12 Rounds (2009)

Renny Harlin ist eine etwas instabile Größe. Der Mann, seit gestern weiß ich auch, daß er Finne ist, macht großartige Actionfilme wie The Long Kiss Goodnight oder Over-the-Top-Streifen wie Die Hard 2, zeichnet verantwortlich für die Trashperle Deep Blue Sea, hat aber auch viele sehr, sehr zweitklassige Filme in die Welt gebracht.

12 Rounds, sein bisher jüngster Film, fällt irgendwo dazwischen: solides Actionkino, durchaus technisch auf der Höhe der Zeit, samt ewig unruhig schwimmender Kamera, Unschärfen und sehr viel Bumm, aber eben auch eigentlich herzlich egal und emotional uninteressant. Der Polizist Danny Fisher (John Cena) wird von einem Terroristen (Aidan Gillen) als Rache für den Tod von dessen Frau bei einem Unfall in ein „Spiel“ über zwölf Runden gezwungen, bei dem es vor allem um das Leben von Molly Porter (Ashley Scott), Fishers Freundin geht. Überall sind Bomben und Fallen gepflanzt, hektisch geht es hin und her durch New Orleans.

Das Ganze wirkt thematisch und strukturell wie ein verspätetes Rip-Off von John McTiernans Die Hard: With a Vengeance (1995), ohne daß dabei zunächst jener doppelte Boden sichtbar würde, der McTiernans Film einigermaßen interessant macht. Im Grunde weiß man also von Anfang an, worauf der Film hinausläuft, und auch wenn es am Schluß noch Wendungen gibt, die vorher nicht richtig erahnbar waren, erhöht das nicht die Spannung, sondern erfüllt zumindest teilweise nur das, was man sich vielleicht noch erhofft haben mag.

Ansonsten ist 12 Rounds natürlich vor allem ein Vehikel für John Cena, der hier immerhin erträglicher ist als in The Marine, which is not saying much. Seine körperliche Präsenz ist hier etwas weniger gefragt, dafür scheint seine Mimik minimal an Ausdrucksqualitäten gewonnen zu haben. Leider versorgt ihn das Drehbuch an einigen Stellen mit Äußerungen und Verhaltensweisen – zum Beispiel einmal ein Maß an Selbstgefälligkeit, das der Situation überhaupt nicht entspricht -, gegen die er schlichtweg keine Chance hat.

Iron Baby

Mir würde sicher noch einiges zur durchaus problematischen Kombination von kindlicher Unschuld und militaristischem Gehabe einfallen, das hier mit durchexerziert wird; andererseits zieht dieses kurze Filmchen eine ganze Reihe von ironischen Zwischenebenen ein, die Iron Man 2 etwa total abgehen. Enjoy!

(Ein paar Infos dazu bei Wired; via)

Enchanted (2007)

Die Grundidee von Enchanted ist ja eine durchaus verspielte: Was wäre, wenn man die klassische Disney-Cartoon-Konstellation von Prinzessin, Prinz und „happily ever after“ mal in eine Realwelt entläßt und dort mit dem nicht gerade Musical-artigen Leben in New York konfrontiert?

Das Problem des Ergebnisses ist dann vielleicht: Daß dabei immer noch zu sehr Disney herauskommt, viel zu kinderfreundlich, viel zu glattgespült und viel zu vorhersehbar. Natürlich ist Prince Charming nicht der Prinz ihres Herzens, und natürlich wird Giselle (Amy Adams ist wie immer zauberhaft, aber das macht es hier eher noch schlimmer) alle Herzen ringsum erweichen und mit Liebe erfüllen. Etwas mehr Anarchie hätte diesem Film gut getan, echte Konflikte und derlei raue Realitäten. Oder einfach nur: mehr als nur eine Bollywood-esque Sing- und Tanzeinlage quer durch New York.

