Gérardmer 2010 – Tag 3

gerardmer_logoEs neigt sich auf der einen Seite schon alles sehr dem Ende zu; dafür ist dann auf der anderen Seite auch immerhin schon ein bißchen was fertig. Meine Besprechung von Dans ton sommeil, die bei blairwitch.de nachgelesen werden kann.

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Hatte ich schon erwähnt, daß es fortwährend schneit? Am Samstag kam jetzt immerhin für etwa eine Stunde knallig die Sonne durch. Dann begann es wieder dick zu flocken. Das alles hat neben der schönen Landschaft und dem winterlichen Rumgefühle auch ungewollte Folgen: So hat sich einer der Parkplätze am Hauptspielort des Festivals als gelegentliche Autofalle entpuppt, denn er wird offenbar nicht geräumt und liegt etwas unterhalb der Straße. Auf die ist schon das eine oder andere Auto nicht mehr aus eigener Kraft hochgekommen.

Gerüchte machten auch die Runde, die Busse nach Draußen kämen ob des Schnees nicht durch. Das Büro der Touristeninformation dementiert, aber weil morgen Sonntag ist, fahren eh nur drei Busse zu insgesamt zwei Zielen. Hoffentlich, denn meiner geht nach Fahrplan um halb sechs am Abend.

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Und natürlich ist seit heute morgen die ganze Stadt voll mit Menschen und Autos. Es ist Wochenende, und da sind viele zum Wintersporteln gekommen, aber auch die Fans, die sich unter der Woche nicht freimachen konnten oder wollten. So sind insbesondere die Schlangen für Splice und den neuen Romero extrem lang geraten.

Und mit dem Wochenende kommen auch die Pärchen; so ist der Dresscode unter den nicht akkreditierten Festivalbesucher_innen nicht mehr ganz so strikt schwarz oder grau zu schwarz.

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Schon von Anfang an da sind die zwei oder drei offenbar traditionell zu Filmbeginn laute Schreie oder irre Lacher ausstoßenden Besucher. Als der eine heute morgen zu Hierro fehlte, machte sich das sofort als mentales Loch bemerkbar.

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Anno Saul

Zu Die Tür war er wieder da; und Regisseur Anno Saul verhaspelte sich ein wenig vor Aufregung in seinem Englisch. Später meinte ein Kritiker, in dem Film besonders deutschen Geist gefunden zu haben; dem kann ich mich freilich nicht so ohne weiteres anschließen. Aber schön war es schon, das Kottbusser Tor mal wieder zu sehen; jedenfalls so auf der Leinwand und nur mal kurz.

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Sprachlich etwas leichter hatte es dann Vincenzo Natali, der bei seinem dritten Besuch in Gérardmer schon ein recht passables Französisch präsentierte, für das er sich dennoch ständig entschuldigte. Besonders freute er sich wohl darüber, daß auch Delphine Chanéac dabei war, die in Splice ein genetisch erschaffenes Kunstwesen spielt, und die Natali über alle Maßen pries – und versprach, man werde sie im Film nicht wiedererkennen. (Das stimmt nicht so ganz. Aber irgendwas hat sie mit ihren Haaren gemacht. Und ihren Beinen.)

L'équipe du film 'Splice'

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Damit der Tag noch einen verqueren Abschluß bekommt, habe ich dann mein Handy im Presseraum liegen lassen, wo ich es zum Aufladen ans Stromnetz gehängt hatte. Aufgefallen ist mir das allerdings erst hier im Hotel wieder, und so bin ich die ganze Strecke wieder zurück gelaufen. Und weil dann Delphine Chanéac gerade, vom Klavier begleitet, ein paar Lieder sang, und ich eh die Nase voll hatte, bin ich noch einen Moment und zwei Bier lang in der Bar geblieben. Weshalb es für heute bei diesem kurzen Bericht bleibt. Gute Nacht.

Gérardmer 2010 – Amer

(Update: Vollständige Besprechung jetzt hier im Blog.)

gerardmer_logoAmer, so geht meine Vermutung, ist unter den Wettbewerbsfilmen in Gérardmer bislang vermutlich derjenige, der das Publikum am effektivsten spaltet, in voraussehbar drei Teile: Diejenigen, die das Ganze prätentios und ohne erzählerischen Mehrwert finden, diejenigen, die sich nach einer Weile langzuweilen beginnen, und schließlich diejenigen, die bis zum Schluß mitgerissen sind.

