in Pakistan kürzlich habe man auch einen Vogel Strauß mit einer Bazooka beschossen.

Operation: Endgame (2010)

Operation: Endgame (mir zum ersten Mal bei Peter ins Bewußtsein gerufen) ist eigentlich ein Film, der Menschen wie mich mit einer gewissen Neigung zum schwarzen Humor und zum Actionkino zugleich, geradezu bettelnd auffordert, ihn lieb lieb lieb zu haben, und eine ganze Weile geht das auch wirklich gut mit uns beiden.

Ort der Handlung ist ein unterirdischer Bunker der amerikanischen Regierung, in der eine supergeheime Spionagetruppe ihre Büros hat. Gerade wird ein Neuling (Joe Anderson) eingeführt und bekommt den Codenamen ‚Fool‘ – alle Figuren heißen wie Karten des Tarots. ‚Chariot‘ (Rob Corddry) führt ihn herum und stellt ihm die Mitglieder der beiden Teams Alpha und Omega vor – unmittelbar miteinander konkurrierende Entitäten, die sich eigentlich gegenseitig kontrollieren sollen. Dann aber gibt es plötzlich Leichen, mit dem Programm „Operation: Endgame“ wird ein Countdown ausgelöst, und bevor ‚Fool‘ so richtig versteht, was passiert, sind die Angehörigen beider Teams kräftig damit beschäftigt, einander umzubringen, während die Zeit immer enger wird, bis alles Leben im Bunkerkomplex automatisch ausgelöscht wird.

Das ist gut gemacht, wie aus der sehr angespannten Büroatmosphäre, den kleinen Sticheleien und bösen Beschreibungen, alle schon getunkt in das Blut, das beim schmutzigen Geschäft der Filmnachrichtendienste ja gerne kübelweise vergossen wird, wie daraus also fast übergangsfrei ein Blutbad wird, ein dann doch ziemlich expliziter und schmerzhafter Abzählreim der Mordtaten.

Und auch daß es dazwischen immer wieder den Blick gibt auf zwei Beobachter, die durch Überwachungskameras das Ganze mit distanzierter Ironie und einer gewissen Fassungslosigkeit (aber ohne jedes Entsetzen) wahrnehmen und aus dem Hintergrund kommentieren. Als sie sich einmal über die Aufnahmeprüfung für die Alpha- und Omegagruppen unterhalten, da hat es im Bunker schon Tote en gros gegeben, kommen sie auf den letzten Test zu sprechen: Jede_r mußte einen kleinen Welpen ermorden. „All those people killed puppies?“ empört sich da das Gegenüber.

So schwarz ist der Film, und in seinem Blick auf die Geheimdienstwelt sehr ironisch gegenüber den Standardfiguren des Kinos, mit den absurden Decknamen und Lebensläufen, die hier ins Pathologische gewendet werden und, statt in der Welt draußen verortet zu sein, in einen engen Bürobunker gepfercht werden, samt Kopierzimmer und Konferenzraum.

Wie gesagt, eine Weile geht das gut. Aber dann bleibt Operation: Endgame im einmal eingeschlagenen Tritt, auf das sukzessive Morden und Verfolgen folgt nichts wesentlich Neues mehr, und letztlich fällt dem Film dann nichts mehr ein, was er mit seinem tollen B-Cast noch so anfangen könnte. Ellen Barkin zum Beispiel ist großartig böse, und mit Ving Rhames und Maggie Q ist sie nicht die einzige, die sich lustvoll im Zynismus der Handlung wälzt (die auch noch eine gewisse politische Pointe hat). Emilie de Ravin bietet uns eine sehr verschlagene Triebtäterin; Odette Yustman füllt die Rolle als eye candy aus und bemüht sich redlich, ein bißchen mehr daraus zu machen, während Zach Galifianakis hier die vermutlich seltsamste Rolle seit langer Zeit spielt.