Immerhin ist die Parallelisierung von Real- und Trickfilm hier sehr schön gelungen: Die Trickfiguren sehen ihren Entsprechungen im Realfilm sehr ähnlich, und Susan Sarandon ist so wüst hergerichtet, daß sie auch realiter problemlos als jede böse Stiefmutter in Disney-Trickfilmen durchginge. Und auch wenn der Film sich am Ende nicht so recht traut, die Geschlechterfrage offensiv anzugehen (Giselle ergreift zwar das Schwert, ein wirklicher Kampf sieht aber anders aus), so sind es doch durchgehend die Frauen, die hier die Männer beschützen oder mindestens viel eher kapieren, was eigentlich gerade passiert.

Aber es geht ja auch um Herzensdinge. Damit paßt dann wieder alles.

Science of Horror (2008)

Science Of Horror – If the chainsaw is a penis (Homepage) ist ein kluger kleiner Dokumentarfilm, der sich ausführlich, aber nicht ausschließlich mit feministisch orientierten Untersuchungen zum Horrorfilm beschäftigt.

Mittels vieler Interviewausschnitte aus Gesprächen mit etwa Carol Clover, Judith Halberstam, Barbara Creed und Linda Williams einerseits, zum Beispiel Wes Craven, John Carpenter, Brian Yuzna, Tom Savini und Rachel Talalay andererseits zeigt der Film, in welch vielfältiger Hinsicht Sex, Sexualität, Geschlecht und Schrecken zueinander finden – einige davon kann man im Gespräch erahnen, das Cristina Nord für die taz mit der Regisseurin Katharina Klewinghaus geführt hat. Das reicht von der Frage, inwieweit Zensur produktiv wird – frei nach Michel Foucault als produktive Macht beschrieben -, die zur Herausbildung spezifischer Codes und Verstehensformen führen kann, bis hin zum deessentialisierenden gender-bending in Bride of Chucky und Seed of Chucky. Das zeigt schon, daß der Film weit über die im Untertitel verwendete Parallelisierung von Kettensäge und Penis (was sich natürlich insbesondere auf The Texas Chainsaw Massacre 2 bezieht) hinausweist.

Wem das Neuland ist, wird Science of Horror sicher mit Gewinn ansehen; wenn man sich mit solchen Fragen schon etwas eingehender beschäftigt hat, bietet der Film zwar womöglich keine besonders aufregenden neuen Erkenntnisse, aber neben der einen oder anderen womöglich neuen Perspektive auf jeden Fall die Möglichkeit des Films, das Gesagte sofort durch bewegte Bilder zu illustrieren und zu unterfüttern. (Im Wesentlichen wechseln sich hier Filmausschnitte und Talking Heads ab.)

Das Problem ist dabei allenfalls, daß dies nicht konsequent genug dazu genutzt wird, um die Themen wirklich argumentativ zu entwickeln – am Ende bleibt dann zu viel nebeneinander stehen, das sich ohne eine weitergehende Auseinandersetzung kaum verbinden läßt. Das liegt natürlich auch ein bißchen an Form und Länge des Dokumentarfilms: Eine Überfrachtung ist schließlich, wie das thematisch verwandte Beispiel Nightmares in Red, White and Blue zeigt, auch keineswegs wünschenswert.

Filmblogsuche und -aggregator

Ich bin mir nicht mehr sicher, ob ich nicht womöglich bei früherer Gelegenheit schon einmal auf die verschiedenen Aggregatoren und Suchmaschinen hingewiesen habe, mit denen sich eine Übersicht über filmbezogene Blogs und Online-Zeitschriften gewinnen läßt.

Besonders hat sich da Thomas Groh hervorgetan, der nicht nur die Movie-Blogs-Suppe ins Leben gerufen hat, sondern mit Googles Custom Search zudem eine movie blog search engine und eine movie magazine search engine erstellt hat und betreut.

Es gibt außerdem noch die Filmblogsuche vom Abspannsitzenbleiber, die einen ähnlichen Blogfundus durchsucht wie Thomas‘ Suche, aber einen größeren Schwerpunkt auf deutschsprachigen Blogs zu haben scheint.

Kennt Ihr noch weitere filmbezogene Suchdienste und Aggregatoren, die man sich ansehen sollte?

