Texte zu Filmstarts (12. August 2010)

Von den dieswöchigen Filmstarts habe ich drei ausführlicher besprochen. Zunächst wäre dies 8th Wonderland – die Kritik ist in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Deadline nachlesbar -, ein fast essayistisch anmutender Spielfilm über einen virtuellen Staat und die Folgen seiner Existenz auf das „Real Life“.

Mademoiselle Chambon (für kino-zeit.de gesehen) ist ein sehr ruhiges französisches Liebesdrama, in dem vielleicht zu wenig gesprochen und zu wenig gewollt wird.

Den krassen Gegensatz dazu bietet Das A-Team (bei critic.de), eine laute und unterhaltsame, aber eben auch ziemlich flache Filmadaption der auch schon ziemlich angejahrten Fernsehserie. (Zu den Geschlechterbildern in diesem Film hatte ich mir hier ausführlicher Gedanken gemacht.)

Foto: Neue Visionen Filmverleih

FFF 2010: Centurion (2010)

Alle Beiträge zu Filmen, die auf dem Fantasy Filmfest (FFF) 2010 zu sehen sein werden, finden sich unter dem Schlagwort FFF2010

Freunde des Genrekinos halten für gewöhnlich große Stücke auf Neil Marshall – den entsprechenden Ruf hat er sich mit Dog Soldiers und The Descent erarbeitet; Doomsday (meine Kritik), ein Trashfest der Splattermusik, war vielleicht zu unernst und zu sehr am Geschmack größerer Massen orientiert. Mit seinem neuen Film Centurion bleibt Marshall zwar in Schottland, nimmt sich aber eines historischen Stoffes an: Dem angeblichen Verschwinden der Neunten Römischen Legion in Britannien.

Quintus Dias (Michael Fassbender), Hauptmann (also Centurio) der römischen Armee, wird von dem britannischen Stamm der Pikten gefangen genommen, nachdem diese das Lager seiner Truppen zerstört hatten; er kann mit Glück fliehen und stößt zur Neunten Legion unter General Titus Flavius Virilus (Dominic West), die gerade den Auftrag bekommen hat, den König der Pikten (Ulrich Thomsen) gefangen zu nehmen. Quintus zieht mit, aber in einem Hinterhalt wird der General gefangen genommen und die Soldaten hingemetzelt – nur der Centurio und sechs weitere Männer überleben.

Quintus und seine Leute versuchen nun zunächst, den General zu befreien, und schlagen sich dann „behind enemy lines“, wie es recht modern im Film heißt, durch die Wildnis, um wieder römisch besetzten Boden unter die Füße zu kriegen. Dabei geht es recht malerisch durch nebelverhangene Wald- und Berglandschaften, während die Jäger immer dichter aufschließen und die Gejagten dezimieren.

Auch wenn Centurion nicht so brutal wie etwa Doomsday ist, so fliegt hier doch deutlich mehr Blut und Gehirnmasse durch die Gegend, werden Köpfe öfter gespalten und abgeschlagen, als dies sonst im Sandalenfilm üblich ist. Marshall könnte seine Geschichte freilich genauso gut in jeder anderen Epoche und in jedem anderen Kontext ansiedeln – die Neunte Legion bietet eine vermutlich willkommene historische Vorlage (die Kevin Macdonald gerade ebenfalls für The Eagle genutzt hat), doch könnte man sich diesen Quintus Dias auch in einem Krieg des 20. Jahrhunderts vorstellen.

Der politische Hintergrund, der die Handlung in Bewegung setzt, wird hier auf sein Minimum reduziert – natürlich Intrigen und Interessen, die mit den Soldaten wenig zu tun haben –, aber das bedeutet auch, dass Marshall auf jede Form von Pathos verzichtet. So wird das Kämpfen und Sterben nicht durch Schlachtenmusik und Streicher dramatisiert, Centurion ist purer Überlebenskampf, Blut, Rache, Schnee und Schlamm. Gut und Böse sind auf beiden Seiten der kriegerischen Auseinandersetzung zu finden, und dass der Film sich nun ausgerechnet den römischen Centurio und nicht etwa König Gorlacon als zentrale Figur aussucht, wirkt einigermaßen beliebig.