Alle diese Figuren gehen früher oder später im Laufe des Films dahin, aber an ihnen (oder ihren Darsteller_innen) liegt es eben nicht, daß Operation: Endgame am Ende scheitert. Vielleicht fehlte den Macher_innen die Bereitschaft oder das Interesse, jenseits der überzogenen Gewalt und des schwarzen Humors in jenen Bereich der Groteske einzutreten, der den Film herausgehoben hätte aus seinen eigenen Prämisse und vielleicht auch seinen politischen Ambitionen neues Feuer gegeben hätte. Aber dafür genügt es nicht, möglichst einfallsreich viel Blut zu versprühen.

Date Night (2010)

date_night

Mein Vater beschwert sich beim Fernsehen gerne darüber, daß romantische Komödien meist da enden, wo es wirklich interessant und womöglich auch schwierig wird: Mit dem Moment der glücklichen Vereinigung. Früher trat dann die Eheschließung ein, heute vielleicht die vermeintlich stabile Beziehung – die eigentliche Arbeit fängt also erst an.

Date Night ist da eine erfrischend erwachsene Alternative. Man findet inzwischen ja aus Hollywood mit Filmen wie etwa It’s Complicated (meine Kritik) auch schon romantische Komödien mit älteren Paaren, aber viele andere sind, auch wenn sie sich vorgeblich mit nicht mehr ganz jugendlichen Protagonist_innen befassen, doch insgesamt eher aufgesetzt und am jugendlichen Ideal des Verliebtseins orientiert.

Shawn Levys Komödie (meiner Meinung nach die erste wirklich brauchbare, bei der er Regie geführt hat) schickt das Ehepaar Foster, Claire und Phil (Tina Fey und Steve Carell), auf eine Odyssee durch New York, die sich zwar als Actionkomödie tarnt (und als solche eher so-la-la funktioniert) – die Fosters werden mit einem anderen Paar verwechselt, welches anscheinend einen Mafiaboss zu erpressen versuchte -, de facto die beiden aber durch eine tour de force von Beziehungsmodellen schickt.

Ganz am Anfang sind sie bei einem befreundeten Ehepaar zu Besuch, die sich trennen wollen, weil ihr Leben miteinander nicht aufregend genug sei – erst das ist ihr Antrieb für eine „aufregende“ Nacht in New York, die dann etwas aufregender wird als geplant. Hier erwarten sie dann zum Beispiel ein muskulöser Sicherheitsexperte (Mark Wahlberg) mit seiner nicht minder attraktiven israelischen Freundin oder das streitsüchtige, aber leidenschaftliche Erpresserpärchen (Mila Kunis und James Franco), und die Fosters müssen sich nicht nur damit auseinandersetzen, wie sie die Nacht überleben, sondern auch, wie sie ihr gemeinsames Leben vor der Folie all dieser Beziehungsentwürfe eigentlich verstehen wollen.

date_night

So bizarr und unglaubwürdig (und eher generisch) die Handlung dabei auch wird, die Figuren verhalten sich stets glaubwürdig und konsequent: Die Fosters sind keine Superheld_innen und kein Paar, daß sich wegen der äußeren Gefahr wieder Hals über Kopf ineinander verlieben würde; das haben sie auch nicht nötig, auch wenn sie schon seit Jahren verheiratet sind und abends, nachdem die zwei Kinder dann doch endlich mal schlafen, totmüde und aller Libido ledig ins Bett fallen.

Eine Szene vom Anfang des Films illustriert das sehr fein: Da kommt Phil nach Hause, und übersieht erst einmal seine Frau völlig, die gerade auf der Treppe steht, im schicken Kleid herausgeputzt – da entgleisen Claire für einen Moment die Gesichtszüge. Phil hat jedoch im Reingehen zuerst nur seine Kinder gesehen und wirft sich zu ihnen auf den Boden. Aber als er sich dann zu seiner Frau umwendet, entfährt ihm ein „Wow“. Er hat Claire vorher schlichtweg übersehen, aber dann sieht er nicht durch sie hindurch, sondern nimmt sie immer noch wahr (und als schön, aufregend, attraktiv wahr).