Ich gehöre, ich gestehe es gerne, zur letzten Gruppe, mit einigen Zweifeln an meiner Überzeugung in der Mitte. Will sagen: Das ist ein toller Film, intensiv, erotisch, gruselig; die Geschichte ist nicht besonders originell (um die geht es auch gar nicht) und der Gestus wirkt zunächst wie experimentelles Avantgardekino, ist aber doch eigentlich etwas anderes: will wohl etwas sein wie ein filmischer Stream-of-Consciousness.

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In drei Teile gliedert sich der Film, Kindheit, Adoleszenz und Erwachsensein, wir folgen Ana (gespielt nacheinander von Cassandra Forêt, Charlotte Eugène Guibbaud und Marie Bos) oder vielleicht eher: wir sehen, was sie sieht und fühlt, einen Wust von Fragmenten, Ultra-Close-Ups, rätselhaften Bildern in leuchtenden Farben, stellenweise überstrahlt, fast immer mit selektiv verstärktem Ton. Geräusche sind das: Das Kratzen eines Dorns auf Haut, das Knirschen von Leder, der Wind, der Anas Kleid anhebt. Das Drehen des Schlüssels im Schloß, eine zufallende Tür, knarzende Holzbohlen.

Drei kurze Ereignisse werden da in den Fragmenten berichtet, jedenfalls bastelt man sich das so zusammen, ganz sicher kann man nicht sein: Elliptisch und selektiv ist das Bild, aber daß es sich nicht von selbst zusammenfügt, uns keine leichte Erzählung anbietet, ist Pro- wie Psychogramm.

Ist das Erinnerung? Die Bilder aus der Kindheit sind am fremdartigsten, gruselig und stellenweise furchtbar, die Eltern seltsam fern, eine ganz in Schwarz gehüllte Haushälterin kümmert sich um den just verstorbenen Großvater. Dann Adoleszenz: hier ist alles andeutungsvoll, ein Ausflug mit der Mutter ins Dorf (wird sind wohl auf einem Landhaus in der französischen Provinz), da versteht der Film alles sexuell aufzuladen, mit Atemgeräuschen, dem Rascheln von Stoff auf Haut, Schweißtropfen. Und vielleicht führt der Schluß das sogar alles zusammen.

AMER1

Fertig bin ich mit Amer jedenfalls noch lange nicht, für eine einigermaßen konsistente Kritik brauche ich noch ein bißchen Bedenkzeit. Schön ist jedenfalls alleine schon der Vorspann, der in Musik, Schriftzügen und Splitscreens die 70er aufleben läßt – und doch schon den dem Film eigenen Ton zu etablieren versteht.

(Und über die möglichen Beziehungen zum Giallo auch ein andernmal.)

‚Predator‘ hätte anders beginnen können

Auf einer Pressekonferenz gestern hat John McTiernan, der hier in Gérardmer Präsident der Jury ist, neben vielem anderen auch etwas über einen seinerzeit erwogenen, alternativen Beginn für seinen Film Predator mit Arnold Schwarzenegger erzählt.

Die schlechte Ton- und Bildqualität bitte ich zu entschuldigen. Irgendwann kaufe ich mir auch mal ein Stativ und eine richtige Videokamera.

Gérardmer 2010 – Tag 2

gerardmer_logoDer zweite Festivaltag ist für mich zu Ende gegangen, und inzwischen macht sich schon langsam das Gefühl von Erschöpfung breit; und dabei waren es heute „nur“ drei Filme. Immerhin habe ich jetzt schon etwas geschrieben und einige Notizen getippt. Wie macht das eigentlich Thomas während der Berlinale immer, so viel zu sehen, so viel zu schreiben und dennoch vermutlich auch noch zu essen und zu schlafen? Infusionen mit Koffein und Traubenzucker? Jedenfalls sollte ich gleich ins Bett gehen.