Für eine Weile macht es noch den Eindruck, als ginge es Marshall hier um das dreckige Kriegshandwerk an sich, aber er interessiert sich nicht wirklich für seine Figuren, für die Verheerungen, die das Morden in ihnen anrichtet. Folgerichtig ist auch die Frau, die Quintus dann schließlich von den Qualen des Kriegerdaseins befreien wird, eine Leerstelle, die nur durch ihre dramaturgische Funktion gefüllt wird. (Und dabei bleibt nur deshalb kein ausschließlich grässlich fades Geschlechterbild zurück, weil gleichzeitig Olga Kurylenko als rachedurstige Pikt-Kämpferin Etain recht wirkungsvoll die Klingen schwingt. „Her soul is an empty vessel. Only Roman blood can fill it.“)

Centurion wirkt vor allem wie ein düsterer Gegenentwurf zu all den beschönigenden Schlachtengemälden, die im Mainstreamkino der letzten Jahre zu sehen waren. Da wandern die Protagonisten über Hügel wie aus der Lord of the Rings-Trilogie – nur sind die Berge hier nicht grün, sondern immerzu schneegrau und verregnet. Die Pikten malen sich blaue Streifen ins Gesicht wie Mel Gibson in Braveheart und kämpfen für ihre Freiheit – aber dann morden sie mit rücksichtsloser Grausamkeit.

Nicht einmal im Traum wogen hier Ährenfelder wie in Gladiator, als dessen schwarzer Bruder Marshalls Film oft erscheint – Quintus ist auch noch ausgerechnet Sohn eines Gladiators. Das Morden, das selbst bei Ridley Scott relativ blutarm daherkommt, wird hier an die Grenze zum Splatterfilm herangeführt. Was Marshall allerdings nicht gelingt ist ein Blick über den unmittelbaren Moment der Schlachten hinaus. Krieg ist furchtbar, ja; doch der Rückzug des Protagonisten an einen heimischen Herd wirkt nur wie die naheliegendste Lösung, nicht schlüssig oder durchdacht. Das Idyll ist schon verlogen, bevor es nur begonnen hat.

Dafür ist man Centurion dann aber doch dankbar: Dass er nicht in seinen letzten Momenten noch rührselig wird.

Foto: Fantasy Filmfest

Filmkritik aus „Zweiter Hand“?

Der ExBerliner, die nicht ganz so kleine englischsprachige Zeitschrift in und für Berlin, hat Ende Juni eine kurze Besprechung zu Christopher Nolans neuem Film Inception (meine Kritik) veröffentlicht – noch bevor auch nur die ersten Pressevorführungen in den USA begonnen hatten. Shane Danielsen von indiewire war das aufgefallen; bei einem zufälligen Treffen während einer Pressevorführung hat er die Autorin (und zuständige Redakteurin) Änne Troester (Homepage) getroffen und auf ihren Text angesprochen.

Nach Danielsens Darstellung (aufgeschrieben aus der Erinnerung) zeigte Troester bei dem Gespräch keine Reue und gar Unverständnis für seine Kritik daran, daß sie den Film besprochen hatte, ohne ihn vorher gesehen zu haben. Jenseits der gerade durch die Rezeption von Inception entstandenen Debatte über Filmkritik, Fanboys und Hypes sieht Danielsen darin Grundsätzliches aufscheinen – für ihn ist das symptomatisch, und er ist vor allem erzürnt, daß viele Freund_innen und Bekannte, die Filmkritiker_innen seien, in letzter Zeit ihre Jobs verloren hätten, während „hacks“ weiter Arbeit hätten.

Wer die Filmberichterstattung auch jenseits der Fachpresse und -blogs verfolgt, ist von seiner Fundamentalkritik gleichwohl nicht besonders überrascht. Viele Medien schaffen es gerade so mit Müh und Not, die Pressetexte der Verleiher als „Besprechungen“ oder „Filmtipps“ wiederzugeben – oft genug samt fehlerhafter Inhaltsangaben und ähnlichen Schwächen.