Das ist es, was ich unter einer „erwachsenen“ romantischen Komödie verstehe: Eine, die auch weiß, daß unter der Routine, dem jahrelangen Miteinander und Sich-Reiben aneinander nicht nur emotionale Leblosigkeit liegen kann. Oft ist es Liebe.

(Etwas schade ist übrigens, daß Fox für die Pressebilder mit Tina Fey nur Photos ausgewählt hat, auf denen sie immer den gleichen, etwas dümmlichen Gesichtsausdruck zeigt. Die Frau kann mehr.)

Fotos: 20th Century Fox

(Ähnlich, ausführlicher, aber weniger positiv im finalen Fazit ist übrigens die Besprechung von feministing.com.)

Enchanted (2007)

Die Grundidee von Enchanted ist ja eine durchaus verspielte: Was wäre, wenn man die klassische Disney-Cartoon-Konstellation von Prinzessin, Prinz und „happily ever after“ mal in eine Realwelt entläßt und dort mit dem nicht gerade Musical-artigen Leben in New York konfrontiert?

Das Problem des Ergebnisses ist dann vielleicht: Daß dabei immer noch zu sehr Disney herauskommt, viel zu kinderfreundlich, viel zu glattgespült und viel zu vorhersehbar. Natürlich ist Prince Charming nicht der Prinz ihres Herzens, und natürlich wird Giselle (Amy Adams ist wie immer zauberhaft, aber das macht es hier eher noch schlimmer) alle Herzen ringsum erweichen und mit Liebe erfüllen. Etwas mehr Anarchie hätte diesem Film gut getan, echte Konflikte und derlei raue Realitäten. Oder einfach nur: mehr als nur eine Bollywood-esque Sing- und Tanzeinlage quer durch New York.

Immerhin ist die Parallelisierung von Real- und Trickfilm hier sehr schön gelungen: Die Trickfiguren sehen ihren Entsprechungen im Realfilm sehr ähnlich, und Susan Sarandon ist so wüst hergerichtet, daß sie auch realiter problemlos als jede böse Stiefmutter in Disney-Trickfilmen durchginge. Und auch wenn der Film sich am Ende nicht so recht traut, die Geschlechterfrage offensiv anzugehen (Giselle ergreift zwar das Schwert, ein wirklicher Kampf sieht aber anders aus), so sind es doch durchgehend die Frauen, die hier die Männer beschützen oder mindestens viel eher kapieren, was eigentlich gerade passiert.

Aber es geht ja auch um Herzensdinge. Damit paßt dann wieder alles.

Planet 51 (2009)

Spätestens seit meiner Besprechung von Chicken Little dürfte ja irgendwie klar sein, daß ich leichtfüßigen Animationsfilmen „für die ganze Familie“, die sich komödiantisch den Science-Fiction-Film vornehmen, nicht abgeneigt bin. Insofern ist es naheliegend, daß ich mir auch Planet 51 näher ansehe.

Die Geschichte karikiert die klassischen Alien-Invasionsfilme der 1950er Jahre, indem sie zunächst einmal die Prämisse völlig umdreht. Handlungsort ist hier nämlich nicht die Erde, sondern der titelgebende „Planet 51“, bewohnt von (natürlich sehr niedlichen) grünen Aliens mit Fühlern, deren Lebensstil ziemlich genau dem entspricht, was man von einer amerikanischen Kleinstadt der 1950er erwarten würde – außer daß nahezu überall Kornkreis-Symbole auftauchen und die Mensche kleine Gigersche Aliens mit Säurenurin als Haustiere durch die Gegend zerren. Das ist eine knallbunte Szenerie wie aus Back To The Future, allerdings noch deutlich überdrehter, und wenn es regnet, dann fallen Steine vom Himmel.

