Texte zu Filmstarts (1. Juli 2010)

Gleich zwei sehenswerte Filme starten diese Woche, die ich beide besprechen konnte: Da ist einmal Gordos – Die Gewichtigen (Text bei critic.de), eine spanische Komödie mit schmerzlichsten Unter- und Obertönen, die große Fragen nach Liebe und Sex stellt – und dann Jungs bleiben Jungs (Les Beaux Gosses) (Text bei kino-zeit.de), dessen Fragen in die gleiche Richtung weisen, allerdings aus der Sicht französischer, männlicher Teenager. Die Antworten fallen erwartungsgemäß ganz anders aus.

Kurzfilm: AT-AT Day Afternoon

Ein Nachmittag mit einem AT-AT als Schoßhund und bestem Freund des Menschen. Jabba the Poo! (Star Wars-Fans freuen sich. Alle anderen gucken wahrscheinlich komisch auf diesen Kurzfilm von Patrick Boivin, der uns schon Iron Baby beschert hatte. Auf Vimeo gibt es noch mehr seiner Filme.)

(via; Alternativlink zu Youtube)

Frauen/Männer im Arthouse- und Actionkino

Weil mich das Thema eh‘ fortwährend beschäftigt (kürzlich in Bezug auf Splice sowie auf das A-Team und die Losers, derzeit wieder in den Predator-Filmen – mehr dazu nächste Woche) und weil ich gerade aus dem in dieser Hinsicht sehr anstrengenden Killers komme, dessen Besprechung um eine Geschlechterperspektive nicht herumkommen wird –

– deshalb also der Verweis auf zwei Texte, die mir in den letzten Tagen untergekommen sind. Ein Text von Ines Walk zu Actionhelden in der Krise vom vergangenen Januar, der die Krise der (vor allem männlichen) Actionhelden anhand verschiedener Einflüsse zu beschreiben versucht. Sowie dann, mit ganz anderer Blickrichtung, Cristina Nords Gedanken zum Frauenbild im aktuellen Arthouse-Kino.

Es ist, als seien diese Filme in einer Zeit stecken geblieben, die von der Gegenwart und ihren Konfliktlinien nichts wissen will – von der Diskussion zum Beispiel, ob Emanzipation schon dort geglückt ist, wo ehrgeizige Frauen ihren Weg machen.

Frauen am Rande des Kampfgeschehens

Einige Gedanken zu Geschlechterbildern in The A-Team und The Losers.

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In meiner Besprechung von The A-Team (demnächst jetzt bei critic.de) bin ich nur sehr am Rande darauf eingegangen, welche Nebenrolle Jessica Biel als Charisa Sosa dort spielt: sie gibt die Ermittlerin des Verteidigungsministeriums, die dem „A-Team“ auf der Spur ist und schließlich mit den Protagonisten gemeinsam gegen die Machenschaften der CIA anarbeiten wird.

Natürlich hätte diese Rolle, die in der Original-Fernsehserie nicht vorkommt, genauso gut von einem Mann ausgefüllt werden können. (Der Film ersetzt „Colonel Lynch“, den Arnee-Ermittler aus der Serie, durch die CIA, deren Agenten sich alle Lynch nennen, während die Armee zumindest in Person von Sousa eigentlich auf der Seite des A-Teams steht – näher zu betrachten, welche politischen Verschiebungen sich daraus ergeben, hier die Armee als neutral bis freundlich darzustellen, während wieder einmal die Geheimdienste (Verschwörung! Verschwörung!) als Quell des Bösen dastehen, überlasse ich einem anderen Text.)

Sicher wurde Biel auch angeheuert, um dem anvisierten Zielpublikum nicht nur Waffen und Muskeln, sondern auch etwas schöne Weiblichkeit präsentieren zu können; zugleich hat Sosa innerhalb der Filmkonstruktion die Aufgabe, die Heterosexualität der Protagonisten zu zeigen und zu bestätigen – wird doch diegetisch Sosas Bereitschaft, mit dem A-Team zu sympathisieren, wesentlich damit begründet, daß sie eine längere Liebesbeziehung mit „Faceman“ (Bradley Cooper) hatte, die (natürlich) emotional noch lange nicht abgehakt ist. Biel/Sosa ist damit gewissermaßen so etwas wie ein Gegengewicht zur Erotik der Waffen-, Muskel- und Schweißmännerkörper.