Man kann allerdings weder Troester noch dem Exberliner vorwerfen, dies systematisch und konsequent zu tun. Auch den Text, der Ende Juni im Heft erschien, hat sie sicher selbst verfaßt; und wenn man ihm etwas vorwerfen kann dann wohl am ehesten, daß er zu allgemein und vage ist, um als Filmkritik wirklich Aussagekraft zu besitzen. Er (online am 19. Juli erschienen) lautet, zu Dokumentationszwecken sei er hier kurz eingebunden, wie folgt:

There’s isn’t anything that Nolan has done that hasn’t been superb. Inception combines everything he’s revered for by film freaks: his fascination for how the mind works – its incredible potential and its fragility; his interest in illusion and surprising plot twists; his commitment to visual brilliance – although here he’s not as original as he can be – and the way he brings out pitch-perfect performances from an ensemble cast of first-rate actors at the top of their game.

Aber natürlich ist nichts so einfach, wie es erscheint. Ich habe die Chefredakteurin des ExBerliner, Nadja Vancauwenberghe, und Änne Troester (die Danielsen „Anne Troester“ nennt) um Stellungnahmen zu Danielsens Vorwürfen gebeten. Vancauwenberghe betonte vor allem, wie sehr sie Troesters Einschätzungen vertraue und ihre professionelle Arbeit schätze; darüber hinaus erschienen Texte über Filme im ExBerliner nur dann, wenn die Autor_innen ausreichende Kenntnisse über den Film hätten.

Änne Troester ging in ihrer ausführlichen E-Mail auch auf das Gespräch ein, das sie mit Danielsen geführt hatte, und das sie – obgleich es im Wesentlichen so verlaufen sei wie von ihm wiedergegeben – etwas anders in Erinnerung behalten habe. Er sei sehr aggressiv aufgetreten und habe ihr wenig Gelegenheit gegeben, auf seine Fragen auch zu antworten.

Zum einen war es weniger eine Unterhaltung sondern mehr ein Monolog von Herrn Danielsen, der ganz eindeutig kein Interesse daran hatte, sich über die Qualität von Filmkritiken auszutauschen. Zum anderen zitiert er mich an gleich mehreren Stellen falsch. […] Auch lässt er in seinem Blog die Schimpfwörter aus, mit denen er mich bedachte, und die mich auch dazu bewogen, die Unterhaltung abzubrechen.

(Dazu ist auch Kommentar Nummer 7 von „Jefferson“ zu Danielsens Blogeintrag nicht uninteressant.) Man versuche beim ExBerliner, möglichst alle Filme auch zu sehen, über die man schreibe.

Es kommt selten vor, dass es vor unserer Deadline keine Screener oder Pressevorführungen gibt. Dann greifen wir auf ein mittlerweile sehr umfangreiches Netzwerk an Quellen zurück, das uns zur Verfügung steht. […] Einen Film selbst sehen ist eine Sache, die ich sehr wichtig nehme – die andere ist, über Fachwissen, Hintergrund und Verbindungen zu verfügen, die mein Urteil lesenswert machen. […] Sollten wir einmal einen Film nicht gesehen haben und auch nicht über die entsprechenden Quellen verfügen, die uns ein Urteil erlauben könnten, fällen wir auch keins und machen das dann auch kenntlich. Die Tatsache, dass „Inception“ nur eine Kurzkritik bekam, entspricht dem Umfang meiner Kenntnisse über dem Film; ansonsten hätte ich ihm sicher in meiner langen Kritik gerechter werden können.

Ich finde die Formulierung am Schluß, daß die Länge des Textes „dem Umfang meiner Kenntnisse über dem Film“ entsprochen habe, hier besonders interessant; zum einen dementiert Troester nicht, daß sie Inception nicht gesehen hatte, bevor sie die Kritik schrieb. Zum anderen liegt darin meines Erachtens eine entscheidende Frage versteckt. Denn natürlich ist es gerade im Printjournalismus nicht immer möglich, Filme vor dem Redaktionsschluß zu sehen und zu bewerten. Troester und auch Vancauwenberghe haben daher auf Troesters Kontakte in der Filmindustrie verwiesen, die ihr eine Bewertung und Beschreibung des Films erlaubten.