Teenager Lem ist gewissermaßen der Marty McFly in dieser Konstellation: sympathischer Underdog. Er ist ein bißchen zu brav, seine Angebetete schmeißt sich lieber an den lokalen Hippie heran, und er träumt von einer Zukunft bürgerlichster Natur. Gerade hat er stolz seinen neuen Job im Planetarium angetreten, als ein Alien auf seinem Planeten landet (und sich dann unerwartet an Lems Arbeitsplatz versteckt): Captain Charles T. Baker von der NASA. Eine Weile spielt der Film mit dem beidseitigen Mißverständnis, wer hier das Alien und also schrecklich und zu fürchten sei; glücklicherweise läßt er das dann bald hinter sich. Danach wird aus Planet 51, wenn auch eben unter umgekehrten Vorzeichen bzw. Hautfarben und Körperformen, eine gut gemachte, wenn auch nicht besonders herausragende typische Alienkomödie, bei der das Militär die einerseits Bösen, andererseits aber vor allem etwas Tumben repräsentiert, die den Fremden fangen und studieren wollen. Nicht zuletzt ist da Professor Kipple (im Original von John Cleese gesprochen), der Charles‘ Gehirn einer genaueren Untersuchung unterziehen möchte – ex vivo, versteht sich.

Für das etwas erwachsenere Publikum dieser absolut jugendfreien Veranstaltung gibt es reichlich spielerische Verweise auf Filme wie E.T. (natürlich die Flugszene bei Vollmond), Star Wars (das Geräusch von Lukes Landspeeder) und Wall-E, der offenbar Pate stand für Charles‘ hundeartigen Roboter „Rover“. Den kann nichts mehr begeistern als Steine, die er aufsammeln kann, und wenn es hier regnet, dann ist er euphorisch glücklich, „Singing in the rain“ inklusive.

Origineller wird das nicht (sieht man von einem völlig überzogenen John-Woo-Moment ab), und das Ende schmalzt so heftig (of course he does get the girl), daß man sich im Sessel zu krümmen beginnt; für brauchbare Familienunterhaltung reicht das aber schon, wenn man nicht das Bedürfnis nach höherer Komplexität hat. Den Einheimischen von Planet 51 steht da im Übrigen noch einiges bevor, denn selbst das mit dem Protestieren und Aufbegehren gegen die herrschende Ordnung müssen sie noch üben: „We’re really upset! We’re really upset!“ reicht als Schlachtruf auf Dauer nicht.

„I fake-rocked your world!“

Im Grunde war es nur eine Frage der womöglich noch langen Zeit, und bis dahin ein großes Desiderat, daß sich das Genre der Teenie/High-School-Komödie, das ja gerne auch einmal mit Stoffen von Shakespeare hantiert (manchmal durchaus erfolgreich), einmal des 1850 erschienenen Romanes The Scarlet Letter von Nathaniel Hawthorne annimmt. (Weitere Verfilmungen gab es natürlich seit 1908 schon reichlich viele.)

Et voilà: mit Easy A wird diese Lücke in den nächsten Monaten zunächst einmal gefüllt werden. Und dreht den Spieß ein wenig um: Protagonistin Olive Penderghast (Emma Stone) verliert, wenn man dem Trailer glauben darf, ihre Jungfräulichkeit nur zum Schein, dafür gleich reihenweise. Das eröffnet dem Film möglicherweise interessante Einblicke und Inszenierungen zeitgenössischer Sexualmoral; zugleich droht er in deren Falle zugleich hineinzutappen, indem er alles umschifft, was Sex noch so mit sich brächte.

Aber das wird sich alles erst noch zeigen… für Deutschland ist der Film von Sony Pictures vage für Februar 2011 angekündigt.

Und hier noch ein Clip, der aber irgendwie mit dem Rest des Films nicht viel zu tun haben scheint:

Chicken Little (2005)

Natürlich ist Chicken Little ein allenfalls durchschnittliches Beispiel dafür, was der moderne Animationsfilm aus Hollywood so kann und will; vor allem hat er einige ganz erhebliche dramaturgische Schwächen, die ihn auch dort unnötig episodenhaft bemüht scheinen lassen, wo das gar nicht nötig wäre.