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Das Wetter ist hier natürlich ein großes Thema. Seit zwei Tagen schneit es jetzt fast ohne Unterlaß, und wie eine Zuschauerin gestern leicht angestrengt bemerkte, macht es das nicht eben leichter, von einem Festivalkino zum anderen zu kommen; die Zeiten zwischen den Filmen sind eh nicht besonders üppig bemessen. Seit dem Nachmittag sind jetzt immerhin schon die ersten Gehsteige geräumt, aber die einst freigemachten Straßen sind schon wieder unter einigen Zentimetern Schnee verschwunden.

Wenn man sich dann zum Hauptspielort, dem „Espace L.A.C.“ – er liegt, gute Güte, auch noch etwas außerhalb des Ortes, aber schön am See – vorgekämpft hat, wartet dort die nächste Hürde: Der Zugang für die Presse, geladene Gäste und „Professionals“ führt über eine kleine Treppe rauf, über eine rutschige Veranda und wieder eine Treppe hinab. Alles draußen, alles seit Beginn des Schneefalls so glatt wie vermutlich der zugefrorene See. Auf der Veranda liegt jetzt immerhin ein Teppich, der die Rutschgefahr erfolgreich mindert.

Gefühlt war der ganze Schnee trotz kalter Füße, Schwiegeromas Wollsocken verhinderten bislang das Schlimmste, dennoch um Meilen besser als der Regen und der eisige Wind, von denen die Berlinale stets begleitet wird. Nun hat sich allerdings am späten Nachmittag zum Schneetreiben ein eisiger Wind hinzugesellt, der den Pulverschnee von Dächern, Bäumen und vom See aufwirbelt und uns in Augen und Gesicht treibt. Ich bin mir nicht mehr ganz so sicher.

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Aber die Stimmung ist dennoch gut. Vor der Vorstellung von 5150, rue des Ormes warteten alle sehr lange auf Einlaß, und irgendwann entspann sich zwischen zwei Gruppen in der Journalist_innenschlange und der Schlange für Menschen mit „normalen“ Tickets eine kleine Schneeballschlacht.

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Und für die, die nicht genug kriegen können, gibt es von einem der Sponsoren des Festivals vor jeder Vorstellung ein Eis.

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Les réalisateurs du film 'Amer'

Die Regisseure von Amer, Hélène Cattet und Bruno Forzani, waren von ihrem Auftritt vor Publikum so überwältigt (oder so schlecht auf sie vorbereitet), das sie nur zwei Halbsätze stammeln konnten. Eric Tessier hingegen, gutgelaunter Kanadier, stellte seinen Film 5150, rue des Ormes nicht nur mit vielen, langen Sätzen vor, sondern gab dem frankophonen Publikum gleich noch eine kleine Unterweisung in die Besonderheiten des in Québec gesprochenen Französisch‘ (Video).

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Bei einer Pressekonferenz am Nachmittag, zu der auch ein als Predator verkleideter Fan erschien, wollte Jury-Präsident John McTiernan allererst und vor allem einen Kaffee. Den bekam er dann leider erst kurz vor Ende der Veranstaltung, dankbar war er aber doch.

Da wirkte er noch, wie schon bei der Eröffnungsveranstaltung, sehr ruppig, unwillig und unwirsch. Sobald aber die ersten Fragen kamen, kamen auch die Antworten ausführlich und mit Begeisterung. Und als ihm ein Vertreter der Cinématheque Française eine ausführliche Laudatio hält, das Publikum ihm stehend applaudiert, da ist auch er sichtlich gerührt.

Hommage à John McTiernan

Gérardmer 2010 – Die Dokumentarfilme

gerardmer_logoDie beiden Dokumentarfilme zum Horrorfilm, die in Gérardmer außerhalb des Wettbewerbs gezeigt werden, sind hier als Double Feature zu sehen, was einerseits gut ist, weil es eine direkte Gegenüberstellung ermöglicht und fördert, und andererseits für den amerikanischen Beitrag in diesem Doppel nicht so vorteilhaft ausfällt.

Nightmares in Red, White and Blue

Das ist nicht einmal der rein technischen Qualität in die Schuhe zu schieben, obwohl diese mir als erstes an Nightmares in Red, White and Blue negativ aufgefallen ist. Offensichtlich wurden vor allem viele der alten Filme digital und in denkbar schlechter Auflösung verarbeitet, so daß zum Teil vor lauter Schlieren kaum mehr erkennbar ist, was auf der Leinwand vor sich geht.