Persönlich bin ich zwar der Meinung, daß es dennoch nötig gewesen wäre, in der Kritik (denn darum handelt es sich bei dem kurzen Text von Troester, der im Heft in der Tat noch mit drei Herzchen versehen ist und sich in seiner Gestaltung nicht von den anderen Kurzkritiken unterscheidet) kenntlich zu machen, daß die Autorin den Film nicht selbst gesehen hat. Aber läßt sich dieser Mangel in einem kurzen Text auch durch andere Kenntnisse kompensieren? Genügt also eine Kenntnis des Films aus „Zweiter Hand“, vom allerdings berufenen und kompetenten Hörensagen, um wenigstens eine solche kurze Bewertung abzugeben?

Mich interessiert diese Frage tatsächlich sehr, weil sie auf ein ethisches Problem an der Grenze zwischen journalistischem Anspruch und journalistischer Praxis verweist, das man im Onlinejournalismus mit seinen verringerten Verzögerungszeiten normalerweise nicht hat. Und Troesters Rechtfertigung scheint mir immer noch himmelweit von jener unkritischen oder käuflichen Filmkritik entfernt zu sein, die die Verlautbarungen der Verleihfirmen weiterverbreitet oder für Werbeschaltungen auch freundliche Besprechungen liefert.

Was meint Ihr dazu? Läßt sich eine kurze Filmkritik aus in dieser Form vermitteltem Fachwissen rechtfertigen? Falls Ihr selbst Filmkritiken publiziert, wie ist da die redaktionelle Praxis bei den Medien, für die Ihr arbeitet?

(Bleibt sachlich, bitte.)

FFF 2010: Timer (2009)

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„Is this another potential?“

Mit Ende Zwanzig ist Oona (Emma Caulfield), die sich aus völlig unerfindlichen Gründen nicht dauernd mit ihren Eltern darüber streitet, wie sie auf ihren seltsamen Vornamen verfallen konnten, romantisch etwas verklemmt. Sie mag sich auf keine Beziehung einlassen, die nicht sicher die Richtige, Vermutlich Mit Vielen Großbuchstaben Zu Schreibende, Glücklich Machende ist. Wäre in unserer Welt eine solche Sicherheit unmöglich zu erreichen, so ist dies in der Welt von Timer, die ansonsten der unseren so sehr entspricht, für eine Handvoll Dollar möglich: Man läßt sich einfach den titelgebenden „Timer“ ins Handgelenk stanzen, und schon blinkt und klingelt das Gerät, sobald Mr. und Ms. Right sich begegnen – falls beide einen „Timer“ haben. Vorher zählt das Gerät langsam die Tage und Stunden bis zum Treffen herunter; wenn aber der Seelenpartner noch keinen „Timer“ hat, blinkt die Zeitanzeige (so bei Oona) leer vor sich hin.

Timer denkt also, und das ist eine wirklich originelle Idee, konsequent weiter, was die mobilen Anwendungen von Social Networks heute schon probieren – und verbindet das mit einem Glücksversprechen, das in der Filmlogik von niemandem angezweifelt wird: Selbst wenn man nicht wisse, wie es funktioniere, daß es funktioniere, sei nicht zu bezweifeln. Die gleichen Ausschlußmechanismen, die sich in unserer Gegenwart verfolgen lassen – zuerst war seltsam, wer ein Handy hatte, jetzt wirken die Menschen altertümlich, die keines besitzen; und liest dies hier jemand ohne Facebook-Account? -, werden in Timer auch in Bezug auf das namensgebende Gadget wirksam. Wer keines hat, ist alt, hoffnungslos out oder kommt halt vom Land.