Transformers: Revenge of the Fallen (2009)

transformers2

Daß auf Michael Bays Transformers (2007) noch eine Fortsetzung folgen mußte, war gewissermaßen schon a priori klar: Allein der Umstand, daß hier von Michael Bay ein Actionblockbuster geplant wurde, der auf einer Spielzeugserie (und diversen Spin-Offs etwa als Fernsehserie etc.) basierte, schrie geradezu nach einer Franchise-Operation, und Transformers hatte nicht ganz zu Unrecht auch an den Kinokassen genug Wumms, um diese Investition auch zu rechtfertigen.

Dabei ist der erste Film ein durchaus noch delektables Feuerwerk hirnfreien Entertainments, von ernsthaften Dialogen und komplexen Charakteren so weit befreit, daß das metallische Skelett zeitgenössischer Actionerzählung überdeutlich zum Vorschein kam: Viel Feuerkraft, ein bißchen behauptete Romanze inklusiver exploitativer Inszenierung der gutaussehenden weiblichen Hauptnebendarstellerin, all das um die verschiedenen erotischen Bedürfnisse der anzusprechenden Zielgruppe zu befriedigen. Daß das insgesamt gut funktioniert, liegt daran, daß Bay das rechte Mischverhältnis von Pathos, Humor und Spektakel herstellt und das Ganze einigermaßen dicht und nur minimal zu lang in Szene setzt.

In Transformers: Revenge of the Fallen spart er sich jede Form von Exposition (und kann das natürlich, weil er die Kenntnis aller Umstände aus dem ersten Film bei den Fanboys voraussetzt), und das ist vielleicht einer der Gründe dafür, warum in deser Fortsetzung (der wohl zwingend eine weitere folgen wird) das Gleichgewicht in Richtung Spektakel kippt – es kennt keine Grenzen mehr.

transformers2

Transformers: Revenge of the Fallen ist ein Beispiel für kontinuierliche Selbstübertreffung, ein immer bizarrer wirkendes Wettrennen des Films mit sich selbst um immer noch größere Zerstörung, noch spektakulärere Spezialeffekte – ein Wettlauf, den der Streifen nur verlieren kann, nicht zuletzt deshalb, weil das alles in der Dichte zunehmend gleichförmig und damit uninteressant wird. Die noch existierende Resthandlung ist noch eingedampfter als im Vorläuferfilm, dient aber nicht einmal mehr wirklich dazu, die Handlungen der Figuren zu motivieren (deren Positionen zueinander und Motivationen denn auch dem Vorläuferfilm praktisch 1:1 gleichen), sondern nur den jeweils nächsten Standortwechsel einzuleiten, damit sich dort dann Autobots und Decepticons gegenseitig die Metallschädel einschlagen und bekannte Bauwerke zermalmen können. Um mehr geht es nicht: Bedeutungs- und motivationsloser wurde selten Action dieser Größenordnung inszeniert.

Und so schlampig und so infantil: Bays monströser Streifen hat mehr Continuity-Fehler als ein Sack Konfetti, und der Sprachwitz („I’m at the enemy’s scrotum“) entstammt einer infantil-pubertären Witzlogik, die ebenso wie die alles durchschlagende Zerstörungslust des Films allein darauf hindeutet, daß hier zu viel Energie auf Effekt, und keine auf Komplexität verwendet wurde.

(NB: Lukas, dessen Meinung ich höher nicht schätzen könnte, findet den Film deutlich besser.)

Fotos: Paramount

Kurzfilm: Azureus Rising

Das Video, das man hier sehen kann, ist noch nicht viel mehr als eine Konzeptstudie für einen Langfilm (bzw. genauer wohl: für eine Trilogie von Langfilmen), aber schon als solche und für sich stehend wirkt sie technisch und ästhetisch gelungen (auch wenn es an echter Handlung noch sehr fehlt), vor allem in der Rhythmisierung von langsamen Momenten mit sich steigernder Spannung, die dann sehr plötzlich in Bewegung umgesetzt wird. Aufregende fünf Minuten.