Der Film betreibt dann einen allzu schnellen Durchmarsch durch die Jahrzehnte, von den 1920er bis in die 2000er hinein und vertritt im Wesentlichen doch nur die Aussage: Der Horrorfilm ist stets ein Kind seiner Zeit, und außerdem traut er sich, Wahrheiten auszusprechen, die das Kino sonst nicht anfassen mag. Das ist so wahr wie inzwischen banal. Nightmares fügt dem nichts Neues hinzu, was nicht schon hunderte Male in Bezug auf die eine oder andere Epoche oder mit Verweis auf dieses und jenes Thema gesagt und geschrieben worden wäre.

Das Hauptproblem ist, daß diese Grundthese auch noch völlig uninteressant präsentiert wird. Die Namen von Filmen sirren vorüber, ebenso die blutigen Szenen, und dazwischen gibt es Talking Heads. Es sind zwar tolle Talking Heads, praktisch alle noch lebenden Größen unter den Horrorregisseuren, und sie haben auch was zu sagen, aber fesseln kann das nicht, dafür verweilt der Film zu wenig auf den Momentaufnahmen oder auf einzelnen Filmen. Wenn das doch einmal passiert, als z.B. George A. Romero voller Begeisterung von The Thing erzählt und auf bestimmte Details aufmerksam macht, dann spürt man umso schmerzlicher, wie wenig der Film das sonst betreibt. Und genau in diesem Moment verspielt der Film auch die Chance, die er sich selbst gibt, seine Grundbehauptung zu zeigen und zu belegen, anstatt sie nur zu behaupten.

Stattdessen werden alle Filmtitel und Traditionen angerissen, mehr um Vollständigkeit als um Bedeutung herzustellen, von Nosferatu (als Inspiration natürlich, da nicht genuin amerikanisch) bis hin zu Interview mit einem Vampir, von Hannibal Lecter bis Freddy Krueger, von Scream (in einer ultrakurzen Sequenz) bis hin zu It’s Alive (mit kein bißchen mehr Screentime). In einem solchen Druckkochtopf wird letztlich nicht von dem wirklich sichtbar, was der Film behauptet: gesellschaftliche Relevanz, innere Entwicklung, thematische Bedeutsamkeiten – das alles muß man entweder glauben oder anderswo nachlesen oder -sehen.

Mit größerer Sparsamkeit kommt man durchaus weiter, wie zum Beispiel zum Beispiel Going to Pieces gezeigt hat. Der spaziert zwar durch das Subgenre und die Zeit seit den 1970ern im Grunde nicht weniger rasch hindurch, gewinnt aber durch zeitliche wie thematische Konzentration an Konsistenz.

Viande d’origine française

Vielleicht ist es natürlich nur, daß ich mich im französischen Horrorkino noch nicht so gut auskenne; oder daß es den Bonus des leicht Randständigen hat, die Außenseiterzulage, die man zu wenig behandelten Themen gerne mal gibt.

Oberflächlich weicht Viande d’origine française in seiner Herangehensweise ans Thema von Nightmares nicht wirklich ab: Regisseure, Produzenten und eine Schauspielerin kommen zu Wort, stets mit mindestens zwei Kameras geführt, mitten im Satz wird, man weiß das nach einer Weile vorher schon, von der Nahaufnahme auf eine Halbtotale geschnitten – das ist ein bißchen verspielt, ein bißchen nervös, ein bißchen dynamisch. Dazwischen gibt es dann viele blutige Szenen aus den angesprochenen Filmen, und man darf den Eindruck bekommen, daß die Regisseure sich aus den achtzehn Horrorfilmen, die ihren Angaben nach seit 2000 in Frankreich entstanden sind (dessen Filmindustrie, ebenfalls nach den Zahlen aus Viande, einen jährlichen Ausstoß von 200 Streifen hat), die blutigsten Stellen herausgesucht haben.

Viande d’origine française hangelt sich vage an einer historischen Linie entlang, durchzieht diese aber mit einem weiteren roten Faden: die Bedeutung des französischen Horrorfilms im Inland und im Ausland. Der Strang hat zahlreiche Ausfaserungen nach rechts und links – gesellschaftliche Bedeutungen, filmwissenschaftliche Bewertung, Auteur-Theorie und all das, und wie es in Zusammenhang mit dem Genrefilm steht, sowie schließlich auch die „Ausbeutung“ junger europäischer Filmemacher durch die Großindustrie in Hollywood.