Aus diesem Setup generiert Regisseur und Autor Jac Schaeffer einen Film, der verschiedene soziale und psychologische Folgen des „Timer“ anhand unterschiedlicher Figuren durchdekliniert – Oona ist auf der verzweifelten Suche nach dem Richtigen (und bringt immer wieder Männer dazu, sich einen „Timer“ geben zu lassen), während ihre Schwester Steph sich durch die Männerwelt schläft, weil es noch ewig hin ist bis zum Datum, das ihr „Timer“ zeigt. Natürlich treten dann mit Mikey und Dan Männer in das Leben der Schwestern, die diese Verhaltensweisen kräftig durcheinanderwirbeln und die Hoffnung ihrer Mutter Lügen straft, daß man sich mit dem „Timer“ Herzschmerz, Trennungen und Geschlechtskrankheiten sparen könnte.

Da ist dann reichlich Platz und Gelegenheit für Situationskomik, hintergründigeren Humor und Momente intensiven Fremdschämens; Timer unterhält durchaus vortrefflich. Von den Figuren ist man gleichwohl nicht so richtig mitgerissen, dafür geraten sie doch zu eindimensional; allein Michelle Borth kann ihrer Steph mit Bösartigkeiten und Zynismen noch mehr Lebendigkeit einhauchen.

Und auch wenn der Film dann doch irgendwann die grundsätzlicheren Fragen berührt – was also Liebe eigentlich sei, und was davon übrig bleibe, wenn man allein auf den „Timer“ vertraue, so geht er vielleicht doch nicht weit genug, ist nicht wirklich radikal genug, als daß man das Kino mit ein paar Widerhaken im Gehirn verließe. Die Geschlechterrollen sind, für einen das Genre der Romantischen Komödie zumindest mitstreifenden Film durchaus ungewöhnlich, nicht gänzlich konventionell: Hier sind die Frauen tough und professionell, und dafür die Männer sehr gefühlsbetont. Gleichwohl rutscht dadurch etwa die Figur Oona schnell in ein neues Stereotyp (auf das im Mainstreamkino derzeit Katherine Heigl abonniert ist), nämlich die überkontrollierte, eher verklemmte berufstätige Singlefrau.

Vielleicht ist Timer ein Film, dem ein Schuß Queer Cinema – in Geschlechterfragen, Liebesdingen und radikalerer Zugangsweise – gut getan hätte. So ist er aber immer noch eine nette Komödie mit einer sehr, sehr guten Grundidee.

Außer auf dem Fantasy Filmfest ist Timer auch in der Ersten „komischen Filmnacht“ des International Comedy Film Festival zu sehen: Am 1. September 2010 um 20.30 Uhr im Filmtheater am Friedrichshain (Bötzowstraße 1, 10407 Berlin).

Foto: Fantasy Filmfest

Texte zu Filmstarts (29. Juli 2010)

Was für ein großartiger Donnerstag! Was für ein herausragendes Monatsende! Heute starten gleich drei Filme, deren Sichtung ich mit Nachdruck empfehlen kann und möchte, wenn auch jeweils aus völlig unterschiedlichen Gründen.

Für kino-zeit.de habe ich den französischen Film Das Konzert gesehen, eine berührende Auseinandersetzung mit den Folgen des Stalinismus in Form eines Konzerts. Äh, ja, sagt der Titel.

Inception ist der groß erwartete neue Film von Christoper Nolan, der nun endlich auch in Deutschland startet. Auch wenn der Film die in ihn gesetzten überhöhten Erwartungen womöglich nicht erfüllen kann, ist er doch äußerst sehenswert und mit Sicherheit ein Fall für eine sehr große Leinwand.

Mit Toy Story 3 (für kino-zeit.de gesehen) setzt Pixar schließlich die zurecht bekannte Toy Story-Reihe fort – und fügt Ihr einen fulminanten Schlußpunkt hinzu, eine witzige, familientaugliche, aufregende Reise durch das Leben unserer Spielzeuge.