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Diese Körper sind in The A-Team (und auch in The Losers) natürlich nicht so unironisch-panzerartig inszeniert, wie es seinerzeit die 1980er-Actionfilme von Stallone und Schwarzenegger vormachten – denen dabei zugleich auch der Männerkörper als Spektakel, als Schauobjekt unterlief. Für zumindest jene feministische Theorie, die die Position des Objektes filmhistorisch den Frauen zuschrieb, eine Feststellung, die nach einer Neubewertung geradezu schrie, fielen doch hier aktives Subjekt des (diegetischen) Handelns und passives Objekt der Betrachtung (durch die Zuschauer_innen) in eins.

Hier ist nun alles, aber auch alles Spektakel – die Actionszenen schon in einem Maße, daß die ersten Kritiker im massiven Einsatz von CGI das Ende des Actionfilms herannahen sehen – je spektakulärer und unrealistischer die Szenen würden, desto weniger sie also in der Realität verankert seien, umso mehr riskiere man, daß sie das Publikum kaltließen. Aber das ist hier nicht das eigentliche Thema.

Auch die Männerkörper, darauf will ich zunächst hinaus, sind hier Spektakel und Schauobjekte, aber zum einen fällt das nicht weiter auf, weil eben alles hier gutgelauntes, laut wummerndes Spektakel ist, und zum anderen ist sich der Film dessen fortwährend bewußt und spielt damit. Am offensichtlichsten ist das daran zu sehen, wie Faces/Coopers Körper permanent ausgestellt wird und wie viel Zeit der Film damit verbringt, die Zurichtung dieses Körpers auch zu zeigen. Dabei geht es interessanterweise praktisch nie um physisches Training, also das Herstellen der Körperform, sondern immer nur um Szenen, in denen Face seinen Körper bräunt. Die Metrosexualität mit all ihren Schönheitszwängen auch für Männer ist also spätestens mit diesem Film im Actionkino angekommen.

Natürlich war Face immer schon der Schönling im „A-Team“, insofern ist das konsequent. Aber auch die Körper der anderen Protagonisten sind Spektakelträger: Nicht nur sind sie alle in Körperbau und Frisuren den Hauptfiguren der Fernsehserie angeglichen und damit mehr Platzhalter als eigenständige Figuren, sie sind auch über ihre „Rangers“-Tätowierungen körperlich markiert.

So sehr die Männerkörper in The A-Team Spektakel werden, so wenig sind sie aber als physische Körper von Bedeutung. Das liegt nicht nur daran, daß die computergenerierten Effekte eine geradezu ätherische Qualität annähmen, die aller menschlich machbaren Realität enthoben sei – ich bin mir nicht einmal sicher, daß diese Perspektive konsequent durchzuhalten wäre. Aber in The A-Team gibt es, darin ist der Film dann doch fast schon wieder familienfreundlich, weitaus weniger direkte, physische Gewalt zu sehen, etwa aufeinanderprallende oder geöffnete Körper, als dies in Actionfilmen heute sonst oft geschieht, etwa in Filmen wie Kick-Ass oder auch in The Losers.

Letzterer Film ist direkter in seinem Einsatz menschlicher Körper. Das gilt schon für die Kämpfe, die früher oder später fast immer zu Nahkämpfen werden, und in denen es sogar, anders als beim „A-Team“, gelegentlich auch unter den Protagonisten Verletzte gibt. Und es gilt auch für die Liebesszenen zwischen Clay (Jeffrey Dean Morgan) und Aisha (Zoe Saldana), die nicht einmal unbedingt im klassisch-erotischen Sinne körperlich aufgeladen werden, sondern immer kurz davor stehen, sich in physische Auseinandersetzungen zu verwandeln (und dies auch mehr als einmal tun). (Und nicht ganz am Rande: Sollte Hollywood tatsächlich langsam sein Widerstreben gegen Liebesszenen mit Menschen unterschiedlicher Hautfarbe verlieren? Es wäre ja langsam an der Zeit.)