Und ganz einfach macht der Film es sich eben auch nicht. Da wird keine völlig stringente Geschichte erzählt, sondern durchaus in sich widersprüchliche Aussagen und Diskussionen einfach stehen gelassen. Natürlich ist es fürchterlich, wie schwer es in Frankreich ist, einen Horrorfilm finanzieren zu lassen; aber es ist eben doch viel angenehmer, als den einschränkenden Vorstellungen von Studiobossen und Marketingleuten ausgeliefert zu sein, selbst wenn man dafür ein großes Budget zur Verfügung hat. Wenn es nur nicht so wäre, daß man, wie die beiden Regisseure von La Horde klagen, froh sein kann, genug Geld für eine einigermaßen realistische Wirklichkeitsdarstellung zu bekommen. Was der Film mit zunächst Dreharbeiten von einem völligen Trashfilm kommentiert, bei dem eine Wassermelone als Kopfersatz zerschlagen wird, um dann als weiteren Kommentar Bilder zu zeigen, die Alexandro Aja beim entspannten Big-Budget-Dreh von Piranhas 3D zeigen.

So ganz ernst nehmen sich die ganzen Protagonist_innen des französischen Horrorkinos also jedenfalls wohl nicht, und Viande d’origine française macht sich diese Haltung zu eigen. Schließlich will das Publikum unterhalten und nicht bejammert werden.

Gérardmer 2010 – Tag 1

gerardmer_logoVielleicht war es einfach die Unruhe, die mich gestern umtrieb, und die inzwischen etwas nachgelassen hat; vielleicht ist es der Schnee, der letzte Nacht gefallen ist und nun wieder fällt, der die ganze Welt in und um Gérardmer in weißen Schleier hüllt, See und Luft und Stadt: Jedenfalls muß ich konstatieren, daß ich die Stadt gestern womöglich negativer beschrieben habe, als sie es verdient. Denn eines ist man hier: freundlich (sieht man vom Kellner in der Brasserie vorhin ab, aber da gehört das zum Berufsbild, denke ich). Und die Innenstadt ist in der Tat zwar vielleicht kein Kleinod, aber ein Sammelsurium lebendiger Straßen, offenbar am Tourismus ausgerichtet, aber nichtsdestoweniger nicht aufgesetzt-künstlich, sondern kleinstädtisch-nett.

An der furchtbaren Lage des Friedhofs ändert sich dadurch leider nichts.

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Von den bisher gesehenen Filmen, Dans ton sommeil und Possessed, später mehr. Bei kino-zeit.de ist inzwischen mein ausführlicher Vorabbericht zum Festival erschienen (allerdings in einer eigentlich schon veralteten Version, in der ich noch versehentlich von einem deutschen Kinostart für Halloween 2 faselte – doch, doch, das Internet läßt alle unsere Schwächen zum Vorschein kommen. Und ich leuchte sie noch aus. Halloween 2 erscheint Mitte März direkt auf DVD).

Und Fotos gibt es jetzt nach und nach in meinem Flickr-Account.

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John McTiernan kam, als die anderen Mitglieder der Jury schon auf der Bühne standen, eher angeschlurft als dynamisch geeilt; ging zum Pult und erklärte, ohne weitere Einleitung und Abfederung, sehr schnodderig das Festival für eröffnet. Das (nur mit schriftlicher Einladung eingelassene) Publikum war davon so überrascht, daß der Applaus nur sehr halbherzig ausfiel. Als dann heute morgen der erste Film des Wettbewerbs gezeigt wurde, offenbar für viele Zuschauer der inoffizielle Eröffnungsfilm, wurde der Festivaltrailer hingegen mit großer Begeisterung und ausdauernd bejubelt.

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L'Equipe du film 'Dans ton sommeil'

Anne Parillaud, eine hauchdünne Erscheinung in Schwarz, lobte vor der Vorführung des Eröffnungsfilms Dans ton sommeil dessen Direktheit, die rauen Wahrheiten, die ein Erstlingsfilm noch transportiere. Ob Arthur Dupont, neben Parillaud Hauptdarsteller des Films, gegen solchen Charme des Anfangs den Gestus der gelangweilten Routine setzen wollte, ist nicht überliefert. Jedenfalls war sein kurzes, eher belangloses Statement zum Film (es hat ihm viel Spaß gemacht), unter seinem Kaugummikauen fast nicht zu verstehen. Aber vielleicht liegt das auch an meinem Französisch.