Foto: Concorde Filmverleih

FFF 2010: Solomon Kane (2009)

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So ganz persönlich bin ich ja etwas gesättigt von männlichen Rächerfiguren und/oder Kämpfern, die durch verschneite, schlammige Landschaften mit Krüppelbäumen reiten, rennen oder kriechen, da gibt es in letzter Zeit eine gewisse Häufung mit Jonah Hex, Valhalla Rising oder Centurion. Und eben auch Solomon Kane, einem Film, der – so man der Wikipedia glauben mag – die Herkunftsgeschichte erzählen möchte zu einer Figur, die die Welt in den 1920er Jahren in einer guten Handvoll Pulpgeschichten betrat.

Robert E. Howard ist vermutlich heute den wenigsten Menschen ein Begriff, aber neben der Figur Solomon Kane entstammt seinem Hirn auch Conan, der den popkulturellen Bildungskanon natürlich in der Gestalt von Arnold Schwarzenegger bewohnt. Kane läuft nicht halbnackt herum, sondern sehr angezogen in einem sehr feuchten England des frühen 17. Jahrhunderts. Hier spielt ihn James Purefoy; in Howards Geschichten ist er der Kämpfer fürs Gute und Seelenheil, im Film muß das erst einmal hergeleitet werden.

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Kane ist Freibeuter, fröhlicher Mörder und Krieger, als ihm die Begegnung mit einem Dämon deutlich macht, daß nur völlige Friedfertigkeit seine Seele noch vor dem Teufel zu retten vermag. Er zieht sich in ein Kloster zurück, wird dort aber weggeschickt, weil sein Schicksal, so ist es einem Priester im Traum erschienen, wohl anderswo sich erfüllen werde. Dann stößt er auf eine gläubige puritanische Familie, die in die Neue Welt auswandern will, aber kaum fühlt er sich bei ihnen aufgenommen, werden bis auf Mutter und Tochter (blond, vague romantic interest) alle von den Schergen des Schwarzen Magiers Malachi ermordet. Deren Anführer, ein geheimnisvoller Mann mit Maske, entführt die blonde Meredith (Rachel Hurd-Wood), Kane schwört, sie zu befreien, nachdem ihr Vater ihm die Rettung seiner Seele dafür in Aussicht stellt, und so nehmen die Dinge ihren Lauf.

Und weil eine solche Originstory noch eine Originstory braucht, erfahren wir in Traumrückblicken noch, daß Kane Sohn eines Fürsten aus dieser Gegend in England ist, der den väterlichen Hof verließ und den bösen älteren Bruder versehentlich von einer Klippe schmiß, als dieser versuchte, ein Mädchen zu vergewaltigen.

Es bedarf nur geringer Phantasie, um zu erraten, um wen es sich bei dem Mann mit der Maske handeln könnte.

Solomon Kane ist ein schwer stimmungsvoller Film, bei dem reichlich Schwerter gewetzt und genutzt werden, Blut fliegt schwarz gegen Kameraobjektive, und die Schwermut wird nur mühsam von ein paar brennenden Fackeln im Zaum gehalten. Leider ist das alles weder inhaltlich besonders originell noch aufregend inszeniert: Man sieht das beherrschte Handwerk, man langweilt sich nicht, aber man vergißt das alles anschließend auch wieder recht bald.

An den Stellen, an denen es interessant werden könnte, weicht der Film dann auch ganz schnell aus: Vage angedeutete Konflikte zwischen „heidnischer“ Magie und christlichem Glauben etwa sind Gegenstand kurzer Wortwechsel, aber keiner näheren Betrachtung. Mit Dämonen, schwarzer Magie und dem Teufel wird gleichwohl reichlich hantiert, und der Film wird spätestens dann religiös unangenehm, wenn er Kane, der einmal mit Schwert zu Füßen eines ebenso bewaffneten streitbaren Engels (aus Stein, auf einem Friedhof) niederkniet, mehr und mehr zur Christusfigur mit Schwert stilisiert.

Einmal wird er richtig gekreuzigt (ein zweites Mal, am Schluß, bleibt immerhin noch die Pose), und danach bleiben ihm die Wundmale in den Händen. Sollte es die wohl ursprünglich geplanten zwei Fortsetzungen geben, fürchte ich, daß sie auch noch zu bluten beginnen werden.