Es sind aber halt alle Ingredienzien da, die so ein „Familienfilm“, wie das ja gerne heißt, wenn vor allem Kinder gemeint sind, gemeinhin braucht: Die Underdog-Geschichte, die hier halt eine Underchicken-Geschichte ist, vom schwächlichen Schlaumeier, der im Sport nicht reüssiert (bzw. dann vielleicht doch – aber das ist eher ein schwachbrüstiger Gewinn, im Großen und Ganzen) und dem aber eine Crew von eigentlich schon fast überzeichneten Misfits zur Seite steht, Außenseiter also allesamt.

Das alles ist nur leidlich lustig und spannend; worin sich Chicken Little aber so richtig ins Zeug legt, das sind die fortwährenden Anspielungen auf andere Filme, auf Back to the Future, King Kong, War of the Worlds und all das; da wird auch gerne mal die Wand zum Kinozuschauer für ein Spiel mit Raiders of the Lost Ark durchbrochen.

Darüber hinaus ist der Film von Mark Dindal, der auch The Emperor’s New Groove verantwortet hat (seinerseits ein massiv unterbekannter Film voll subversiven Humors, wenn meine Erinnerung nicht zu trübe ist), auch über’s Filmgeschehen hinaus pop culture-savvy: Da gibt es von Aliens gemachte Kornkreise, Lemminge stürzen sich in der von Tieren bewohnten Stadt aus Mangel an Klippen von der Parkbank – und der Laptop hat als Signet eine Eichel (das Wahrzeichen des Ortes) und verkündet: „Sie haben eine Hass-E-Mail“.

Sicher, das geht alles nicht so schnell und locker von der Hand wie in Cloudy With A Chance of Meatballs, aber der ist ja auch einfach sehr, sehr, sehr gut.

Geschichten vom Altern

Wie es ein bißchen der Zufall, mehr aber noch die deutschen Kinotermine so wollen, starten in den nächsten zehn Tagen gleich drei Filme, die ich für critic.de besprochen habe, und die sich auf ihre spezifische Art und Weise mit dem Altern und den Folgen für Liebe und Sexualität auseinandersetzen; zwei tun das in der Form romantischer Komödien, eine indirekter und im Rahmen eines Actionfilms.

surrogates
Foto: Walt Disney Pictures

Damit meine ich natürlich Surrogates (meine Kritik), ein Bruce-Willis-Vehikel, das sich IMHO unter Wert verkauft und viel mehr hätte sein können, als letztlich im Kino zu sehen ist – zum Beispiel eine wirklich spannende Fernsehserie. Aber das ist nur meine erstmal isolierte Meinung. Neben der vordergründigen Mordgeschichte geht es in Surrogates vor allem um die Frage, ob es wünschenswert ist, daß wir unsere so vergänglichen und immerzu vergehenden Körper für den Alltag durch technische Surrogate (Real-Life-Avatare, wenn man so will) ersetzen; und exemplifiziert wird das eben an der von Willis verkörperten Hauptfigur, dessen Ehefrau sich ihres realen Körpers schon so sehr schämt, daß sie damit ihrem Mann nicht mehr gegenübertreten mag.

itscomplicated
Foto: Universal Pictures

So weit würden die Figuren von Meryl Streep und Alec Baldwin in It’s Complicated (meine Kritik) wohl keinesfalls gehen. Denn obwohl sie beide wahrlich nicht mehr jung sind, haben beide zu einem spielerischen und selbstironischen Umgang mit dieser Unvollkommenheit des menschlichen Daseins gefunden. Wobei Streep und Baldwin natürlich, trotz Speck und Falten, beide immer noch unverschämt gut aussehen. Funken schlägt der Film dennoch auch aus dem Alterungsprozeß, auch wenn die Beziehung zwischen Jake und Jane (so heißen, seriously, die beiden Hauptfiguren) Quelle noch weitaus größerer Komik ist. Aber in welcher Komödie führt ein versuchter Liebesakt schonmal zu einem Hausbesuch eines Arztes?

cotedulit
Foto: Movienet

Für Ariane und Hugo steht das jedenfalls noch nicht an, dafür sind sie noch zu jung. Aber das Ehepaar in De l’autre côté du lit (meine Kritik) ist jedenfalls auch nicht mehr jung und nicht mehr so verliebt wie früher, woran auch die zwei Kinder mitschuldig sein könnten, und so gibt es dann allerhand Händel und Auseinandersetzungen. Und zwischen den von Sophie Marceau und Dany Boon gespielten Protagonisten ist das Alter nur insofern ein Thema, als es für weitere Spitzen im häuslichen Kampf herhalten kann. Aber Teenagerprobleme haben die beiden nicht mehr, sondern einigermaßen erwachsene – das Genre der Romantischen Komödie wird doch nicht etwa einen Reifungsprozeß erfahren?

