Gérardmer 2010 – Ankunft

gerardmer_logoEin angenehmer Nebeneffekt des französischen Zentralismus ist bekanntermaßen, daß man von Paris aus sehr schnell in die anderen Landesteile gelangt. Wie ausgestreckte Spinnenbeine ziehen sich die TGV-Strecken nahezu ohne Knicke von der Hauptstadt aus durch die Provinz, wie hier gleich alles heißt, was nicht mehr zu Paris oder seinem Speckgürtel gehört.

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Wie anderswo auch wird es aber hierzulande durchaus mühsam, wenn man in die etwas abgelegeneren Orte gelangen möchte. Viele gibt es, die ohne eigenes Auto gar nicht zu erreichen sind, und so ist es womöglich ein Geschenk, daß man Gérardmer immerhin mehrmals täglich mit dem Bus aus verschiedenen umliegenden Städtchen erreichen kann. Die meisten Gäste des Filmfestivals, darf ich vermuten, reisen wohl nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln an.

P1030813Immer den Berg geht es hinauf, wenn auch nicht in große Höhen, bis man den kleinen Ort erreicht hat. So etwa zehntausend Einwohner hat das Städtchen, höchst malerisch an einem jetzt zugefrorenen See gelegen, an einer flachen Stelle inmitten eines Tals, umgeben also auf drei Seiten von weiter hoch reichenden Bergen, die alle eingeschneit und, wenn das Outfit vieler anderer Hotelgäste hier etwas auszusagen vermag, für Wintersport wohl auch nicht ungeeignet sind.

Schön ist also die Landschaft schon, und da ist es möglicherweise nur konsequent, daß man in Gérardmer, wie sagt man es höflich?, auf Äußerlichkeiten wie Architektur keinen besonderen Wert legen mag. Sieht man von der beschaulichen und sehr lebendig wirkenden Altstadt ab, ziehen hier Straßen in rechten Winkeln zueinander ein Gitter ins Tal, und drunten wie an den Hängen stehen neben eher traditionell wirkenden Häusern gar scheußliche Kästen. Und selbst der offenbar schon mindestens seit Anfang des 20. Jahrhunderts genutzte Friedhof findet sich mittlerweile mitten in einem Gewerbegebiet, von Bauunternehmen und Kieslagern umgeben.

P1030814Aber das ist wirklich egal: Gérardmer ist allenfalls Schlaf- und Essensstadt für die Tourist_innen, die man sommers wie winters zum Wandern und Skifahren auf die Hänge ringsum schickt, und für zwischendurch und schlechtes Wetter gibt es ein großes Casino oder ins Kin o beim einen oder anderen Filmfestival.

Auf Fantastic’Arts nun scheint die ganze Stadt seelisch eingestellt zu sein. Bei der Hotelsuche reichte es, danach zu fragen, ob während des Festivals noch ein Zimmer frei sei (meistens nein), und im Stadtzentrum hängen nicht nur überall Plakate und Wegweiser zu den Spielorten, an jedem Laternenpfahl hängt auch noch ein Lautsprecher, aus dem der lokale Radiosender zu tönen scheint, der offenbar ebenfalls fleißig berichtet.

In weniger als zwei Stunden beginnt das Festival mit Dans ton sommeil.

2 Gedanken zu “Gérardmer 2010 – Ankunft

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