Foto: Fantasy Filmfest

FFF 2010: Ghost Machine (2009)

Alle Beiträge zu Filmen, die auf dem Fantasy Filmfest (FFF) 2010 zu sehen sein werden, finden sich unter dem Schlagwort FFF2010

Ach ja, die Rachegeister. Aus dem asiatischen Kino kennt man sie ja inzwischen auch ohne großes Spezialwissen hierzulande recht gut, dank The Grudge (meine Kritik) samt Fortsetzungen und Derivaten, die knarzenden jungen Frauen mit der leicht gebeugten Körperhaltung und den langen schwarzen Haaren… diese Filme schwingen nach in der Geisterscheinung von Ghost Machine, in der ein böser Geist sich in einem Computer einnistet.

Das wäre an sich noch nicht einmal besonders originell, denn schon in den Ringu-Streifen oder One Missed Call (meine Kritik) bedienen sich die Geister moderner Technik zur Fortschreibung der eigenen Existenz. Hier ist der Fall freilich etwas komplizierter bzw. der digitalen Bildproduktion enger angepaßt, denn der Geist lädt sich hier (Logik und Naturgesetze sind im Geisterkino eh‘ schon egal) in ein AI-Programm hoch, das das britische Militär als Kampfsimulator erstellt hat – über direkt das Gehirn ansprechende Helme werden die Soldaten virtuell, aber hochrealistisch in eine Kampfsituation verlegt, die von dem AI-System simuliert und angepaßt wird.

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Dieses System leihen sich ein paar junge Soldaten aus, um damit in einem stillgelegten Gefängnis zusammen mit zwei Freunden Kriegsspielchen zu spielen, aber dummerweise lauert eben genau dort ein nach Rache dürstender Geist, der dann den jungen Leuten im Spiel wie in der Realität an den Kragen will.

Regisseur Chris Hartwill packt (nach einem Drehbuch von Sven Hughes und Malachi Smyth – für alle drei ist es das Langfilmdebüt) noch die Geschichte um eine junge Soldatin (Rachael Taylor) mit oben drauf, die gerne als gleichwertige Kämpferin anerkennt werden will, aber mit den (auch sexualisierten) Schikanen ihres Vorgesetzten zu kämpfen hat, und unter dem ganzen Gerüst lauert eine Post-9/11-Foltergeschichte samt Geheimverliesen und Waterboarding.

Aber natürlich ist das alles Oberfläche. In Ghost Machine geht es weder um Politik, Folter oder Gleichberechtigung, noch geht es wirklich um okkultes Gedankengut – das sind einigermaßen gekonnt verwobene Vorwände, um CGI-Blut gegen Wände spritzen zu lassen, Köpfe und Augäpfel von ihren Plätzen zu entfernen und schließlich auch virtuelle Wände verschwinden und entstehen zu lassen. Allein in letzterem Fall allerdings paßt der Pixellook, den Ghost Machine mitbringt, auch thematisch wirklich dazu.

Neben den zweitklassigen Effekten sieht man natürlich auch an den Schauplätzen, das der Film mit eher begrenztem Budget entstanden ist. Verlassene Gefängnisse sieht man sonst eher in Abgründen wie Shadow: Dead Riot, aber ganz so schlecht ist Ghost Machine dann auch wieder nicht.

Trailer nach dem Klick:

Kurzfilm: The Raven

Dieser für 5000 US$ gedrehte Kurzfilm des in Peru geborenen Regisseurs Ricardo de Montreuil (Homepage) ist dieser Tage wieder durch Blogs und Nachrichten gewandert, weil nach Informationen des Latino Review Mark Wahlberg den Film als Langfilm produzieren will und auch die Hauptrolle spielen soll.

Davon unabhängig ist der Film aber auch in dieser kurzen Fassung ein hübsch anzusehendes Stück Mystery-SciFi oder so.

Chris Black possesses a power that could lead to the destruction of the current regime, and they will stop at nothing to destroy him. The chase is on as Chris runs for his life in this sci-fi thriller set in an alternate and futuristic Los Angeles.

(Filmhomepage; Facebook; via)