Cloudy with a Chance of Meatballs (2009)

We got diem to carpe!

cloudy_meatballs

Unter den (3D-)Animationsfilmen, die ich im vergangenen Jahr gesehen habe, ist Cloudy with a Chance of Meatballs zwar vielleicht nicht der beste, zarteste, emotionalste – diese Trophäe müßten sich die fantastischen Up und Coraline teilen, wenn man denn da eine Rangliste aufstellen will. Aber er ist jedenfalls die leichtfüßigste, eleganteste und witzigste Komödie, bei weitem unterhaltsamer etwa als der vergleichsweise holprige Monsters vs Aliens.

Cloudy with a Chance of Meatballs (Filmstart in Deutschland: 28. Januar 2010) nimmt die klassische Underdog-Coming-of-Age-Geschichte, mischt ein bißchen sympathischen Mad Scientist dazu und legt dann erst richtig los mit einem wüsten Crossover-Bezugsspiel durch die Filmgenres, daß die Postmoderne nur so mit den Ohren schlackert. Flint Lockwood wächst auf der kleinen und sehr, sehr fiktionalen Insel Swallow Falls auf, die irgendwo im Atlantik vor der amerikanischen Küste liegt, und träumt seit Kindesbeinen davon, ein großer Erfinder zu werden. Er erfindet tatsächlich, nur liegen seine Erfindungen immer jenen haarsträubenden Tick daneben, den es zu wahrer Erfindergröße zu überwinden gäbe. Bis Flint eine Maschine erfindet, die aus dem Wasser von Wolken Essen nach Wunsch produziert und aus der kleinen Insel ein potentielles Schlaraffenland macht – jedenfalls so lange, bis der „perfect food storm“ sich zusammenbraut.

Auf dem Weg zum Finale nimmt der Film von Phil Lord und Chris Miller mit, was mitzunehmen geht: die romantische Komödie für Teenager wird kurzerhand invertiert, indem nicht ein Nerdmädchen mit dicker Brille zur stromlinienförmigen Schönheit mutiert (She’s All That, anyone?), sondern sich die eher zufällig anwesende Wetterfee Sam Sparks als Flints Schwester im Geiste entpuppt, eine Vollblut-Meteorologin, die ihre wissenschaftliche Expertise vor der Welt versteckt, weil diese an klugen Frauen nicht interessiert ist – und die Medienwelt, in der sie arbeitet, schon mal gar nicht. (Flint natürlich schon; daß er im Übrigen der Held des Films bleibt, der Erfinder und Macher, zeigt dann eben doch, wie sehr auch Cloudy with a Chance of Meatballs nicht aus der Haut des Mainstreams herauskann. Und natürlich ist er der emotional unreifere der beiden – „You really thought having allergies would make you more attractive?“ muß sie ihn gar einmal fragen.)

Das alles ist angemessen cartoonhaft überzeichnet; in der Physiognomie der Menschen zeichnet sich immer schon auch ihr Wesen ab. Das kann der Trickfilm, warum sollte er es nicht machen? Die Charakterisierungen, die nicht nur Typen hervorbringen, funktionieren so gut, und zwischendurch darf es dann auch mal flott mit einem fliegenden Auto (Flints zweitem Versuch – „now with wings!“) à la Star Wars durch die Lüfte gehen. Das alles ist rasend schnell, Slapstick und Wortwitz auf Speed.