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Lee Yong-Ju, réalisateur de 'Possessed/Bulshin Jiok'

Lee Yong-Ju (so die französische Umschrift des Namens) hatte zur Vorstellung seines Films Possessed eine Dolmetscherin mitgebracht. Daß sein Französisch womöglich noch schlechter ist als meines, ist für einen Südkoreaner (hier ist er noch einmal einzeln im Bild) ja sicher eine läßliche Sünde. Er hielt dann, offenbar mit dem Ziel, Verständnis für das Thema seines Films im Kontext südkoreanischer Verhältnisse zu wecken, nach einigen einleitenden Worten einen nicht ganz kurzen, pausenfreien Vortrag über Religion in Korea und im koreanischen Film.

Die Dolmetscherin, die sichtbar zögerte, als er endlich fertig war, bekam spontanen Szenenapplaus, und nach erfolgter Übersetzung ganz persönlichen Jubel vom Publikum.

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Weiter geht es für mich heute noch mit Cargo, La Horde sowie schließlich dem Dokumentarfilm-Double-Feature Viande d’origine française und Nightmares in Red, White and Blue.

28 Drinks Later

Bevor ich mir heute abend mit La Horde frisches Zombiefleisch zu Gemüte führe, gibt es hier noch eine hübsche Zombiefilmtrailerparodie (falls das ein Genre ist), die sich an 28 Days/Weeks Later abarbeitet:

(via)

Gérardmer 2010 – Ankunft

gerardmer_logoEin angenehmer Nebeneffekt des französischen Zentralismus ist bekanntermaßen, daß man von Paris aus sehr schnell in die anderen Landesteile gelangt. Wie ausgestreckte Spinnenbeine ziehen sich die TGV-Strecken nahezu ohne Knicke von der Hauptstadt aus durch die Provinz, wie hier gleich alles heißt, was nicht mehr zu Paris oder seinem Speckgürtel gehört.

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Wie anderswo auch wird es aber hierzulande durchaus mühsam, wenn man in die etwas abgelegeneren Orte gelangen möchte. Viele gibt es, die ohne eigenes Auto gar nicht zu erreichen sind, und so ist es womöglich ein Geschenk, daß man Gérardmer immerhin mehrmals täglich mit dem Bus aus verschiedenen umliegenden Städtchen erreichen kann. Die meisten Gäste des Filmfestivals, darf ich vermuten, reisen wohl nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln an.

P1030813Immer den Berg geht es hinauf, wenn auch nicht in große Höhen, bis man den kleinen Ort erreicht hat. So etwa zehntausend Einwohner hat das Städtchen, höchst malerisch an einem jetzt zugefrorenen See gelegen, an einer flachen Stelle inmitten eines Tals, umgeben also auf drei Seiten von weiter hoch reichenden Bergen, die alle eingeschneit und, wenn das Outfit vieler anderer Hotelgäste hier etwas auszusagen vermag, für Wintersport wohl auch nicht ungeeignet sind.

Schön ist also die Landschaft schon, und da ist es möglicherweise nur konsequent, daß man in Gérardmer, wie sagt man es höflich?, auf Äußerlichkeiten wie Architektur keinen besonderen Wert legen mag. Sieht man von der beschaulichen und sehr lebendig wirkenden Altstadt ab, ziehen hier Straßen in rechten Winkeln zueinander ein Gitter ins Tal, und drunten wie an den Hängen stehen neben eher traditionell wirkenden Häusern gar scheußliche Kästen. Und selbst der offenbar schon mindestens seit Anfang des 20. Jahrhunderts genutzte Friedhof findet sich mittlerweile mitten in einem Gewerbegebiet, von Bauunternehmen und Kieslagern umgeben.

P1030814Aber das ist wirklich egal: Gérardmer ist allenfalls Schlaf- und Essensstadt für die Tourist_innen, die man sommers wie winters zum Wandern und Skifahren auf die Hänge ringsum schickt, und für zwischendurch und schlechtes Wetter gibt es ein großes Casino oder ins Kin o beim einen oder anderen Filmfestival.