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Das deutet aber auch schon an, in welchem Maße The Losers anders mit der einen nennenswerten Frauenfigur im Film umgeht als The A-Team. Während Sosa wenig mehr ist als erotische Phantasie – so wenig in der Realität verankert, daß sie in einer Szene bei einem Verfolgungseinsatz in High Heels auftaucht – und auch wenig mehr als ausführende Kraft des „A-Teams“, stets eher reaktiv als aktiv, die den Überblick über die Situation nicht aus eigener Kraft herstellen kann, gilt genau dies Aisha für nicht, im Gegenteil: Sie hat von Anfang an einen deutlichen Informationsvorsprung gegenüber den „Losers“, und das macht sie, da sie ihre Informationen nicht freizügig teilt, zu einer durchaus zwiespältigen Figur.

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Resident Evil: Afterlife – neuer Trailer

Ein neuer Trailer für Resident Evil: Afterlife ist seit wenigen Stunden im Netz unterwegs, und ich freue mich, dem sehr hohen Trashfaktor zum Trotz, zumindest ein bißchen scheckig. Hier wird allerdings noch deutlicher, worauf le M. schon neulich zurecht hinwies: Daß man offenbar für diesen vierten Film die Franchise heftig mit Elementen aus den Blade– und den Matrix-Filmen aufpeppen will. Sowie mit vielerlei Standardelementen aus jeder anderen Actionfranchise da draußen. Oh, und Beile fliegen in den Zuschauerraum, weil es natürlich 3D sein muß.

(via)

Texte zu Filmstarts (17. Juni 2010)

Unter den Filmstarts dieser Woche in Deutschland habe ich Amelia besprochen, allerdings gleich zweimal – einmal für die aktuelle Ausgabe des Missy Magazine sowie für critic.de.

Kurzfilm: Pig Me

Pig Me ist ein kurzer Animationsfilm, der an der dänischen Hochschule The Animation Workshop von Marie-Louise H. Jensen, Israel Hernandez, Mette Rank Tange, Rebecca Sørensen und Ditte Gade erstellt wurde. Die Geschichte eines kleinen Ferkels beginnt als Horrorfilmen mit starken Anleihen an den expressionistischen Film, verlagert sich aber alsbald in die offenbar bestgehende Tierhandlung der Welt, wo die These, daß Mensch und Haustier sich im Laufe der Zeit immer ähnlicher sähen, auf seinen Kern gewendet wird: Daß man sich nämlich immer schon Haustiere wählt, die einem entsprechen.

Seid gewarnt: Freundlich ist dieser Film nicht, aber von subtilem schwarzem Humor.

(Komplette Filmcredits auf der Seite der Hochschule; via)

Vorträge: Gefährliches Kino

Auf dem Kolloquium Gefährliches Kino, das am vergangenen Wochenende in Berlin stattgefunden hat, war ich zwar leider nicht, aber Thomas weist dankenswerterweise darauf hin, daß heute nicht nur ein kurzer Tagungsbericht von Andreas Resch in der taz erschienen ist, sondern daß auch zwei der Vorträge von Stefan Höltgen aufgenommen wurden und nun bei Vimeo zu sehen sind:

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Die Nacht der lebenden Fußballzombies

Kathrin hat vorhin, zur Saison passend, auf den großartigen Trash-Kurzfilm Die Nacht der lebenden Idioten (2006) von Eric Esser hingewiesen, mit Franziska Dick in der Hauptrolle; auch Françoise Cactus taucht irgendwann einmal auf und hat, wenn mich nicht alles täuscht, auch Musik beigesteuert.

Die Handlung verbindet klassische Zombiefilmmuster mit dem Schrecken, der Fußballfan (vor allem zu WM-Zeiten) heißt:

Nach dem Verzehr von Gammelfleisch mutieren die Besucher einer Semesterabschluss-Grillparty. Ihnen wachsen Fanschals, Fußballnational-trikots, Oberlippenbärte, Bierbäuche und sie grölen unaufhürlich Fußballlieder vor sich hin. Und wer mit ihnen in Kontakt kommt, wird einer von ihnen.

Eine kleine, durch Zufall zusammengeführte Gruppe, kann sich in ein Sportlerheim retten und sich dort vor der Horde herannahender Fußballfanzombies verschanzen. So unterschiedlich wie ihre Charaktere sind auch ihre Lösungsansätze.

Ein kleines Produktionsblog mit ein paar Bildern gab es seinerzeit auch noch. Der Film kann in beschränkter Qualität bei Underdogfilms (woher auch die Inhaltsangabe stammt) als handliches 66-Megabyte-.ogg-File heruntergeladen werden.

Wahlweise gibt es den Film aber auch, in drei Teile zerstückelt, bei Youtube und also jetzt hier:

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