Vorher sahen wir übrigens schon, wie der Nahrungssturm die Welt in Atem hält. Ganz den Weltuntergangsszenarien à la 2012 (meine Kritik) und Armageddon verpflichtet, werden da London, Paris und andere bekannte Orte unter riesenhaft vergrößerten Speisen begraben. Dieser Sturm, berichtet Sam atemlos in ihre Kamera, verfolgt ein seltsames Muster: Er trifft zunächst nahezu zeitgleich und ausschließlich die weltweit bekanntesten Sehenswürdigkeiten!

Foto: Sony Pictures

In Kürze: Whiteout, The Tournament, Get Smart

Ich habe ja auch nicht immer Zeit, Gelegenheit oder Interesse, etwas Längeres zu schreiben…

Whiteout (2009)

Diese Comicverfilmung ist insgesamt wenig aufregend, mitreißend oder auch nur bemerkenswert, obwohl man vielleicht aus der Idee – der erste Mordfall in der Antarktis! – noch etwas mehr hätte machen können. Wirklich schön ist eine Kampfszene mitten in einem winterlichen Antarktisschneesturm. Ohne allzu großes Aufhebens wurde vorher eingeführt, daß man sich auf der Forschungsstation bei schlechtem Wetter nur von einem Gebäude zum anderen fortbewegen darf, wenn man sich vorher an einer der über das Gelände gespannten Sicherheitsleinen eingeklinkt hat, weil man sonst bei Sturm schnell vom Weg abkommt, wo man („Whiteout„) außer Schnee nichts mehr sieht.

Für einen Kampf mit Pistolen und dann schließlich Fäusten, Füßen und Eispickeln führt das zu inszenatorisch durchaus interessanten Einschränkungen, auch wenn Dominic Sena daraus womöglich noch mehr hätte machen können. Warum sich Ms Beckinsale zu Anfang des Films allerdings fast ganz ausziehen muß, ist mir allerdings nicht so ganz klar. (Natürlich, eine warme Dusche hat man immer gern in der Antarktis, und ihre Verletzlichkeit und so – aber ehrlich, das ist nur Schaulustbefriedigungswillen. Oder sagen wir: Sexismus?)

The Tournament (2009)

Schon die Handlungsprämisse von The Tournament hat mehr Löcher in ihrer logischen Struktur als ein durchschnittliches Opfer des titelgebenden Wettbewerbs in seinem Körper, aber ohne suspension of disbelief kommt man durch diesen Film sowieso nur kopfschüttelnd hindurch, oder man mag ihn gar nicht erst ansehen. Warum sollten sich dreißig hochbezahlte Auftragsmörder schon auf einen Wettbewerb einlassen, bei dem sie von ihresgleichen gejagt werden, und nur der Sieger überlebt und bekommt mickrige zehn Millionen Dollar? Nunja.

Auch sonst darf man nicht allzu großes Interesse an Logik und Sinn mitbringen, dafür ist The Tournament nicht so bemüht-komisch (und damit unwitzig) wie Smokin‘ Aces (meine Kritik), mit dem der Film sonst eine ganze Menge gemein hat – etwa die Ansammlung schlechtgelaunter Auftragskiller-Typen. Eher ist es selbstbewußtes, mit ernster Miene Schrott versprühendes Trashkino à la Doomsday (meine Kritik), und das ist ja zunächst gar nicht unbedingt etwas Schlechtes.

Get Smart (2008)

Eine ganz unterhaltsame James-Bond- und Agenten-Parodie ist das, sicherlich nicht brillant, aber allemal witziger als der gerade-so-okaye Johnny English. Ich kenne freilich die Originalserie nicht, die, wie mir zuverlässige Quellen berichten, noch um Längen besser sei.

Gut gefallen hat mir dabei vor allem natürlich die Tanzszene (bemerkenswert dazu die Position in Alas, a blog), die jeden Tanz in allen James-Bond-Filmen aufs präziseste persifliert, und der Wettstreit zwischen Maxwell und Agent 99 darum, wer die besseren Gadgets mitgebracht hat. Beides ist allerschönster Agenten-Schwanzvergleich.