Auf Fantastic’Arts nun scheint die ganze Stadt seelisch eingestellt zu sein. Bei der Hotelsuche reichte es, danach zu fragen, ob während des Festivals noch ein Zimmer frei sei (meistens nein), und im Stadtzentrum hängen nicht nur überall Plakate und Wegweiser zu den Spielorten, an jedem Laternenpfahl hängt auch noch ein Lautsprecher, aus dem der lokale Radiosender zu tönen scheint, der offenbar ebenfalls fleißig berichtet.

In weniger als zwei Stunden beginnt das Festival mit Dans ton sommeil.

Französische Verlosungswoche!

Weil ich mich diese Woche ganz tief im Herzen Frankreichs in Filmdinge versenke, gibt es hier und jetzt, auch um das Jahr 2010 nachträglich noch einmal mit Schwung einzuläuten, drei DVDs mit französischen Filmen zu gewinnen. Die Scheiben stammen aus meinem Privatbesitz und sind daher, weil jeweils einmal angesehen, nicht mehr nagelneu und originalverpackt, aber in einwandfreiem Zustand. Nicht daß Ihr dem geschenkten Gaul ins Maul schauen solltet…

Das sind im Einzelnen und von links nach rechts:

frankreich_verlosung

  1. Mes Amis, mes Amours von Lorraine Lévy (meine Kritik),
  2. Largo Winch von Jérôme Salle (meine Kritik) und
  3. De l’autre côté du lit von Pascale Pouzadoux (meine Kritik).

Aber Achtung! Des Französischen sollte man schon ein wenig wenigstens mächtig sein, denn es handelt sich um französische Originale. Die Largo Winch-DVD hat allerdings auch eine englische Tonspur.

Um zu gewinnen, müßt Ihr nur hier einen Kommentar hinterlassen, in dem Ihr mir Euren liebsten französischen Film verratet (es dürfen auch mehrere sein); Bonuspunkte gibt es für eine Begründung, warum Euch der Film so gut gefällt. Und dann gebt doch bitte kurz noch (zum Beispiel durch eine 1, 2 oder 3 in Klammern) kurz an, welche DVD Ihr am liebsten gewännet. Denkt daran, eine gültige E-Mail-Adresse anzugeben!

Teilnehmen dürfen alle Leser_innen aus EU-Ländern und der Schweiz. Das ist eine private Verlosung, aber der Rechtsweg ist sowieso ausgeschlossen. Die Verlosung endet am Mittwoch nächster Woche, am 3. Februar 2010, um 23.59 Uhr.

(Das Freischalten der Kommentare kann manchmal eine Weile dauern. Ich bin ja jetzt viel im Kino. Bitte habt Geduld!)

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Fantastic’Arts – Festival du Film fantastique à Gérardmer

gerardmer_klein

Kommenden Mittwoch fahre ich in die Vogesen – zum 17. Festival du Film fantastique oder Fantastic’Arts, das bis Sonntag in dem kleinen Ort Gérardmer stattfindet. (Schön ist’s da, auch wenn es dieser Tage wohl eher kalt sein wird und vielleicht etwas eingeschneit.) Das Festival dauert viereinhalb Tage, an denen regelmäßig über 30.000 Kinotickets verkauft werden; ich freue mich besonders darauf, endlich Moon von Duncan Jones sehen zu können, den neuen Romero sowie natürlich Splice.

Ich werde hier im Blog unmittelbar vom Festival berichten, auf längere Kritiken, die anderswo erscheinen, weise ich dann noch gesondert hin. Weitere Festivalimpressionen werden sich auf Französisch wohl bei den Kolleg_innen von Film de Culte, Films Horreur und Mad Movies finden lassen. Ist noch jemand aus Deutschland da?

Im Folgenden habe ich aufgelistet, welche Filme in Gérardmer auf dem Programm stehen – die fettgesetzten Titel stehen bereits fest auf meinem Sichtungsplan, Anregungen nehme ich gerne entgegen, auch wenn mein Zeitplan nicht mehr viel Spielraum hat, ich muß ja auch mal schlafen, essen und schreiben. ;-)

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