Regisseur David Weinstein erklärt die Idee hinter dem Projekt wie folgt:

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Planet 51 (2009)

Spätestens seit meiner Besprechung von Chicken Little dürfte ja irgendwie klar sein, daß ich leichtfüßigen Animationsfilmen „für die ganze Familie“, die sich komödiantisch den Science-Fiction-Film vornehmen, nicht abgeneigt bin. Insofern ist es naheliegend, daß ich mir auch Planet 51 näher ansehe.

Die Geschichte karikiert die klassischen Alien-Invasionsfilme der 1950er Jahre, indem sie zunächst einmal die Prämisse völlig umdreht. Handlungsort ist hier nämlich nicht die Erde, sondern der titelgebende „Planet 51“, bewohnt von (natürlich sehr niedlichen) grünen Aliens mit Fühlern, deren Lebensstil ziemlich genau dem entspricht, was man von einer amerikanischen Kleinstadt der 1950er erwarten würde – außer daß nahezu überall Kornkreis-Symbole auftauchen und die Mensche kleine Gigersche Aliens mit Säurenurin als Haustiere durch die Gegend zerren. Das ist eine knallbunte Szenerie wie aus Back To The Future, allerdings noch deutlich überdrehter, und wenn es regnet, dann fallen Steine vom Himmel.

Teenager Lem ist gewissermaßen der Marty McFly in dieser Konstellation: sympathischer Underdog. Er ist ein bißchen zu brav, seine Angebetete schmeißt sich lieber an den lokalen Hippie heran, und er träumt von einer Zukunft bürgerlichster Natur. Gerade hat er stolz seinen neuen Job im Planetarium angetreten, als ein Alien auf seinem Planeten landet (und sich dann unerwartet an Lems Arbeitsplatz versteckt): Captain Charles T. Baker von der NASA. Eine Weile spielt der Film mit dem beidseitigen Mißverständnis, wer hier das Alien und also schrecklich und zu fürchten sei; glücklicherweise läßt er das dann bald hinter sich. Danach wird aus Planet 51, wenn auch eben unter umgekehrten Vorzeichen bzw. Hautfarben und Körperformen, eine gut gemachte, wenn auch nicht besonders herausragende typische Alienkomödie, bei der das Militär die einerseits Bösen, andererseits aber vor allem etwas Tumben repräsentiert, die den Fremden fangen und studieren wollen. Nicht zuletzt ist da Professor Kipple (im Original von John Cleese gesprochen), der Charles‘ Gehirn einer genaueren Untersuchung unterziehen möchte – ex vivo, versteht sich.

Für das etwas erwachsenere Publikum dieser absolut jugendfreien Veranstaltung gibt es reichlich spielerische Verweise auf Filme wie E.T. (natürlich die Flugszene bei Vollmond), Star Wars (das Geräusch von Lukes Landspeeder) und Wall-E, der offenbar Pate stand für Charles‘ hundeartigen Roboter „Rover“. Den kann nichts mehr begeistern als Steine, die er aufsammeln kann, und wenn es hier regnet, dann ist er euphorisch glücklich, „Singing in the rain“ inklusive.

Origineller wird das nicht (sieht man von einem völlig überzogenen John-Woo-Moment ab), und das Ende schmalzt so heftig (of course he does get the girl), daß man sich im Sessel zu krümmen beginnt; für brauchbare Familienunterhaltung reicht das aber schon, wenn man nicht das Bedürfnis nach höherer Komplexität hat. Den Einheimischen von Planet 51 steht da im Übrigen noch einiges bevor, denn selbst das mit dem Protestieren und Aufbegehren gegen die herrschende Ordnung müssen sie noch üben: „We’re really upset! We’re really upset!“ reicht als Schlachtruf auf Dauer nicht.

The Empire Strikes Back, made in 1950

Ich bin ja erklärter Star Wars-Fan, und so kann ich mich über dieses Video natürlich nur freuen, das Malte da aufgetan hat:

Das Spiel mit den filmischen Mitteln der 1950er-Science-Fiction ist hier wirklich clever gelöst. Es gibt auch noch ein ähnliches, kürzeres und etwas älteres (sowie nicht so gutes) Star Wars-Video dieser Machart, ebenso eines zu Cloverfield. Und natürlich die Ghost Busters à la 1954, auf die ich hier schon einmal hingewiesen hatte.